Gastbeitrag


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Holger Hutmacher: „Es gibt Kultur und Geschichte zu erleben“

Der Gründer und alleinige Gesellschafter der Moon New Era Hotels über den Reiz und die Zukunftsfähigkeit von Traditionshäusern.

Holger Hutmacher: Er setzt auf TraditionshotelsHolger Hutmacher: Er setzt auf Traditionshotels

Lifestyle-Hotels altern in kurzer Zeit, Tradition ist hingegen ein Jungbrunnen für Zukunftsfähigkeit. Klingt provozierend – ist aber wahr. Mit „Alter“ wird nicht selten das Erreichen des vermeintlich letzten Lebensabschnittes bezeichnet. So kann man das sehen, wenn die Laufzeit der Baufinanzierung einem die Lebensdauer eines Hotels vorgibt, die Tilgung diesem die Jugend raubt und der vermeintliche Marktdruck der immer kürzer werdenden Zyklen der Produktanpassung in Design und Lifestyle dem Hotelier Angst macht.

„Ja“, da kann die Lebensdauer eines Hotels mit seinen 20 bis 30 Jahren schon zum Stress für alle Beteiligten werden. „Ja“, da kann ein Hotel in den 20ern schon alt sein. Man könnte auch sagen: Wenn aus Kostengründen bei so manchen Konzepten nicht mehr in den Boden gebaut werden kann, dann fehlen nicht selten die Wurzeln.

Bei Traditionshotels ist der letzte Lebensabschnitt nicht absehbar. Sie leben fort in Ihrer Einzigartigkeit – schon Jahrhunderte vor Instagram. Traditionshotels sind die positive Konstante des Marktes und der Gegensatz des Sich-ständig-neu-erfinden-müssens. Alte Hotels mögen oft so ausschauen, als würde es in ihnen spuken, aber Phantome werden oftmals eher in der neuen Generation Hotels gejagt.

Alt ist man dann, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hatte als an der Zukunft, lautet eine Lebensweisheit. Kennen Sie auch Hotels, denen man das so auf den ersten Blick ansieht ?

Das Aufrechterhalten einer Flamme

Traditionshotels sind nicht einfach ein stures Festhalten an Altem – sind nicht das Aufbewahren von Asche, sondern das Aufrechterhalten einer Flamme. Diese „Flamme“ könnte man auch Seele nennen, eine Aura, die einem beim Betreten eines Traditionshotels ganz bewusst umgibt. Nicht selten macht in Traditionshotels der Service den Unterschied.

Nicht jedes Traditionshotel gewinnt im Wettrüsten gegen die neue Generation an Metoo-Hotels, aber wo Emotionen gefragt sind, überraschen nicht selten so altmodische Anwandlungen wie Dienstleistungen von Menschen für Menschen die Gäste. Das führt dann zu nachhaltiger Begeisterung statt flüchtiger Likes. Am Hotelmarkt gibt es einen ziemlich deutlichen Unterschied zwischen Geschichte und Storytelling.

Traditionshotels haben das Reiseland Deutschland profiliert. Wenige Reiseländer auf der Welt verkörpern so ein klares Bild zu Gastgebern wie Deutschland. Wen man in der heutigen Zeit gefragt wird, was es braucht, alte Häuser neu zu beleben, ist die Antwort vielschichtig, aber in der Sache ganz einfach: „Man benötigt nicht zuletzt den Mut, nicht auch zum Nachahmer zu werden.“

Bestimmt darf man kritisch hinterfragen, oder ist es von außen betrachtet sogar ein unterhaltsames Schauspiel zu beobachten, welche Hotelmarke wem vermeintlich nacheifert und wer überhaupt für sich eigene Produktentwicklung betreibt – oder wer sich vielleicht damit zufrieden gibt, mit leichtem zeitlichen Versatz, nachzuahmen. Vielleicht muss sich der Hotelmarkt auch die Frage gefallen lassen, ob wir gerade unsere eigene Hotelkultur aufgeben, indem wir dem Glauben erliegen, in den fernen Metropolen dieser Welt können man Hotellerie besser als hierzulande?

Mit viel Energie und großem Aufwand werden neue Marken kreiert mit Storyboards aus der Retorte, werden Produkte importiert. Dem entgegen stehen Traditionshotels, auf deren Marke und Bekanntheit über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte eingezahlt wurde.

Röhrenfernseher und Kännchen-Kaffee? Eher nicht!

Was es braucht, um alte Häuser neu zu beleben? Vielleicht fangen wir umgekehrt an. Röhrenfernseher und die Frage nach „Portion oder Kännchen“ sind es eher nicht, genauso wenig wie Restaurants, in denen die Kellner vornehmer sind als Ihre Gäste.

Die Definiton des „neu belebens“ ist das Schaffen der Zukunftsfähigkeit, aber auch der Konkurrenzfähigkeit mit dem Komfort der heutigen Konsumgesellschaft. Alte Hotels müssen auch mit den neuesten Anforderungen der digitalen Alltagswelt mithalten können, vielleicht auch mal ein vegetarisches oder veganes Gericht auf die Speisekarte bringen, aber ansonsten die Tradition bewahren.

So kommt frischer Wind in historisches Gemäuer, wo umgekehrt neue Hotelkonzepte versuchen in gerahmten Bildern und Bühnenbildern Tradition und regionalen Bezug an die Wände zu tapezieren.

Traditionshotels sind echt. Es menschelt und es gibt Kultur und Geschichte zu erleben. Das sind die Assets von Traditionshotels. Alte Häuser haben immer gelebt und sind viel leichter zukunftsfähig zu machen, als Leben in die Neubauhotels der Zukunft zu bringen. Technik nachzurüsten ist viel einfacher als Emotionen zu erzeugen.

Ein maßgebliches Stück Ökologie

Jede Entwicklung am Hotelmarkt muss man positiv sehen, da soll in diesem Beitrag nichts falsch verstanden werden, denn auch die Hotelwelt ist nicht rein schwarz oder weiß. Aber genauso wie es Mut braucht, alte Hotels neu zu beleben, braucht es Mut, in neuen Hotels auch Neues zu tun.

Natürlich lässt dieser Beitrag viele Fragen offen und deshalb steht auch am Ende eine Frage: Sind Traditionshotels nicht auch ein maßgebliches Stück Ökologie, wenn die Halbwertzeit von Objekten und Produkten über Jahrhunderte und nicht wenige Jahrzehnte geht ?

Vielen Dank an alle, die die Hotellerie bewahren und weiterentwickeln.


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