Gastbeitrag


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Risiko gehört dazu

Wie kam er zu mehr als 30 Unternehmensbeteiligungen? Darüber schreibt Professor Stephan Gerhard, Geschäftsführender Gesellschafter der Solutions Holding.

Blickt zurück: Professor Stephan GerhardBlickt zurück: Professor Stephan Gerhard

Erst vor Kurzem bin ich 65 Jahre alt geworden. Ein gutes Alter, um auch als vorwärtsorientierter Mensch einmal mit etwas Ruhe zurückzuschauen. Auf den manchmal strategischen, manchmal aber auch recht situativen Aufbau der Solutions Holding GmbH. Einer Holding, in der nahezu alle Beteiligungen gebündelt sind, die ich als alleiniger geschäftsführender Gesellschafter in den letzten Jahren oder Jahrzehnten eingegangen bin. Um es vorwegzunehmen: Heute halten wir Anteile an mehr als 30 Unternehmen, die häufig wiederum eigene Tochtergesellschaften oder Beteiligungen haben.

Vor einigen Jahren habe ich dann dem Ganzen eine halbwegs übersichtliche Struktur verpasst, eine Gliederung in die fünf wesentlichen Bereiche, in die wir investiert sind und auch zukünftig sein wollen: Ganz vorne natürlich die Hotellerie. Eng damit verbunden ist die Gastronomie, wobei wir hier eher in Exoten investieren. Dazu aber später. Die dritte Branche ist – ausgehend vom Ursprung – nach wie vor die Beratung. Die für uns neuen Segmente vier und fünf sind Sport und Security.

In den 1980er-Jahren fing alles an

Ich werde oft gefragt, was eigentlich die große Klammer ist. Zu allen Bereichen haben Familienmitglieder und natürlich auch ich selbst direkte Bezüge oder ein besonderes Interessen daran. Und wir glauben an das Zukunftspotenzial der einzelnen Firmen oder Geschäftsideen. Oft werde ich auch gefragt, wie ich es schaffe, den Überblick zu behalten. Schwer zu beantworten, aber es geht. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten der Unternehmen, an denen wir beteiligt sind, nicht oder nicht mehr von mir direkt gesteuert werden. Und sicherlich auch an meiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Berater mit jährlich über 100 nationalen und internationalen Projekten in der Hotellerie und Gastronomie, im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft.

Wie alles begann? 1985 mit der Gründung der Vorläufergesellschaft, der Treugast. Anfangs hielt ich noch persönlich die Anteile, später, als dann aus dem 1-Mann-Unternehmen die Treugast Solutions Group geworden war, wurden sie dann von der Solutions übernommen. Schon zu Treugast-Zeiten gab es neben dem Kerngeschäft verschiedene Projekte, die wir mehr oder weniger erfolgreich verfolgt haben: Innenarchitektur, Sales Sharing System of Germany, Akzent Hotels, Freiburger Private City Hotels, Treugast Hotellerie, Treugast International Institute und so weiter. Gemeinsam mit dem Ostthüringer Hotel- und Gaststättenverband haben wir dann schon 1997 die SAFÖ Sanierungs- und Fördergesellschaft im damals durchaus noch „Wilden Osten“ gegründet.

Projekte in Wien und in Frankreich

2008 ging es dann mit echten Fremdbeteiligungen in Bereichen außerhalb der Beratung los: Erst die Gründung von 25hours gemeinsam mit Ardi Goldman, Christoph Hoffmann und Kai Hollmann, dann kurz darauf der Management-Buy-Out der Arcona Hotels mit Alexander Winter. Beiden Beteiligungen lagen schnelle, beinahe schon spontane Entscheidungen zugrunde, die dann in der Umsetzung doch etwas zäher waren und in beiden Fällen sehr positiv ausgegangen sind. Im gleichen Jahr wurde noch die Tic Kultur- & Tourismusmarketing Berlin-Pankow gegründet, womit ich zum Geschäftsführer der touristischen Vermarktung von Pankow, Weissensee und auch Prenzlauer Berg wurde. Und noch eine Gesellschaft haben wir im Jahr 2008 gegründet: die Horeal, die nach einigem Hin und Her heute die Komplementärin eines kleinen Hotelfonds ist.

Nach einer mehrjährigen „Gründungspause“ kamen dann die Architekten von BWM in Wien auf mich zu, die unter anderem auch das 25hours in Wien begleitet hatten. Sie fragten mich, ob ich denn das Manzara-Projekt in Istanbul kennen würde, Wohnungen, wild verstreut in der Stadt, die mit viel Liebe zum Detail touristisch nutzbar gemacht worden waren. Und was ich davon halten würde, wenn wir so etwas Ähnliches in Wien aufziehen würden. Aus dieser Idee sind dann 2014 die ziemlich gehypten und nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten wirklich ganz hervorragend performenden Grätzl Hotels sowie die Etagérien in Wien und Linz entstanden. 2017 habe ich dann in Monpazier in der Dordogne begonnen, gemeinsam mit Partnern uralte Gebäude aufzukaufen, die wir im Stile der Grätzl Hotels nach Entkernung, Sanierung und Renovierung in Form eines fragmentierten Hotels führen wollen.

So wie hier ist es oft in meinem Leben gewesen: Aus dem Einen ergab sich das Andere ergab sich das Nächste. So war es auch mit der Vater & Sohn Clubs und Events SVG GmbH, mit der wir im Clubgeschäft unterwegs sind und aus der sich direkt und indirekt Beteiligungen an Mojo und Going Places in Hamburg, 808 und Purple Plus in Berlin, Maxie Eisen und Rotem Salon in Frankfurt sowie am Pop-up-Executive-Space Svyt in München ergeben haben. Und so war es auch mit der gemeinsam mit meiner Tochter gegründeten Agentur für Sportlermanagement Talents & Pros, aus der Beteiligungen an der Marke Swox, am Fußballclub Daytona SC und der im E-Sport aktiven Zone 77 entstanden sind.

Beratung bleibt Standbein

Um zum Ende zu kommen: Natürlich hält die Solutions nach wie vor Anteile an Beratern wie Treugast, Contax oder Prof. Gerhard & Associates, und ebenso haben wir Fidelity und Bikini Island and Mountain für den Betrieb von Leisure-Hotels mitgegründet. Wir schauen weiterhin nach zukunftsweisenden Konzepten und Unternehmenwie MA Living oder Staffliving, wie The Doorman oder IMA Maison, wie Antares Defence oder Seculearn.

Manchmal frage ich mich, wann der Tag kommen wird, an dem ich weise werde, etwas mehr zur Ruhe komme und nicht jeden verdienten Euro in neue, risikoreiche, spannende, erfolgreiche und erfolglose Projekte stecken werde. Und hoffe dann jedes Mal, dass dieser Tag in sehr, sehr weiter Ferne liegen möge...


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