Gastbeitrag


Gastbeitrag

Damit die Branche auf Erfolgskurs bleibt

Der Außer-Haus-Markt boomt. Die Bedeutung von Gastronomie und Hotellerie steigt. Zugleich gibt es große Herausforderungen. Ein Gastbeitrag von Dehoga-Präsident Guido Zöllick.

Spricht Klartext: Dehoga-Präsident Guido ZöllickSpricht Klartext: Dehoga-Präsident Guido Zöllick

Was wäre unsere Welt ohne Restaurants, Wirtshäuser und Cafés, ohne Hotels, Landgasthöfe und Pensionen? Fest verwurzelt in der Region, sind unsere Betriebe die öffentlichen Wohnzimmer und für das Funktionieren der Gesellschaft unentbehrlich. Restaurants und Hotels sind Plätze der Kommunikation und der Begegnung – in einer immer digitaler werdenden Welt wichtiger denn je. Mehr als 220.000 Unternehmen bringen Energie in die Gemeinden und Städte, machen Orte attraktiv, lebens- und liebenswert.

Jobmotor läuft auf Hochtouren

Nie war Deutschland als Reiseland beliebter als heute. Maßgeblichen Anteil daran haben die Hoteliers und Gastronomen, die Tourismus in vielen Regionen erst möglich machen. 2019 verbuchte das Gastgewerbe das zehnte Wachstumsjahr in Folge. Der Jobmotor Gastgewerbe läuft auf Hochtouren. Seit 2009 hat unsere Branche 300.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen. Wir wissen alle nicht, wie lange das so bleibt. Denn die Belastungen und Risiken für die Branche steigen.

Der Kostendruck wächst. Die Ertragslage der Betriebe ist und bleibt angespannt. Probleme bereiten die ausufernde Bürokratie, unfaire Wettbewerbsbedingungen und die Suche nach Mitarbeitern. Auch das Agieren der Großen Koalition sorgt für Frust. Vor immer stärkeren Umverteilungen, neuen staatlichen Restriktionen, höheren Steuern und Abgaben kann ich nur warnen. So darf auch der Mindestlohn nicht zum Spielball der Politik werden. Zwölf Euro bedeuten 30 Prozent Personalkostensteigerungen. Wahlkämpfe dürfen nicht auf dem Rücken von Betrieben und Existenzen ausgetragen werden. Erfolgreiches Unternehmertum braucht Freiräume. Höhere Belastungen und Fesseln sind genau das Gegenteil.

Am Puls der Zeit bleiben

Umso wichtiger ist es, jetzt die Weichen für eine aussichtsreiche Zukunft zu stellen. Für den gastgewerblichen Unternehmer heißt das, immer am Puls der Zeit zu bleiben, rechtzeitig neue Themen und Entwicklungen zu erkennen und diese umzusetzen. Die Megatrends Nachhaltigkeit, Mobilität und Digitalisierung stehen für einen gravierenden gesellschaftlichen Wandel und haben große Auswirkungen auch auf Gastronomie und Hotellerie.

Der Gast von heute ist informierter und anspruchsvoller als jemals zuvor. Die richtige Ernährung spielt eine immer größere Rolle. Essen wird zum Statement. Das bietet Chancen für unsere Branche, die es zu nutzen gilt. Was heute zählt, sind ein klares Profil, maßgeschneiderte Konzepte, echte Wohlfühlatmosphäre, gute Produkte, kompetente wie herzliche Gastfreundschaft sowie eine zeitgemäße Vertriebs- und Kommunikationsstrategie.

Damit wir unsere Wachstumskräfte entfalten können, brauchen wir Luft zum Atmen. Und hier ist die Politik gefordert. Konkret benötigen wir endlich ein praxistaugliches Arbeitszeitgesetz – für alle Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Es geht uns nicht um Mehrarbeit. Es geht um die Möglichkeit, bei entsprechender Nachfrage und zu Auftragsspitzen auch mal zwölf Stunden arbeiten zu können. Wer die Zukunft der Zigtausenden Familienbetriebe und Gasthäuser, vor allem im ländlichen Raum, im Blick hat, kommt zudem am Thema steuerliche Gleichbehandlung von Essen nicht vorbei. Dass für Fertiggerichte, Lieferdienste und Essen zum Mitnehmen 7 Prozent Mehrwertsteuer gelten und die arbeitsintensive Restaurantküche mit 19 Prozent belastet wird, ist nicht nur unlogisch, sondern definitiv wettbewerbsverzerrend – gerade in Zeiten, in denen die Umsätze des To-go-Geschäfts überproportional steigen.

Mehr Fairness beim Thema Steuern

Auch wenn wir über Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung diskutieren, kann es nicht sein, dass frisch zubereitete und auf Porzellantellern angerichtete Speisen steuerrechtlich schlechter gestellt werden als in Plastik verpacktes oder auf Pappe mitgegebenes Essen. Die Zahl der Unterstützer unserer Petition zur Rettung der Restaurants und Gasthäuser wächst. Zum Ende des Jahres 2019 zählten wir rund 50.000 Unterschriften. „7 Prozent Mehrwertsteuer für Essen. Egal wo und wie.“ – das schafft Spielräume für mehr Investitionen und auch eine bessere Entlohnung der Mitarbeiter. Wir erwarten Respekt und Wertschätzung für das, was unsere Mitarbeiter und Unternehmer Tag für Tag leisten. Unterstützen Sie alle mit Ihrer Unterschrift das Ziel der Petition. Nur gemeinsam sind wir stark!

Ausbildung noch attraktiver machen

Auf die richtigen Weichenstellungen kommt es auch beim Thema Fachkräftesicherung an. Wir verstehen darunter eine Politik, die die Gleichwertigkeit von beruflicher im Vergleich zu akademischer Bildung verdeutlicht, die die herausragende Bedeutung der Berufsbildung für den Wirtschaftsstandort Deutschland noch stärker anerkennt und effektiv fördert. Selbstverständlich sind wir hier auch als Branche gefordert. Deshalb dürfen wir bei unseren Anstrengungen für eine moderne, attraktive und hochwertige Ausbildung nicht nachlassen.

Aktuell an den Start gegangen ist die deutschlandweit einheitliche Dehoga-Auszeichnung „Top-Ausbildungsbetrieb“. Wir machen gute Ausbildung sichtbar. Zudem werden voraussichtlich ab August 2022 neue Ausbildungsordnungen gelten. Eines ist dabei auch klar: Wir alle sind aufgerufen, weiter für unsere Branche zu werben, die unglaubliche Vielfalt unserer Berufe und die herausragenden Perspektiven unserer Branche immer wieder aufs Neue kraftvoll und mit Stolz zu vermitteln, in die Qualität der Ausbildung zu investieren und unseren Mitarbeitern unsere Anerkennung deutlich zu zeigen. Denn das ist das Wichtigste und Wertvollste, was wir haben: Menschen, die Gastfreundschaft aus Überzeugung leben. Damit das Gastgewerbe auch 2020 auf Erfolgskurs bleibt!


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