Thomas Mack


Im Gespräch

Rulantica - "Unsere größte Investition"

Startschuss für die Wasserwelt Rulantica - für Michael und Thomas Mack ist 2019 ein besonderes Jahr.

Geschäftsführende Gesellschafter Europa-Park: Thomas (links) und Michael MackGeschäftsführende Gesellschafter Europa-Park: Thomas (links) und Michael Mack

Thomas Mack, Michael Mack, neben dem Europa-Park sind zwei gigantische Projekte aus dem Boden gestampft worden. Das Museumshotel Krønasår wurde im Mai fertig, der Wasserpark Rulantica ist nun gestartet. Wie ist Ihre Verfassung angesichts der Investitionen von 180 Mio. Euro?

Thomas Mack: Das ist für das Familienunternehmen Mack ein Riesenschritt und die größte Investition in der 239-jährigen Geschichte. Wir sind stolz und den Mitarbeitern sehr dankbar, dass wir pünktlich mit dem Hotel und auch mit Rulantica an den Markt gehen konnten.

Michael Mack: Schon 2018 war sehr fordernd mit der Umgestaltung und Neueröffnung des „Eurosat Can-Can Coaster“ und natürlich mit dem Wasserpark. Unser Bau-Team ist normalerweise für ein Investitionsvolumen von 20 bis 30 Mio. Euro verantwortlich, es ist an der Belastungsgrenze angelangt. Dass es im Themenbereich Skandinavien zudem brannte und wir dort ebenfalls noch bauen – das hätte keiner gebraucht. Das skandinavische Dorf ist im Juli wiedereröffnet worden, kürzlich ging dort auch noch die multimediale Themenfahrt Snorri Touren an den Start. Die Attraktion „Piraten Batavia“ wird in der kommenden Sommersaison eröffnet. Hier liegt nun der Fokus.

Hatten Sie nie ein mulmiges Gefühl?

Michael Mack: Die erste Idee für den Wasserpark liegt ja schon 20 Jahre zurück. Die Angst vor der Höhe der Investitionen war nicht so groß. Zweifel hatten eher mit der Frage zu tun, ob die voll ausgelastete Bauwirtschaft ausreichende Kapazitäten für unser Leuchtturm-Projekt hat.

Thomas Mack: Wir haben gemeinsam in der Familie entschieden, diesen Schritt in Richtung einer eigenen Kurzreisedestination zu gehen. Denn wir müssen innovativ bleiben und auch wachsen. 80 Prozent unserer Gäste kommen zum wiederholten Mal, sie erwarten immer wieder etwas Neues. Das Risiko beim Bau eines weiteren Hotels war eher gering, denn wir haben ja eine Auslastung in der Saison von 95 Prozent. Beim Wasserpark waren wir schon überrascht, dass wir trotz der Bedeutung des Projektes keinen Generalunternehmer gefunden haben und die Aufträge einzeln vergeben mussten.

Wie konnten Sie das Mega-Bauvorhaben finanzieren?

Michael Mack: Wir haben gut gewirtschaftet und haben gute Banken.

Ihr Vater Roland Mack erzählt gern die Geschichte von einem angefragten Kredit bei der Dresdner Bank, der vor vielen Jahren nicht gewährt wurde. Dann resümiert er: Die Bank gibt es nicht mehr, aber der Europa-Park lebt. Wie ist es heutzutage?

Michael Mack: Wir haben die Philosophie, dass wir langjährigen Partnern die Treue halten. Damals waren die Volksbanken für uns da und so halten wir das heute noch. Die Banken wissen, dass wir nachhaltig sind und schließlich geht es um eine Expansion in Deutschland und nicht um Hochrisikokapital.

Der Europa-Park ist mit nunmehr sechs Hotels und 5800 Betten das größte Hotel-Resort in Deutschland. Wie hat sich das mit Inbetriebnahme des sechsten Themenhotels, des Krønasår, nun entwickelt?

Thomas Mack: Erstaunlich gut. Wir haben die Buchungsstrecke im August 2018 eröffnet, wohl wissend, dass wir pünktlich fertig werden müssen. Es gab einen unheimlichen Run auf das Hotel. 1995 haben wir keinen Betreiber für Hotels bei uns gefunden. Nun sind wir zu einer eigenen ganzjährigen Kurzreisedestination geworden. Die Aufstockung des Resorts um 1300 Betten und somit fast ein Drittel der bisherigen Kapazität war ein immenser Schritt, aber die Nachfrage ist ungebrochen.

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Wer denkt sich Namen aus wie Krønasår oder Rulantica?

Thomas Mack: Für Rulantica haben wir Namenspapst Manfred Gotta engagiert, der schon die Begriffe Twingo, Smart und Panamera erfunden hat. Krønasår stammt von einer Münchner Agentur. Es soll nordisch-sympathisch und vielleicht ein bisschen geheimnisvoll klingen.

Krønasår ist als Museumshotel konzipiert, Rulantica ist eine Sagenwelt – wie haben Sie das umgesetzt?

Thomas Mack: Es wurde eine richtige Storywelt um die versunkene Stadt Rulantica entwickelt. Wir sehen von außen das Museumsgebäude, das Hotel Krønasår mit einer Hafenatmosphäre. In der Lobby ist eine übergroße Schlange ausgestellt, überall stehen Vitrinen mit Fundstücken.

Michael Mack: Die Wasserwelt hat ein außergewöhnliches Konzept. Wir dachten, dass Palmen und Karibikflair eher nicht zu unserem Tannenwald vor der Tür passen und so haben wir uns für ein nordisches Konzept entschieden. Das gibt es bisher nirgends. Der Coppenrath Verlag in Münster hat sich begeistern lassen, einen Roman über Rulantica zu veröffentlichen, der auf der Buchmesse in Frankfurt mit großem Erfolg vorgestellt wurde. Insgesamt werden es zwei Bände werden.

Anders als im Europa-Park ist der Einlass nach Rulantica limitiert.

Thomas Mack: Das stimmt. Das Ticketing für die Eröffnung hatte bereits im Frühling begonnen. Das neue System wird für uns eine Riesen-Herausforderung. Anders als im Europa-Park kann man den Wasserpark nur mit einer vorab gebuchten Eintrittskarte besuchen, denn wir können maximal 3500 Gäste zeitgleich hineinlassen. Man muss sich vorher online informieren.

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Trotz des vielen Wassers wird es vorerst kein Wellnessangebot geben. Warum nicht?

Michael Mack: Wir wollten unserem Konzept treu bleiben, dass wir die Familie nicht trennen. In einer Saunalandschaft gibt es textilfreie Bereiche ab 16 Jahren. Das wollen wir zu Beginn nicht machen, wir haben das Thema Wellness aber in der Hinterhand, und in den bestehenden Hotels gibt es bereits großzügige Bereiche. Jetzt eröffnen wir den ersten Bauabschnitt, dann wollen wir organisch weiterwachsen. Wie es auch im Europa-Park gelebt wird.

Wird der Park künftig im Jahr länger geöffnet bleiben?

Thomas Mack: Anders als der Europa-Park wird der Wasserpark das ganze Jahr geöffnet sein. Im Europa-Park beginnt derzeit die Saison eine Woche vor Ostern und dauert bis Anfang November. Eine weitere Öffnung gibt es ab Ende November bis zum Ende der Winterferien in Baden-Württemberg. Im ersten Jahr des Wasserparks rechnen wir mit einem Besucherplus von 600.000, sodass wir 2020 auf insgesamt mehr als 6 Mio. Gäste kommen können. Derzeit beträgt die Aufenthaltsdauer im Europa-Park im Durchschnitt 1,4 Nächte. Wir wünschen uns, dass die Besucher eine Nacht dranhängen.

Wie viele Arbeitsplätze sind mit den neuen Projekten verbunden?

Thomas Mack: Insgesamt 550, davon 250 im Hotel. Das ist nicht leicht zu stemmen, da in der Region fast Vollbeschäftigung herrscht. Wir müssen einiges tun, haben in der Slowakei ein Recruiting-Büro eröffnet, ein tolles Schulungszentrum im Europa-Park und Mitarbeiterwohnungen in Rust gebaut. Es läuft viel hinter den Kulissen ab. Derzeit hat der Europa-Park mit Rulantica knapp 4150 Arbeitsplätze, mit indirekten Effekten sind es hier in der Region bis zu 8500 Stellen.


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