Kempinski


Personalie

Bald offiziell? Kempinski will „new man at the top“ bestätigen

Schon seit einigen Wochen steht Martin R. Smura als Nachfolger von Markus Semer als CEO von Kempinski fest. Nun soll die Top-Personalie offiziell verkündet werden. Wenn es nicht noch verhindert wird.

Neuer Kempinski CEO: Martin R. SmuraNeuer Kempinski CEO: Martin R. Smura

STUTTGART/GENF. Im Genfer Hauptquartier von Kempinski kursiert über Pfingsten eine vorbereitete Pressemitteilung mit der Überschrift: „New man at the top of Kempinski: Martin R. Smura appointed CEO of Germany‘s oldest luxury hotel group effective 1st of July“. Die Mitteilung ist auf den 11. Juni 2019 datiert.

AHGZ-Leser wissen das bereits seit Ende Mai. Am 28. Mai berichteten wir exklusiv, dass der Aufsichtsratsvorsitzende des Kölner Hotelunternehmens Dorint, Martin R. Smura (50), das Steuer bei Kempinski übernimmt. Smura folgt auf Markus Semer, der seit 2016 im Amt war und im März seinen Abschied angekündigt hatte und der 2020 eine neue Aufgabe übernehmen will.

Vertrag längst unterzeichnet

Seither gab es ein Verwirrspiel um die Top-Personalie. Während der Vertrag längst von allen Seiten unterzeichnet war und hochrangige Kempinski-Mitarbeiter ihre neue Zukunft planten, wollte die Kempinski-Pressestelle dies zunächst weder offiziell bestätigen noch dementieren. Sogar als Smura am 28. Mai bei einem Meeting mit 48 Dorint GM seinen Wechsel selbst bekanntgab, war von Kempinski nichts zu hören. Nun soll aber die offizielle Verkündung in Genf unmittelbar bevorstehen, wenn sie nicht wieder in letzter Sekunde verhindert wird. Smura selbst ist seit Tagen nicht erreichbar und konnte zu den Breaking News aus der Genfer Zentrale aktuell nicht befragt werden. 

In der Pressemitteilung überschüttet der Aufsichtsratsvorsitzende der Kempiski AG, seine Excellenz Abdulla H. Saif, sowohl den künftigen als auch den scheidenden Chef mit Komplimenten. „Wir sind zuversichtlich, dass Martin R. Smura mit seinen hervorragenden Führungsfähigkeiten die große Hoteltradition und Qualität von Kempinski weiterhin wahren und fortführen wird. Insbesondere seine Führungsqualitäten, seine strategische Vision für die weitere Expansion der Marke, sein hervorragendes Netzwerk und seine langjährigen Vertrauensbindungen, auch zu unseren Partnern, werden die Position der Gruppe für die Zukunft stärken.“

Aber auch der scheidende CEO Markus Semer erhält Lob von Abdulla H. Saif: „Gleichzeitig möchte ich Markus Semer herzlich für sein unschätzbares Engagement für die Kempinski-Gruppe in den vergangenen 16 Jahren und in den letzten drei Jahren als CEO danken.“ Er habe das Unternehmen erfolgreich neu positioniert und profitabel gemacht habe. „Kempinski, das in diesem Jahr sein 122-jähriges Bestehen feiert, war als unabhängige internationale Hotel-Luxusmarke noch nie stärker und wettbewerbsfähiger, und wir schulden Markus Semer und dem Team unsere Anerkennung für diese bemerkenswerte Leistung.“

Kempinski unter Druck

Bleibt die Frage, warum der Wechsel nach so kurzer Zeit erfolgt. Kempinski befindet sich seit der Rücktrittsankündigung von Semer und seinem Stellvertreter Colin Lubbe in einer Führungskrise. Diese ist nun beigelegt. Doch seit dem Abgang von President und CEO Reto Wittwer hat das Unternehmen bewegte Jahre hinter sich. Von 2015 bis 2016 gab es eine Schlammschlacht mit Korruptionsvorwürfen, Klage, Gegenklage, Auswechslung der Vorstands- und Aufsichtsratschefs sowie der vollständigen Rehabilitation von Wittwer. In der AHGZ sagte Wittwer später: „Niemand kann mir wegnehmen, dass ich aus einer bankrotten Firma ein respektables Unternehmen gemacht habe.“

Der Wettbewerbsdruck ist stark. Ende 2017 wurde bekannt, dass sich das einstige Berliner Stammhaus der Gruppe, das Bristol Hotel, von Kempinski trennt. Danach kamen die drei Häuser der Broermann Hotels & Resorts abhanden, darunter das Atlantic in Hamburg. Ausgerechnet Wittwer übernahm mit seiner Firma Smart Hospitality Solution das Kempinski-Hotel Ajman seines früheren Arbeitgebers in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zuletzt stand das Flaggschiff Adlon in der Kritik, nachdem Unternehmer Carsten K. Rath in der deutschen Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ „Kleingeist“ und „Rationalisierungswahn“ in dem Traditionshau bemängelt hatte.

Kempinski, die älteste europäische Luxushotelgruppe, verfügt über ein internationales Portfolio von 78 Luxushotels und Residenzen in 34 Ländern. Das 1897 gegründete Unternehmen mit Headoffice in Genf gehört nach dem Wechsel vom thailändischen Königshaus inzwischen mehrheitlich den Scheichs von Bahrain. Berühmte Kempinski-Hotels sind zum Beispiel das Hotel Adlon in Berlin, das Emirates Palace in Abu Dhabi, das Taschenbergpalais in Dresden und das Emerald Palace auf der Palme in Dubai, das Grand Kempinski Hotel Shanghai, das Palais Hansen in Wien und das Grand Hotel des Bains in St. Moritz.

Neuer CEO mit großer Karriere nach holprigem Start

Smura kann eine lange internationale Karriere vorweisen. Er war im operativen Hotel Management und auf Corporate Ebene bereits auf fünf Kontinenten in Führungspositionen tätig. 15 Jahre lang arbeitete er für die Intercontinental Hotels Group, unter anderem als Director Operations in Mittel-, Ost- und Westeuropa. Mit 28 Jahren war er dort einmal jüngster GM und bereits mit 30 Jahren ebenso jüngster Regional-GM

Er hält zahlreiche Aufsichtsratsmandate, war Mitglied des Aufsichtsrates der Azimut Hotels, der größten russischen Hotelkette, sowie Vorsitzender des Verwaltungsrates der Adlon Holding. Smura hat einen Abschluss der Cornell University New York und einen MBA der California State Hayward University in San Francisco.

In der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ wurde einmal Smuras Karriere „vom Schulversager zum Hotelpräsidenten“ beschrieben: Mit 15 Jahren bekam er einen Schulverweis und absolvierte eine Kochlehre mit der besten Note in Baden-Württemberg. Dafür erhielt er ein Stipendium in New York, er absolvierte danach ebenso mit Auszeichnung im Luxushotel „Europäischer Hof" eine Hotelkaufmann-Lehre bei Familie von Kretschmann in Heidelberg und startete von dort aus seine internationale Karriere.

Rettung der deutschen Dorint-Kette

In seiner derzeitigen Position als Supervisory Board Chairman der Kölner Dorint-Gruppe mit rund 50 Hotels in Deutschland und der Schweiz, einem erwarteten Umsatz von 290 Mio. Euro in diesem Jahr sowie 3300 Mitarbeitern hat Smura - an der Seite von Eigentümer Dirk Iserlohe und mit dem neuen Managementteam - in den vergangenen vier Jahren einen nachhaltigen Erfolgskurs eingeschlagen. Iserlohe hat im Februar in einer viel beachteten Keynote beim Deutschen Hotelkongress in Berlin beschrieben, wie er jahrelang für die Sanierung des Unternehmens gekämpft und es schließlich vor dem Untergang bewahrt hat. „Wenn es nicht gelungen wäre, hätte es die größte Hotel- und Investorenpleite in Deutschland gegeben mit über 90 Hotels, über 7800 Mitarbeitern und einem Investment von mehr als 5 Milliarden Euro“, sagte Iserlohe einmal in einem AHGZ-Interview. „Die Auswirkungen wären bis in den Bankensektor spürbar gewesen, das Eigenkapital wäre vernichtet worden.“ Die Dorint-Gruppe wird im diesem Jahr 60 Jahre alt und ist nun breit aufgestellt.

Bei dieser positiven Entwicklung setzt Smura auf vertraute Kollegen, wie den CEO Karl-Heinz Pawlizki und den COO Jörg T. Böckeler, die beide mit Smura seit über 20 Jahren durch seine Zeit bei Intercontinental Hotels verbunden sind. So ist auch der Direktor im Finanzbereich, Sven Konway, ein alter Bekannter aus Intercontinental-Zeiten. Wie zu hören ist, trifft das auch für die neue Leitung im IT und HR-Bereich zu.

Was bedeutet das für die Zukunft der Führungsmannschaft bei Kempinski? Aus dem Umfeld der Dorint-Geschäftsführung ist zu hören, dass alle messbaren Werte für den Unternehmenserfolg mit der neuen Dorint Mannschaft nachhaltig nach oben gegangen sind.

Smura hat neben seinem Engagement bei Dorint in etwas mehr als drei Jahren als Investor die erste deutsche, operativ tätige Land- und Schlosshotelmarke aufgebaut, die Castlewood Hotels und Resorts. Diese sind bereits auf 13 Hotels mit über 600 Mitarbeiter und mehr als 30 Mio. Euro Umsatz gewachsen. Laut Gerald Berger, CEO der Gruppe, ist es nicht ausgeschlossen, dass Castlewood in diesem Jahr auf 20 Häuser wächst. Neben der Entwicklung der Marke und der Managementgesellschaft ist Smura auch zusammen mit seiner Frau Kateryna Investor der Hotelimmobilien. Es wird nicht zuletzt dieses unternehmerische Engagement gewesen sein, das die Eigentümer von Kempinski dazu motiviert hat, Smura anzusprechen.

Drei Baustellen

Der neue Chef muss auf mehreren Baustellen gleichzeitig antreten:

1. Er muss zu den Eigentümern bessere Beziehungen aufbauen, darf keine weiteren Hotels verlieren und sollte neue attraktive Standorte aufbauen. Dazu muss er den Markenkern weiter herausarbeiten.

2. Im Vergleich zu den Wettbewerbern mit tausenden Hotels und ausgeklügelten Loyalty-Programmen ist Kempinksi eine kleine Firma. Hier muss er überzeugende Argumente für die Unabhängigkeit der Kette vorlegen.

3. Zu allererst muss er aber die richtigen Leute um sich versammeln und die richtigen Verbindungen knüpfen, damit ihm die Querelen der vergangenen Jahre erspart bleiben. Denn wohl nicht alle werden ihn mit offenen Armen empfangen, das zeigen die Schachzüge hinter den Kulissen in den vergangenen Wochen.


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