Branchenpolitik

„Den ländlichen Raum stärken!“

Auf dem Land sinkt die Zahl der Gastgeber kontinuierlich. Beim Landesdelegiertentag forderte Baden-Württembergs DEHOGA-Vorsitzender Fritz Engelhardt mehr Unterstützung seitens der Politik.

Fritz Engelhardt: „Eine erfolgreiche Tourismuswirtschaft braucht ein wirtschaftlich gesundes Gastgewerbe – nicht nur in den Städten.“Fritz Engelhardt: „Eine erfolgreiche Tourismuswirtschaft braucht ein wirtschaftlich gesundes Gastgewerbe – nicht nur in den Städten.“

ESSLINGEN. Auf dem Land gibt es immer weniger Gasthäuser und Gasthöfe. Beim Delegiertentag des DEHOGA Baden-Württemberg in Esslingen hat der Verbandsvorsitzende Fritz Engelhardt die Landesregierung deshalb aufgefordert, mit einem Aktionspaket für die Branche gegenzusteuern. Gastredner waren der für Tourismus zuständige Minister der Justiz und für Europa, Guido Wolf, sowie Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.

Fast jeder fünfte Betrieb schließt

Mitarbeitermangel, hohe Kosten und wuchernde Bürokratie führen nach Engelhardts Worten zu einem „dramatischen Strukturwandel“ im ländlichen Raum – eine Aussage, die der Vorsitzende mit Fakten belegte: So ist die Zahl der gastgewerblichen Betriebe im Main-Tauber-Kreis seit 2008 um fast ein Viertel gesunken. Auch in anderen ländlich geprägten Kreisen wie Sigmaringen (-19,8%) oder im Alb-Donau-Kreis (-19,1%) ist der Rückgang beunruhigend. „Ich rate allen, die in der Wirtschafts- und Tourismuspolitik Verantwortung tragen, diese Entwicklung sehr ernst zu nehmen“, betonte Engelhardt. „Eine erfolgreiche Tourismuswirtschaft braucht ein wirtschaftlich gesundes Gastgewerbe – nicht nur in den Städten, sondern auch im ländlichen Raum.“

Um gegenzusteuern, erwarte die Branche Unterstützung. „Wann kommt endlich die baden-württembergische Bundesratsinitiative zur Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes?“, fragte Engelhardt unter dem Beifall der rund 350 Gäste im Esslinger Neckar-Forum. In seiner Rede plädierte er außerdem für „mitwachsende Minijobs“ – also für eine Dynamisierung der 450-Euro-Entgeltgrenze, und für eine faire Steuerpolitik, die die Benachteiligung der Sitzplatz-Gastronomie bei der Mehrwertsteuer beende.

Außer diesen politisch auf Bundesebene angesiedelten Themen gelte es, „an allen Stellschrauben zu drehen“, die die Landesregierung selbst in der Hand habe. „Lasst uns die Leistungsträger im Tourismus – die Gastronomie und Hotellerie – stärken“, lautete Engelhardts Appell. Der Verbandsvorsitzende plädierte für ein landesweites „Aktionspaket Gastgewerbe“, das von verstärkter Investitionsförderung über Nachwuchswerbung bis hin zu Hilfen bei der Bürokratie-Bewältigung und beim Generationenwechsel reicht.

Neues Tourismuskonzept soll Verbesserungen bringen

Von den beiden Gastrednern aus der Politik gab es durchaus positive Signale: „Ohne Gastgewerbe wäre der Tourismus wie Skifahren ohne Schnee oder wie Spätzle ohne Soß“, erklärte Tourismusminister Guido Wolf, der sich für eine Bundesratsinitiative Baden-Württembergs in Sachen Arbeitszeitgesetz-Flexibilität aussprach. Der Tourismus sei mittlerweile eine Leitökonomie in Baden-Württemberg und beschäftige deutlich mehr Menschen als die Fahrzeugindustrie. Daraus gelte es auch politische Forderungen abzuleiten. Das neue Tourismuskonzept des Landes, das Mitte 2019 vorgestellt werden soll, werde zudem Verbesserungen bringen, zum Beispiel beim Marketing, wo „weniger Gießkanne und mehr Gartenschlauch“ gefragt sei.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut blieb beim Hauptanliegen der Branche – dem Thema Arbeitszeitgesetz – zurückhaltend. „Wir wollen flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen“, erklärte sie zwar. Aktuell sei man aber noch „in Gesprächen, um zu klären, ob eine baden-württembergische Bundesratsinitiative zielführend ist“. Konkreter wurde sie beim Thema „mitwachsende Minijobs“, wo sie sich für eine Erhöhung der Entgeltgrenze von 450 auf 500 Euro aussprach.

Lobende Worte hatte die Ministerin für die DEHOGA-Nachwuchskampagne „Wir Gastfreunde“, die vom Wirtschaftsministerium mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird. red


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