Around the World


Carsten K. Rath in Bhutan

Das Glücksresort

In Punakha betreibt die Aman-Gruppe das Amankora, eine Lodge auf dem Land. Die Übernachtungspreise versprechen höchsten Luxus. Aber stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Liegt auf 1400 Höhenmetern: Das Luxushotel Amankora in BhutanLiegt auf 1400 Höhenmetern: Das Luxushotel Amankora in Bhutan

Bhutan, das glücklichste Land der Welt: Diesen wissenschaftlich geprüften Werbeslogan haben die meisten Menschen inzwischen schon einmal gehört. Was dagegen die wenigsten wissen, ist: Dieses Glücksversprechen kommt Besucher ganz schön teuer zu stehen. Das liegt nicht nur an den Flugpreisen für die lange, komplizierte Anreise, sondern auch an den Preisen für Übernachtungen, Restaurants und landestypische Produkte. Auch eine tägliche Touristengebühr von etwa 55 Euro pro Person und Tag wird erhoben.

Zu den besonders luxuriösen Angeboten gehören die acht Suiten des Amankora in Punakha, der früheren Hauptstadt des Landes. Regulär etwa 1300 Euro kostet eine Nacht. Auf diesem Preisniveau muss ein Hotel mehr bieten als eine exotische Lage, um herauszustechen. Und das Amankora ist kein neues Haus – eröffnet wurde das Anwesen im August 2005, und das Farmhaus in seinem Kern stammt aus den 1970er-Jahren. Die Frage ist: Macht dieses sündhaft teure Hotel im glücklichsten Land der Welt auch mich als Gast glücklich?

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Location

Die ehemalige Hauptstadt Punakha, eine Kleinstadt mit nur 7000 Einwohnern, wurde erst 1955 von der heutigen Hauptstadt Thimphu abgelöst. Der Ort ist die Krönungsstätte des ersten Königs von Bhutan. Erreichbar ist das Hotel nur über eine Hängebrücke, die über den Fluss Mo Chhu führt. Das Anwesen ist von Reisfeldern und einem Orangengarten umgeben und liegt auf 1400 Metern Höhe.

Wem eine Abwechslung von all den ultramodernen und ultra-wuseligen Stadthotels willkommen ist, der ist hier genau richtig. Es riecht nach Bergluft, Wald und dem Weihrauch aus den Klöstern.

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Ausstattung

Wer häufig in den großen Metropolen der Welt und ihren Luxushotels unterwegs ist, hat eine gewisse Vorstellung von Luxus. In Bhutan wird die gängige Erwartungshaltung nicht erfüllt. Nicht, weil diese sündhaft teure Lodge nicht luxuriös wäre. Sondern weil der Luxus hier ganz anders aussieht, anders riecht und sich anders anfühlt.

Die Ausstattung meiner rund 60 Quadratmeter großen Suite ist unzweifelhaft hochwertig, Aman-typisch vor allem aber ungewöhnlich eingerichtet: Von oben bis unten mit echten Hölzern vertäfelt und mit einem gusseisernen Ofen ausgestattet, erinnert es noch am ehesten an luxuriöse Schweizer Chalets.

Das Herzstück der Suite ist jedoch das Bad. Es ist flächenmäßig genauso groß wie das eigentliche Zimmer – und ebenfalls von oben bis unten holzvertäfelt und edel mit indirekter Beleuchtung ausgestattet. Das wirklich Ungewöhnliche ist jedoch die Raumaufteilung: In der Mitte dominiert eine große, freistehende Badewanne. Mit luxuriösem Abstand drumherum angeordnet sind mehrere Separees: eines für jedes Waschbecken, eines für die große Regen-Dusche (leider ohne Handbrause), eines in der hintersten Ecke für die Toilette, und obendrein noch ein großzügiges Ankleidekabinett.

Und dann gibt es in meiner Suite – einige Dinge nicht, die in anderen Luxushotels selbstverständlich sind. Eine Minibar oder einen Fernseher, zum Beispiel. Oder einen Fitnessraum. Nicht weil es nicht gehen würde, sondern weil es nicht ins Konzept passt. Für mich ist das völlig okay – wird es aber nicht für jeden sein.

Mein einziges echtes Ärgernis in dieser ungewöhnlichen, gemütlichen Suite ist die Klimaanlage. Das Belüftungsgitter liegt direkt über dem Bett und verströmt einen derart starken Luftstrom, das mir das Wohlgefühl in den Adern gefriert.

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Gastronomie

Das gastronomische Konzept des Amankora Hotel lässt sich sehr leicht auf den Punkt bringen: Hier kann ich immer, alles und überall essen. Alles, was ich mir bestelle, wonach auch immer mir der Sinn steht, ist nicht nur ausreichend verfügbar, sondern auch im Preis inbegriffen – der Salat zum Lunch genauso wie der ofenfrische Cookie zur Tea Time oder der edle französische Rotwein. Sogar das Dinner à la carte ist im Preis inbegriffen – das große, traditionelle bhutanische Menü genauso wie die westlichen Klassiker. Alles ist tatsächlich von makelloser Qualität.

Fast könnte ich euphorisch werden aufgrund der Auswahl, der Qualität und der ungeheuren Flexibilität der Food & Beverage-Abteilung dieses Hotels, doch dann fällt es mir wieder ein: Für 1300 Euro pro Nacht ist Vollverpflegung vom Feinsten letztendlich doch kein so großes Kunststück.

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Service

Was das Amankora an Standard-Ausstattung weniger hat als typische Hotels, hat es an Service mehr. Hier ist alles machbar, um jeden Wunsch wird sich sofort gekümmert, und alles ist im Preis inbegriffen – außer den unverschämt teuren Spa-Treatments. Im Amankora ist es leicht, sich wie zu Hause zu fühlen – in einem Zuhause mit sehr vielen Angestellten, allerdings.

Die Liebe zum Detail macht für mich in jedem Aspekt der Hotellerie den entscheidenden Unterschied – im Design, in der Ausstattung, im Service. Liebe zum Detail ist eine Ausdrucksform von Liebe zum Gast. Im Amankora bekomme ich als Gast eine Menge Liebe. Sogar beim Wäscheservice: Meine Kleidung bekomme ich gefaltet in einem Schilfkorb zurück – eingeschlagen in feine rote Seide.

Beim Abschied steht die südafrikanische Resort-Managerin Dee mit einer Schale der selbstgebackenen Kokosnuss-Macarons bereit, in die ich mich bereits beim Nachmittags-Tee verliebt hatte, und verabschiedet mich persönlich.

In einigen Details leistet sich Aman jedoch Versäumnisse, die bei derart hohen Preisen zum Problem werden können. Dass die Dampfsauna während meines gesamten Aufenthalts ausfällt, weil ein fehlendes Teil neu beschafft werden muss, ist verständlich, für mich als Gast aber mehr als ärgerlich. Ebenso wie die Tatsache, dass der erkrankte Yogi einfach nicht vertreten wird. Solche Versäumnisse sind bei vierstelligen Zimmerpreisen inakzeptabel – ebenso wie der sehr laute, sehr freche, sehr störende zugelaufene Hund der General Managerin, der die Gäste in den Wahnsinn treibt und trotz mehrfacher Beschwerden nicht isoliert wird. Herzlichkeit und Professionalität – eine schwierige Balance.


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