Coronakrise

Theo Jost: "Vor 30, 40 Jahren wäre ich wohl durchgedreht"

Der Patron des Hotel-Restaurants Ochsen Post in Tiefenbronn spricht mit der ahgz über die Auswirkungen der Krise und wie die Gastronomielandschaft später aussehen könnte.

Theo Jost: "Meine persönliche Einschätzung ist, dass die Krise bis September dauert"Theo Jost: "Meine persönliche Einschätzung ist, dass die Krise bis September dauert"

Herr Jost, wie geht es Ihnen und Ihrem Team im Hotel-Restaurant Ochsen Post in Tiefenbronn?

Gesundheitlich geht es mir gut – und dem Team auch. Allerdings haben wir fast alle in Kurzarbeit geschickt.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie denn normalerweise?

Zwischen 30 und 40 in unserer Küche, in den Restaurants und im Hotel. Jetzt sind es gerade noch fünf oder sechs.

Wie aufwendig war das Procedere rund um die Kurzarbeit?

Das ist ziemlich aufwendig. Mit den Anträgen haben wir Mitte März begonnen, vorher brauchte es von jedem Mitarbeiter die schriftliche Zustimmung. Als traurige Alternative stand die Kündigung im Raum.

Wie lange planen Sie die Kurzarbeit?

Meine persönliche Einschätzung ist, dass die Krise bis September dauert. Vorher wird sich kaum etwas ändern.

Und dann sind die bewährten Leute wieder bei Ihnen am Start?

Hoffen wir es. Die Österreicher schalten jetzt schon Anzeigen für die Zeit nach der Krise – und fangen uns die Leute ab, indem sie jetzt schon Gehälter bezahlen.

Als selbstständiger Unternehmer sind Sie jetzt in einer prekären Lage. Restaurants mussten dichtmachen, Hotels dürfen nur noch Geschäftsreisende beherbergen ...

Bis letzte Woche hatten wir ein paar unserer 36 Hotelzimmer an Geschäftsleute vermietet. Das lohnte sich zwar kaum – aber zumachen wollte ich trotzdem nicht. Mittlerweile ist das Hotel leer. Trotzdem laufen die Kosten natürlich weiter – Energie, Verbindlichkeiten. Demnächst werde ich mal durchrechnen, wie die Sache genau aussieht – und eventuell mal mit der Bank sprechen.

Jetzt gibt es ja verschiedene Offerten von Bund und Land – sprich Geld für Unternehmen. Was halten Sie davon?

Die zugesagten Zuschüsse vom Staat, also Geld, das nicht zurückbezahlt werden muss, sind optimal. Ebenso ein Steuererlass und natürlich die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie. Kredite, selbst mit günstigen Konditionen, finde ich persönlich schwierig. Viele Gastronomen sind bereits verschuldet. Ähnlich ist das mit den Steuerstundungen, die diskutiert werden. All das können wir im Herbst, nach der Krise, gar nicht erwirtschaften. 

Wie angespannt sind Sie angesichts der Coronakrise?

Deprimiert bin ich nicht, ich sehe das relativ gelassen. Allerdings muss ich zugeben: Vor 30, 40 Jahren wäre ich wohl durchgedreht. Wir können an der aktuellen Situation nichts ändern und müssen halt tun, was wir können – Hygienevorschriften beachten, maßvoll handeln.

Sie haben diverse Zusatzgeschäfte. Dazu gehören ein Foodtruck, das Brotbacken, die Herstellung von Maultaschen und die Veredelung von Fleisch. Außerdem bieten Sie Gerichte zum Mitnehmen an …

Das stimmt, wir haben 10 bis 15 To-go-Gerichte auf der Karte, die Resonanz ist allerdings ausbaufähig. Demnächst fangen wir mit Kochboxen an, darin enthalten sind Zutaten und Rezepte zum Selberkochen.

Kann das Mitnehm-Geschäft ein Standbein werden?

Für uns nicht, ich sehe es eher als Service und als Mittel, beim Gast im Gespräch zu bleiben, den Stammkunden etwas zu bieten. Ganz ehrlich: Konsequenterweise müsste aus Gründen des Infektionsschutzes auch das Abholen untersagt werden, doch da fürchtet sich natürlich der Staat vor den rechtlichen Folgen. Von Delivery halte ich übrigens gar nichts, das ist eine echte Virenschleuder.

Wie gehen Sie kurz- und mittelfristig vor?

Ich werde mich aufs Brotbacken konzentrieren, mit dem Fleisch weitermachen. Mir wird nicht langweilig, auch wenn unsere Lokale zu sind.

Ölkrise, Tschernobyl, Wirtschaftskrisen – wo sehen Sie die Coronakrise in diesem Aufgebot?

An erster Stelle. Leider. Der Effekt auf die Gastronomie wird durchschlagend sein. Viele Betriebe werden vom Markt verschwinden, andere werden die Krise überstehen. Eine Prognose ist ganz schwierig.

Ihr Ausblick: Pessimistisch oder hoffnungsvoll?

Es ist wie es ist. Wenn uns die Pleite treffen sollte, müssten wir das akzeptieren. Sehen Sie, ich bin über 70. Und ich würde mir trotzdem zutrauen, nochmal etwas Neues anzufangen.

Theo Jost wurde 1950 in Altensteig/Schwarzwald geboren. Seine Kochlehre absolvierte er in der Fissler Post in Stuttgart-Plieningen, damals eine führende kulinarische Adresse der Landeshauptstadt. Es folgten Stationen in der Schweiz, in Trier und München, wo Jost im damaligen Hotel Regina Palast als Kellner arbeitete. Seit 1976 ist er Patron in der Ochsen Post. Theo Jost ist verheiratet. Sein Sohn Peter – ebenfalls Koch - ist federführend im Betrieb tätig.


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