Ausbildung


Im Gespräch: Guido Zöllick (49), Präsident DEHOGA Bundesverband

DEHOGA plant Gütesiegel für Ausbildung

Der Präsident des DEHOGA Bundesverbandes, Guido Zöllick, nimmt Stellung zu aktuellen Fragen.

Guido Zöllick: „Unsere Branche steht für die schönsten Stunden im Jahr und dennoch gelingt uns der Imagetransfer nicht.“Guido Zöllick: „Unsere Branche steht für die schönsten Stunden im Jahr und dennoch gelingt uns der Imagetransfer nicht.“

Herr Zöllick, in Spanien haben Ende August die Zimmermädchen gestreikt, weil sie ihre Arbeitsbedingungen unzumutbar finden. Bei Prüfungen In Deutschland fallen öfter Verstöße gegen das Mindestlohngesetz gerade in diesem Bereich auf. Wie geht der DEHOGA damit um?

Zöllick: In den meisten Fällen handelt es sich bei den Verstößen um externe Dienstleister. Das Geld, das der Gastbetrieb zahlt, kommt bei den externen Mitarbeitern nicht an. Das heißt, nicht der Hotelbetrieb zahlt zu schlecht, sondern jemand dazwischen hat es illegal weggekürzt. Da müssen die Gerichte für Sanktionen sorgen, dafür gibt es Kontrollen. Der DEHOGA kann hier aufklären und bewusstmachen. Und das tun wir. Es ist indes nicht an uns, jemanden auszuschließen. Die kontrollierten Betriebe sind oft selbst die Leidtragenden. Seit vielen Jahren sensibilisiert der DEHOGA die Betriebe, worauf bei der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern zu achten ist. So hat der Hotelier auch Pflichten, dazu gehören zum Beispiel Plausibilitätsprüfungen. Wichtig ist in jedem Fall die Wahl eines seriösen Dienstleisters.

Wie stehen Sie zum Dialog mit Verbänden HDV, FBMA und Fair Job Hotels?

Zöllick: Dazu gehören auch der Verband der Köche Deutschlands und der Verband der Servicefachkräfte, Restaurant- und Hotelmeister. Den Austausch wollen wir pflegen. Als eine meiner ersten Amtshandlungen war ich bei der HDV. Wir sind nicht immer einer Meinung, das ist auch nicht zwingend. Aber die großen Fragen, wie etwa Ausbildungsqualität, haben wir alle auf der Karte. Trotzdem versucht jeder, eine eigene Lösung zu finden, sich zu profilieren, etwas Gutes für die Mitglieder zu tun. Der DEHOGA plant ein deutschlandweites Qualitätssiegel für eine hochwertige Ausbildung. Der Grundstein soll auf unserer nächsten Bundesdelegiertenversammlung im November gelegt werden. Nach meiner Überzeugung wird das der Ausbildungsqualität im Gastgewerbe in Deutschland einen Schub verleihen.

Wie sieht es mit den Inhalten aus?

Zöllick: Die letzte Reform der Ausbildungsberufe und -inhalte fand 1998 statt. Logisch, dass die bestehenden Ausbildungsordnungen einer Aktualisierung bedürfen. Und so arbeiten wir seit 2014 intensiv und im Dialog mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und gemeinsam mit Experten aus der Branche und den Industrie- und Handelskammern an diesem Mammutprojekt. Nun haben wir die Neuordnung der Ausbildungsberufe beim Bundeswirtschaftsministerium beantragt. Es ist ein erster wichtiger Schritt und wir hoffen, dass wir unsere Ziele innerhalb der nächsten zwei Jahre umsetzen können.

Trotz der großen Erfolge im Gastgewerbe geht die Zahl der Azubis zurück. Woran liegt das?

Zöllick: Der Hauptgrund ist, dass wegen des demografischen Wandels insgesamt weniger junge Menschen zur Verfügung stehen als vor zehn oder 20 Jahren. Andere Branchen haben ebenfalls einen Bewerberrückgang, der Wettbewerb wird größer. Schwerwiegend ist, dass über viele Jahre hinweg propagiert wurde, dass betriebliche Ausbildung nicht den gleichen Stellenwert hat wie ein Studium. Wir müssen den Menschen begreiflich machen, dass die berufliche Bildung hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten für junge Leute bietet.

Gibt es hausgemachte Probleme?

Zöllick: Lassen Sie mich zunächst allen Ausbildungsbetrieben danken, die mit großartigem Engagement junge Menschen für unsere Branche qualifizieren und begeistern. Mit 53.000 Auszubildenden gehört das Gastgewerbe auch weiterhin zu den ganz großen Ausbildungsbranchen. Ja, es gibt innerhalb der Branche leider auch Betriebe, die es aufgrund fehlender Qualität und menschlicher Fürsorge nicht schaffen, junge Menschen in der Branche zu halten. Oft stehen hier für sie schwierigere Rahmenbedingungen im Mittelpunkt statt die Entwicklungsmöglichkeiten zu sehen.

Marco Nussbaum hat die Diskussion gestartet, ob die Einkommen zum Leben ausreichen. Er hat das Entgelt seiner sieben Azubis verdoppelt.

Zöllick: Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist sicher ein wichtiger Einflussfaktor auf die Attraktivität von Ausbildungen – aber längst nicht der einzige. Die Ausbildungsvergütung ist zudem kein Gehalt, sondern sie soll den Auszubildenden und deren Eltern für die Durchführung der Ausbildung eine finanzielle Hilfe sein. Während der Ausbildung bekommt ja jemand noch etwas beigebracht. Fast die Hälfte seiner Zeit verbringt der Azubi in der Berufsschule. Man muss sich dann überlegen, wer für mehr Entgelt zuständig ist, der Staat oder der Arbeitgeber. Insgesamt haben wir beim Entgelt extreme Sprünge im Gastgewerbe gemacht. Unsere Ausbildungsvergütungen sind sehr gut vergleichbar mit anderen Branchen. Wir liegen hier im guten Mittelfeld.

Wie sagen Sie zu Rheinland-Pfalz, wo Präsident Haumann mit einigen Mitgliedern wegen der Amtszeitverlängerung vor Gericht streitet?

Zöllick: Die Diskussion ist ärgerlich, weil sie geeignet ist, dem Gesamtimage des DEHOGA zu schaden. Das will ich am Ende nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. Auf Arbeitsebene läuft die Zusammenarbeit gut. Es gibt einen regen und konstruktiven Austausch mit dem Landesverband.

Was bedeutet die fehlende Tarifgebundenheit des DEHOGA-Präsidenten Christian Andresen in Berlin?

Zöllick: Das wirkt sich nicht negativ aus. Wir bieten in den Landesverbänden Mitgliedschaften für nicht tarifgebundene Unternehmer an. Das ist auch in anderen Branchenverbänden üblich. Entscheidend ist, wie er seinen Betrieb führt. Da glaube ich den Aussagen, dass er seine Mitarbeiter korrekt und ortsüblich entlohnt. Und der Verband ist handlungsfähig und leistet Tarifarbeit.

Wie ist das Verhältnis zur AfD?

Zöllick: Es gibt eine klare Verabredung im Bundesverband. Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei, die in vielen Länderparlamenten sitzt und auch im Bundestag. Insofern führen wir auch den Austausch mit der AfD. Allerdings ist das Gastgewerbe die Branche der Internationalität, der Toleranz und der Weltoffenheit. Wer das nicht respektiert, wird mit uns nicht in den Dialog treten können. Es gibt Unterschiede in der AfD. Wir setzen uns nicht mit jedem Vertreter an einen Tisch.

Sie wollen der Mitgliederentwicklung einen neuen Schub geben. Von den ehemals 90.000 Mitgliedern sind jetzt noch rund 60.000 übrig.

Zöllick: Mit über 60.000 Mitgliedern ist der DEHOGA auch weiterhin einer der größten Wirtschaftsverbände. Aber es steht außer Frage, dass wir wieder mehr Mitglieder bekommen müssen. Wenn wir für die gesamte Branche sprechen wollen, muss auch ein Großteil der Branche Mitglied sein. Auf jeden Fall müssen wir über der Marke von 60.000 Mitgliedern bleiben, auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Wie kann das Image besser werden?

Zöllick: Wir bieten so viele gute Nachrichten: steigender Umsatz, immer mehr Mitarbeiter, wir geben Menschen mit allen Schulabschlüssen Perspektiven, wir sind die internationalste Branche, nehmen uns der Flüchtlinge an. Unsere Branche steht für die schönsten Stunden im Jahr und dennoch gelingt uns der Imagetransfer nicht. Es ist aber keine Sache, die man mit einem Imagefilm hinbekommen könnte. Wir müssen es schaffen, mehr Wertschätzung unserer Arbeit bei den Gästen und in der Öffentlichkeit zu erwirken.

Der Mindestlohn ist von 8,84 Euro im Jahr 2017 auf 9,19 Euro gestiegen und soll 2020 weiter auf 9,35 Euro steigen. Verkraftet das die Branche?

Zöllick: Ich glaube schon, dass wir das aktuell noch verkraften können. Was mich an dem Thema ärgert, ist, dass die Mindestlohnkommission von ihrer vereinbarten Weise abgewichen ist, den Mindestlohn festzulegen. Er sollte sich an der tariflichen Lohnentwicklung orientieren. Große Sorgen bereitet mir die Forderung von Politikern auf Festlegung des Mindestlohns auf 12 Euro. Da wird der Mindestlohn politisch instrumentalisiert. Das war nicht verabredet.


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