Gault Millau


Deutscher Wein

Drei wichtige Stimmen der deutschen Weinkritik haben gesprochen

Die Weinguides Eichelmann, Gault Millau und Vinum küren ihre besten Winzer und besten Weine

Winzer des Jahres bei Vinum: Hansjörg und Matthias Aldinger aus Fellbach in Württemberg Winzer des Jahres bei Vinum: Hansjörg und Matthias Aldinger aus Fellbach in Württemberg

HEIDELBERG/BERLIN/MAINZ. Immer in der zweiten Novemberwoche präsentieren die drei großen Kontrahenten Gault Millau, Vinum und Eichelmann ihre Weinführer für das kommende Jahr. Gastronomen, die auf der Suche nach guten bis ausgezeichneten Weinen sind, finden darin eine konstruktive Zusammenstellung von Betrieben und Weinen, die sich einer gewissen Qualität verschrieben haben beziehungsweise besitzen. Zu jedem der 13 deutschen Anbaugebiete gibt es bei allen drei Weinguides informative Einstiegsseiten.

Gault Millau

Zum 27. Mal zeichnete der Gault Millau Weinguide in Berlin die besten Winzer und Weine Deutschlands aus. Zum Winzer des Jahres kürte die Redaktion den Elsässer Mathieu Kauffmann. Eine kleine Sensation, denn erstmals ist diese Ehrung nicht mit einem Weingut verknüpft. Kauffmann, lange Kellermeister beim Champagnerhaus Bollinger, verantwortete sechs Jahre lang die Weine des Pfälzer Traditionsbetriebs Reichsrat von Buhl, bevor sich die Wege im Sommer 2019 plötzlich trennten.

„Seine mutige Handschrift wird Deutschlands Weinkultur nachhaltig prägen“, ist das Gault-Millau-Team überzeugt. „Er setzt kompromisslos auf Terroir und Langlebigkeit und gibt dem Riesling so ein markantes Gesicht. Mit geübtem Blick von außen bringt er wieder in Erinnerung, was in dieser edlen Rebsorte steckt, wenn man herausragende Lagen für sich sprechen lässt.“

Zum Aufsteiger des Jahres wählten die Experten das Weingut Corvers-Kauter in Oestrich-Winkel im Rheingau: „Unaufhaltsam, das sind Matthias und Philipp Corvers. Binnen kürzester Zeit haben sie sich an die Rheingauer Spitze katapultiert.“

Die Entdeckung des Jahres – in diesem Jahr ein Duo – kommt von der Mosel: Philipp Kettern und Daniel Niepoort heißen die zwei jungen Shootingstars, die das Gault-Millau-Team mit ihrem Projekt Fio Wines überzeugten. Drei Weine zeichnet der Gault Millau 2020 mit der Höchstnote von 100 Punkten aus: Nackenheimer Rothenberg Riesling GG, Kühling-Gillot/Rheinhessen; „Achkarrer Schlossberg Spätburgunder GG, Franz Keller/Baden und Kiedricher Gräfenberg Riesling GG, Robert Weil/Rheingau. „Eine wahrlich herausragende Leistung, denn an der Spitze wird die Luft sehr dünn“, so Chefredakteurin Britta Wiegelmann. 150 Neubewerber haben sich in diesem Jahr um die Aufnahme in den Weinguide beworben. 75 davon schafften es ins Buch, darunter Einsteiger mit Topbewertungen von bis zu drei Trauben.

Vinum

Zum Winzer des Jahres wählten die Verkoster von Vinum in der aktuellen Ausgabe Hansjörg und Matthias Aldinger aus Fellbach/Württemberg. "Der Tradition zwar noch verbunden aber immer nach vorne schauend, haben sie längst den Blickwinkel des Ländles verlassen", begründet Chefredakteur Joel B. Payne die Wahl.

Kaum weniger beeindruckend findet Vinum die Leistung von Carl Ehrhard, dem frisch gekürten Aufsteiger des Jahres. "Mit seinem gleichnamigen Weingut in Rüdesheim/Rheingau, hat er eine Blitzkarriere hingelegt, die ihn zu einer festen Größe in der Weinszene werden ließ", so Payne.

Besonderen Fokus legt Vinum auf die Entdeckung neuer Talente. Die herausragendste Leistung in dieser Kategorie erbrachte in diesem Jahr Carsten Saalwächter aus Ingelheim/Rheinhessen.

In zwölf Kategorien listet Vinum ferner die besten Weißweine des Jahrgangs 2018 und die vorzüglichsten 2016er Rotweine Deutschlands auf. Die Gruppenbesten werden als „Siegerweine des Jahres“ ausgezeichnet. Die Kategorie Riesling geriet dabei zu veritablen Mosel-Festspielen (siehe Liste unten).  Außer bei der Kategorie Riesling trocken, bei welcher der 2018er Rüdesheimer Berg Rottland, von Theresia Breuer aus dem Rheingau nicht zu schlagen war, belegten bei allen sechs anderen Prädikaten Winzer aus dem Anbaugebiet Mosel den ersten Platz. In der Kategorie Kabinett waren die Moselwinzer sogar ganz unter sich: Alle zehn Spitzenweine stammten von Weingütern an der Mosel, Saar oder Ruwer.

Nicht zu schlagen war Hansjörg Rebholz aus der Pfalz hingegen beim Weißburgunder und auch in der Kategorie Spätburgunder stammt der Sieger aus der Südpfalz: Hans-Erich Dausch (HE-Weine) aus Landau war, wie schon im Vorjahr, mit seinem 2017 Pinot Noir L‘Artiste nicht zu schlagen. Nicht nur der Preis von 248 Euro nötigt den geneigten Weintrinker ihn nur in kleinsten Dosen zu kosten. Es gibt auch nur ein Barriquefass davon. Sein größter Konkurrent in diesem Jahr war er selbst, denn sein Zweitwein (98 Euro) landete noch vor Knipser, Huber, Fürst oder Rebholz auf Platz zwei.

Eichelmann

Der Eichelmann erschien in diesem Jahr zum 20. Mal. Bei der Buchpräsentation im Heidelberger Schloss präsentierte Gerhard Eichelmann die Weingüter des Jahres und zeigte die Entwicklung im deutschen Weinbau auf.

„Der Trend zu Bio ist ungebrochen, immer mehr Winzer erkennen, dass man mit biologischer Bewirtschaftung die Basis schafft um bessere Weine zu erzeugen“, betont Eichelmann beim Weingipfel im Heidelberger Schloss. Und die prämierten Weingüter bestätigen dies: Vier der acht ausgezeichneten Weingüter bewirtschaften ihre Weinberge biologisch.

Für die beste Weißweinkollektion des Jahres wurde das Weingut Bischel aus Appenheim in Rheinhessen ausgezeichnet. „Christian und Matthias Runkel haben mächtig Gas gegeben in den letzten Jahren, wurden vor vier Jahren bereits als Aufsteiger des Jahres ausgezeichnet. Und sie haben seither weiter Jahr für Jahr zugelegt, trumpfen in diesem Jahr mit einer großartigen Kollektion auf“, begründet Gerhard Eichelmann die Wahl.

Die beste Rotweinkollektion hatte nach seinem Verständnis das Weingut Klopfer aus Großheppach im Remstal. "Wolfgang und Christoph Klopfer haben sich in den letzten Jahren stetig gesteigert, präsentieren Kollektionen auf sehr hohem Niveau und stellten in diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal in Folge in unseren Schlussverkostungen den höchstbewerteten Lemberger", erklärt Gerhard Eichelmann bei der Preisverleihung.

Die Auszeichnung für die beste süße und edelsüße Kollektion des Jahres ging an das Weingut Dr. Corvers-Kauter in Oestrich-Winkel im Rheingau. "In den letzten Jahren sind die Kollektionen stetig besser geworden, mit dem Jahrgang 2018 wurde ein neuer Höhepunkt erreicht", so die Begründung.

Für die beste Sektkollektion wurden Michael Andres und Steffen Mugler und ihre Sektkellerei Andres & Mugler ausgezeichnet. Neben den Weingütern des Jahres präsentiert Gerhard Eichelmann einen Weinklassiker, der damit in die Mondo-Klassiker-Bibliothek aufgenommen wird, in der die großen Weine Deutschlands versammelt sind. Jedes Jahr kommt ein Wein aus einer großen Weinlage hinzu. Dieses Jahr fiel die Wahl auf die Lage Kirchberg in Oberrotweil am Kaiserstuhl mit dem Spätburgunder Großes Gewächs von Konrad Salwey: „Ein faszinierender Wein, komplex, reintönig und nachhaltig“, lobt Gerhard Eichelmann.

Der Ehrenpreis für das Lebenswerk wurde in diesem Jahr Werner Näkel verliehen. „Werner Näkel ist der renommierteste Winzer an der Ahr, ihm ist der Aufschwung, den die Region in den letzten zwanzig Jahren genommen hat, maßgeblich zu verdanken. Er gehört zu der Handvoll von Winzern, denen der deutsche Wein sein heute hohes Renommee zu verdanken hat", so Gerhard Eichelmann bei der Preisverleihung. 

Gault Millau Auszeichnungen 2020

Winzer des Jahres: Mathieu Kauffmann/Pfalz

Aufsteiger des Jahres; Matthias& Philipp Corvers/Rheingau

Entdeckung des Jahres: Philipp & Daniel Niepoort/Mosel

Sommeliere des Jahres: Nina Mann/Mosel

Bester Weißburgunder: Siebeldinger Sonnenschein GG; Rebholz/Pfalz

Bester Grauburgunder; Burkheimer Feuerberg GG, Bercher/Baden

Bester Chardonnay; Malterdinger Bienenberg GG, Huber/Baden

Bester Silvaner; Retzstadter Himmelpfad GG, Rudolf May/Franken

Bester Sauvignon Blanc: 2017 OVUM, Aldinger/Württemberg

Bester Edelsüßer: Forster Pechstein BA, Bassermann-Jordan/Pfalz

Bester Frühburgunder: Bürgstadter Berg, Fürst/Franken

Bester Lemberger: Fellbacher Lämmler GG, Aldinger/Württemberg

Bester Syrah: 2015 Syrah, Knipser/Pfalz

Bester Winzersekt; 2012 Brut Nature, Aldinger/Württemberg

Vinum Auszeichnungen 2020

Winzer des Jahres: Hansjörg & Matthias Aldinger/Württemberg

Aufsteiger des Jahres: Carl Ehrhard/Rheingau

Entdeckung des Jahres: Carsten Saalwächter/ Rheinhessen

Bester Winzersekt: Volker Raumland/Rheinhessen

Bester Silvaner: 2018 Sylvaner*** Sulzfelder Creutz, Zehnthof Luckert/Franken

Bester Riesling trocken: Rüdesheimer Berg Rottland, Georg Breuer/Rheingau

Bester Riesling Kabinett: Kanzemer Altenberg, von Othegraven/Mosel

Bester Riesling feinherb: Niedermenninger Herrenberg, Hofgut Falkenstein/Saar

Beste Riesling Spätlese: Enkircher Ellergrub, Weiser-Künstler/Mosel

Beste Riesling Auslese; Scharzhofberger Goldkapsel, Egon Müller/Saar

Bester Riesling edelsüß. Zeltlinger Sonnenuhr TBA, Selbach-Oster/Mosel

Bester Literwein: 2018 Riesling trocken Quarzit Schiefer, Franzen/Mosel

Bester Weißburgunder: Siebeldinger Mandelberg GG; Rebholz/Pfalz

Bester Spätburgunder 2017: Pinot Noir L‘Artiste, HE-Weine/Pfalz

Bester „anderer“ Rotwein: 2016 Syrah Jaspis, Ziereisen/Baden

Weinkarte des Jahres: Silvio Nietsche , Wein.Kultur.Bar Dresden/Sachsen

Gerhard Eichelmann Preisträger 2020

Beste Sektkollektion: Sektkellerei Andres & Mugler/Pfalz

Beste Weißweinkollektion: Weingut Bischel/Rheinhessen

Beste Rotweinkollektion: Weingut Klopfer/Württemberg

Beste süße und edelsüße Kollektion: Weingut Dr. Corvers-Kauter/Rheingau

Aufsteiger des Jahres: Weingut Jülg/Pfalz

Entdeckung des Jahres: Roland Lindner/Baden

Klassiker des Jahres: Kirchberg Oberrotweil Spätburgunder GG, Salwey/Baden

Ehrenpreis für das Lebenswerk: Werner Näkel/Ahr


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