hotelier des jahres


Karriereporträt

ahgzplus Geschwindigkeit gibt ihm den Kick

Karl J. Pojer ist als Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Cruises Herr über sechs Schiffe. Für sein Wirken als Reeder und Hotelier bekam er den diesjährigen Special Award der ahgz.

Special-Award-Preisträger: Karl J. Pojer als Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd CruisesSpecial-Award-Preisträger: Karl J. Pojer als Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Cruises

Auf den ersten Blick wirkt Karl J. Pojer wie der typische Big Boss eines börsennotierten Großkonzerns: Schwarzer Anzug, weißes Hemd, perfekt gebundene lila Krawatte. Freundlich zugewandt, aber professionell distanziert. Obwohl er am Vorabend nach einem Gespräch mit der Umweltministerin in Berlin den letzten Zug verpasst hat und heute Morgen in aller Früh nach Hamburg gekommen ist, wirkt er beim Interviewtermin in der Zentrale von Hapag-Lloyd Cruises frisch, dynamisch und aufgeräumt. Business as usual. In der einen Hand hält er einen Stapel Unterlagen und persönliche Notizen („Ich bin gern gut vorbereitet“), in der anderen Hand passenderweise eine „Kapitänstasse“ mit Seemannsknoten. Das macht ihn auf Anhieb nahbar, und auch der kleine Stoffhase auf seinem Schreibtisch (ein Geschenk seiner Tochter, als sie fünf Jahre alt war – „er soll mich auf Reisen vor bösen Geistern, Tieren und Menschen beschützen“) lässt einen neugierig werden: Wer ist dieser Mann, der schon in vielen Luxushotels dieser Welt gearbeitet hat? Der Mr. Robinson genannt wird, weil er die Clubmarke von Tui auf Vordermann gebracht hat. Und als Hotel-Bereichsvorstand der Tui das größte Ferienhotelportfolio der Welt ausgebaut und geleitet hat.

Das Bild mit der Kapitänstasse passt auf jeden Fall: Seit 2013 ist Pojer Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Cruises, einer hundertprozentigen Tochter der Tui AG. Von der Reedereizentrale in Hamburg aus steuert der 65-Jährige die Kreuzfahrtschiffe MS Europa, MS Europa 2, Hanseatic nature, Hanseatic inspiration, Hanseatic spirit und MS Bremen, die 540 Häfen auf der ganzen Welt anfahren. Vor sechs Jahren ist es ihm gelungen, bei Hapag-Lloyd Cruises das Ruder herumzureißen und das Unternehmen klarer im Markt zu positionieren und nachhaltig betriebswirtschaftlich erfolgreich zu machen. Nämlich mit dem starken Fokus auf Luxus und Expeditionen. Mit Erfolg: 2019 war für HLC das beste Jahr der Geschichte. Bereits zum wiederholten Mal wurden die Europa und Europa 2 vom Berlitz Cruise Guide als beste Kreuzfahrtschiffe der Welt ausgezeichnet und als einzige Passagierschiffe mit dem Prädikat „Fünf-Sterne-plus“ geadelt. 2018 wurde die Marke zur „Best Touristic Brand“ gekürt. Der Stammgästeanteil liegt heute bei mehr als 60 Prozent, der Durchschnittspreis einer Reise bei 640 Euro pro Tag.

Das Geschäft mit Kreuzfahrten boomt. Laut CLIA Deutschland, die deutsche Vertretung des internationalen Kreuzfahrtverbands Cruise Lines International Association (CLIA), stieg das Passagieraufkommen in der ersten Jahreshälfte 2019 um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und überschritt damit die 1-Million-Marke bereits im ersten Halbjahr (1,08 Mio. Passagiere). Für 2019 rechnet der Verband mit insgesamt 2,5 Mio. Passagieren. Pojer, der auch Chairman von CLIA Deutschland ist, wundert das nicht: „Die Kreuzfahrtschifffahrt ist derzeit die mit Abstand kreativste und innovativste Branche in der Touristik. Es gibt heute für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel das richtige Schiff.“

Wer mit Hapag-Lloyd Cruises um die Welt reisen will, muss tief in die Tasche greifen. Eine Tour mit der Europa 2 von Malta nach Portugal kostet ab 5400 Euro pro Person. Spezialität sind die Expeditionsreisen in die Antarktis: Hier kostet eine 18-tägige Seereise von Montevideo nach Ushuaia ab 14.000 Euro. Wer es besonders exklusiv möchte, bereist in 20 Tagen mit dem Privatjet Albert Ballin gleich die ganze nördliche Hemisphäre – Kosten: ab 92.000 Euro. „Unsere Kunden sind reiseerfahren und top-end-of-the-market“, erzählt Pojer. „Menschen, die im Leben alles erreicht haben.“ Dies seien primär die Älteren, die Geld und gleichzeitig Zeit haben. Und die Jüngeren, die Geld, aber wenig Zeit haben. „Sie wollen das Beste aus ihrer begrenzten Urlaubszeit herausholen. Also reisen sie mit dem Schiff, um möglichst viel von der Welt zu sehen, und ohne ihren Koffer ständig ein- und auszupacken.“

Um dieser anspruchsvollen Klientel – die in puncto Qualität „zero tolerance“ hat, wie Pojer im Gespräch mehrfach betont – einen perfekten Urlaub zu bereiten, arbeitet Hapag-Lloyd Cruises mit den besten Agenturen der Welt zusammen. Zwei Jahre im Voraus erarbeiten sie mit den Kreativ-Teams in der Zentrale die Routen. Die Schiffe sind klein und fein, das größte Schiff bietet gerade mal Platz für 500 Passagiere. Im Vergleich: Große Schiffe beherbergen bis zu 6000 Passagiere und verfügen über mehr als 15 Restaurants, Bars, Shoppingmeilen, Eislaufbahn und Riesenrutsche. Quasi schwimmende Ferienresort.

Bei Hapag-Lloyd Cruises ist nicht nur das Schiff die Hauptattraktion, sondern das Reiseerlebnis – besonders bei Expeditionen. „Wir verkaufen keine Kabinen, sondern Erlebnisse und Emotionen“, sagt Pojer und erzählt, dass bei den Reisen bis zu sieben Experten – sogenannte Lektoren – an Bord sind, die Gäste mit ihrem Fachwissen unterhalten. Zum Beispiel Geologen, Glaziologen und Biologen. So berichtet etwa Eckart Pott auf der Reise mit der MS Bremen über Königspinguine und Physiker Ranga Yogeshwar erklärt auf der Reise von Lappland über Island nach Grönland die Farben der Polarlichter, erzählt von den Tieren in der Arktis und dem Rückzug der Gletscher. Flora und Fauna erleben die Luxusreisenden dann per Seekajak und E-Zodiak. Sind Landgänge in besonders empfindlichen Ökosystemen nicht erlaubt, können Gäste die Außenwelt auf den herausfahrbaren Balkonen mit Glasboden erleben. „Die Gäste wollen von den Reisen etwas mitnehmen. Ihre Intention ist nicht, erlebnishungrig zu sein, sondern zu lernen“, sagt Pojer, der festgestellt hat, dass sich Luxus verändert hat. „Er geht weg vom Haben zum Sein.“

Als Pojer sich 2013 dafür entschied, den Fokus auf Expeditionen und Luxus zu setzen, war das damals noch eine Nische. Mittlerweile boomen die Reisen an die Pole, Expeditionsreisen wachsen sogar noch stärker als der Kreuzfahrtmarkt an sich. „Bis 2020 sind allein 20 neue Expeditionsschiffe geplant“, weiß Pojer aus seiner Funktion als Chef des Branchenverbands CLIA zu berichten. Die Konkurrenz sieht er gelassen und verweist darauf, dass seine drei neuen Hanseatic-Schiffe 20 Prozent mehr Neukunden generierten und außerdem extrem gut gebucht seien. Zudem ist er überzeugt: „Unsere Marktforschungen haben ergeben, dass 2020 die Nachfrage immer noch dreimal so hoch wie das Angebot sein wird.“

Wer in derart empfindliche Ökosysteme fährt, muss strenge Auflagen befolgen. Um den Ausstoß an Schwefel und Stickoxiden fast ganz zu reduzieren, setzt das Unternehmen auf SCR-Katalysatoren (Selective Catalytic Reduction). Die Katalysatoren funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie im Diesel-Pkw: Mit Hilfe von Harnstoff werden Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasser umgewandelt. Eine weitere wichtige Maßnahme: Ab Juli 2020 will Hapag-Lloyd Cruises bei allen Routen auf Schweröl verzichten zugunsten von Marine-Gasöl mit einem Schwefelgehalt von nur 0,1 Prozent. Der Brennstoff ist zwar deutlich teurer, hat aber den Vorteil, dass seine Emissionen erheblich weniger Feinstaub und Ruß aufweisen. Zusätzlich sind alle neuen Expeditionsschiffe von HLC landstromfähig. Nachdem bei einem Landgang vor zwei Jahren ein Eisbär ein Crewmitglied angegriffen und daraufhin erschossen wurde, treffe Hapag Lloyd Cruises außerdem noch akribischere Vorkehrungen, damit es zu keiner direkten Begegnung von Mensch und Tier kommt. Bevor Gäste an Land gehen, checken mindestens zwei sogenannte Eisbärenwächter von der Brücke aus das Gebiet. Gleichzeitig werden die Küstenabschnitte vorher mehrfach abgefahren und kontrolliert. Doch auf das Thema Umweltschutz kommen wir später noch zu sprechen.

Zurück nach Hamburg: Das Büro von Karl J. Pojer gleicht einer Schaltzentrale aus Glas und Stahl. Durch die großen bodentiefen Fenster hat der gebürtige Österreicher seine Wahlheimat perfekt im Blick. Nicht nur das: Ein riesiger Bildschirm mit digitaler Weltkarte zeigt Pojer in Echtzeit, wo sich seine sechs Schiffe gerade befinden. Von der Zentrale aus wird Einfluss genommen auf Produkt, Vertrieb, Marketing und Personal. Der Dienstleister Seachef kümmert sich um das Recruiting der Mitarbeiter an Bord, für die hohe Qualität der Restaurant-Outlets („Gastronomie ist die Seele des Produkts“) arbeitet Hapag-Lloyd Cruises mit Gastro- und Trendexperten aus aller Welt zusammen. Täglich finden in der Zentrale Besprechungen mit seinen Teams statt, um zu klären, was auf den Schiffen gerade passiert. Müssen Routen aufgrund politischer Entwicklungen geändert werden? Gibt es Gästebeschwerden, die dringend geklärt werden? Die Logistik sei oft eine riesige Herausforderung. „Es ist ja nicht wie im Hotel, wo man direkt eingreifen kann – die Schiffe sind auf der ganzen Welt unterwegs.“

An der Wand in Pojers Büro lehnt ein riesiges buntes Ölgemälde. Es zeigt einen Formel-1-Rennwagen. Als Pojer noch zur Schule ging, wollte er nichts anderes als Hotelier oder Rennfahrer werden. Beides ist er letztlich geworden – auch wenn er sich später für eines entschieden musste. Nach seinem Hotelfachstudium führten ihn die ersten beruflichen Stationen nach New York, Wien und Paris. „Mein Ziel war damals, so schnell wie möglich GM zu werden“, erzählt Pojer, was ihm auch gelang. Seine Leidenschaft für den Motorsport verfolgte er ebenso ehrgeizig: Er kratzte seine ganzen Ersparnisse zusammen und kaufte sich einen gebrauchten Porsche 912 Targa. Es zog ihn nach England zu einer Rennfahrerschule, wo er es bald in die Formel Ford schaffte, die Einsteigerklasse des Formel-Rennsports. Er fuhr gegen Michael Schumacher („Der damals schon um Lichtjahre schneller fuhr als die meisten anderen“), Heinz-Harald Frentzen, Rubens Barrichello und David Coulthard.

Auch seine Hotelkarriere nahm Fahrt auf und zwang Pojer, der nebenbei auch noch Erfahrungen im diplomatischen Dienst als Konsul von Österreich auf Madeira sammelte, sich zu entscheiden. „Es war für mich der Moment, in dem die Hotelkarriere die Oberhand gewann“, sagt der 65-Jährige, der dennoch bis heute leidenschaftlich gern in seiner Freizeit Rennen fährt.

Zwischen 1980 und 1995 sammelte er Erfahrungen in Management-Positionen in den USA, in Deutschland, Belgien und Portugal für führende Hotelkonzerne wie Kempinski oder Sheraton. Dabei stellte er immer wieder fest: „Es wartet keiner auf dich. Man muss sich immer einbringen, überall seine Leistungen zeigen und auf Menschen einlassen können.“ Eine Zufallsbegegnung sorgt schließlich dafür, dass Pojer bei Tui landet. Als er Anfang der 90er-Jahre die größte Hotelkette Portugals, die Pestana-Hotels, aufbaute und einige Hotels auf Madeira leitete, traf er auf Ralf Corsten, den früheren Tui-Chef, der sich mit einer Delegation die Betriebe anschaute. „Er hat mich 1996 zu Tui geholt, um Robinson zu modernisieren“, erzählt Pojer, der noch heute von vielen in der Branche als Mr. Robinson bezeichnet wird.

Zehn Jahre später folgte die Beförderung zum Bereichsvorstand für die 300 Tui-Hotels, 2013 wechselte Pojer zur Geschäftsführung von Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten GmbH – auf Wunsch des Vorstandes. Wie damals Robinson war auch HLC zu der Zeit in einer unsicheren Marktlage: „Wenn man auf der Erfolgswelle schwimmt, ist es leicht, Kurskorrekturen vorzunehmen. Doch wenn man unter Druck steht, bleibt keine Zeit für Experimente. Am Ende sagen die Zahlen, ob die Strategie die richtige war“, sagt Pojer und ergänzt: „Aber noch schlimmer als eine falsche Strategie ist es, gar keine zu haben.“

Dem Vollblutunternehmer war schnell klar, dass er es schaffen musste, Hapag-Lloyd Cruises neu am Markt zu positionieren. „Wir waren damals auf allen Ebenen unterwegs: Luxus, Expedition, ein bisschen Mainstream. Also haben wir uns gefragt: Was können wir gut? Und was machen andere besser?“ Die Antwort war: Luxus und Expedition. „Also haben wir uns darauf fokussiert und die Schiffe zielgruppenorientiert positioniert. Das war der Schlüssel zum Erfolg.“

Der Deal, der alles entscheidet

Nach einer Bestandsaufnahme strukturiert Pojer um und verkleinert das Führungsteam, um schnellere Entscheidungswege zu haben. Das Unternehmen trennt sich von der Columbus 2, die eher im Mainstream angesiedelt ist. Die erfolgreiche Europa bleibt im Konzept der klassische Luxusliner für die „traditionelle gesellschaftliche Elite“, während die Europa 2 die „moderne Elite“ – berufstätige Paare und Familien – bedienen soll. Die Expeditionsschiffe richten sich an die Bildungselite. Pojer zieht Parallelen zur Hotellerie und ist überzeugt: „Ein Hotel, das es jedem Gast recht machen will, ist technisch und ökonomisch nicht überlebensfähig. Man muss sich klar positionieren, nur dann ist man authentisch und erfolgreich. Die wichtigsten messbaren Parameter müssen sein: Gästezufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit, Net-Profit und Cashflow.“

Pojers wichtigster Meilenstein ist 2015, als es ihm gelingt, die Europa 2 für 278 Mio. Euro aus einem langfristigen Chartervertrag herauszukaufen. Keine leichte Sache, denn der Eigner will eigentlich nicht verkaufen. Doch Pojer bleibt hartnäckig, führt viele Gespräche und schafft es, mit Vertrauen und Respekt ein Geschäft nach guter hanseatischer Kaufmannsart über die Bühne zu bringen. „Der Deal war für die Zukunft und den Turnaround in unserer Gesellschaft immens wichtig.“

Dass Pojers Strategie für HLC aufgegangen ist, belegen auch die aktuellen Tui-Zahlen: Musste das Unternehmen unter anderem auch wegen des Flugverbots der B-737 Max im Jahr 2019 einen Gewinnrückgang um ein Viertel hinnehmen, entwickelten sich die Geschäftsfelder Hotels, Kreuzfahrten (inklusive Tui Cruises und Marella Cruises) und Aktivitäten äußerst positiv. Der Bereich steuerte rund 75 Prozent zum Ergebnis bei und legte gegenüber 2018 um 10,6 Prozent zu. Der Umsatz stieg um knapp 37 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro, allein die Kreuzfahrt kam auf ein Plus von 13 Prozent (366 Mio. Euro).

Von seinem Erfahrungsschatz aus der Konzernhotellerie profitiert Pojer bis heute: „Die Kreuzfahrt ist Hotellerie auf dem Wasser – aber mit zusätzlichen Herausforderungen, was Logistik und Architektur angeht.“ Schlägt in seiner Brust das Herz eines Hoteliers oder eines Reeders? „Ich bin durch und durch Hotelier. Trotzdem mache ich keine Unterschiede, weil es so viele Parallelen gibt. Man muss den Gast zufriedenstellen und nah am Puls der Zeit sein“, so Pojer.

Dass die Kreuzfahrtbranche mittlerweile eine ernstzunehmende Konkurrenz für Hotels ist, kann Pojer nur bestätigen. Nicht nur für den Zweit- und Dritturlaub. Allerdings wachsen beide Geschäftsfelder kontinuierlich weiter. „Die Menschen reisen mehr und können sich zwischen noch mehr Alternativen entscheiden.“ Pojer ist überzeugt, dass beide Seiten voneinander lernen können: Die Kreuzfahrtbranche punktet mit einer immensen Innovationsgeschwindigkeit, die Hotellerie weiß zum Beispiel, wie man starke Marken schafft und etabliert.

Außerdem sei es für junge Menschen ein „Karriere-Booster“, einmal auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet zu haben. Was sie hier an sozialer Kompetenz und Disziplin lernten, sei auf der ganzen Welt gefragt. Stichwort Nachwuchs: Welchen Tipp würde er jungen Menschen mit auf den Weg geben? „Dass man für eine Sache brennt und sie stringent verfolgt. Auch wenn man mal hinfällt“, sagt Pojer.

Verantwortung übernehmen

Junge Menschen für die Branche zu gewinnen – Pojer ist überzeugt, dass dies die Herausforderung der Zukunft ist. „Sie wollen mehr Work-Life-Balance. Wir Älteren sind ja schon froh, wenn wir eine ausgewogene Work-Balance hinkriegen“, sagt der Unternehmer und lacht. Seine Tochter Vanessa (20) habe ihren Vater 180 Tage im Jahr entbehren müssen. Pojers Frau war quasi alleinerziehend und habe sich neben ihrem Beruf als Unternehmensberaterin zu Hause um alles gekümmert. Doch Vanessa hege keinen Groll, im Gegenteil: Sie sei stolz darauf, was ihr Vater alles erreicht hat.

Muss er sich im privaten Umfeld angesichts der Fridays-for-future-Debatte häufiger für seinen Job rechtfertigen? „Ja, das hat zugenommen“, räumt Pojer ein. „Aber ich finde diesen Dialog gut. Sobald man beginnt, aufzuklären, ändert sich die Meinung. Wir sind als Kreuzfahrtbranche natürlich sichtbar und wollen zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen.“ Dazu gehöre nicht nur, wie bereits erwähnt, den Ausstoß an Schwefel und Stickoxiden dank der SCR-Katalysatoren um 96 Prozent zu reduzieren und auf Marinediesel zu setzen. Sondern auch, gezielt den Treibstoffverbrauch zu reduzieren. Alle HLC-Schiffe verzichteten auf die letzten vier Knoten bei der Geschwindigkeit. „Nachhaltigkeit ist Teil unserer DNA. Wir haben ja die Verantwortung, Destinationen zu schützen. Es ist schließlich das Erlebnis, was wir unseren Kunden verkaufen. Und das sage ich nicht nur als Chef von einem Kreuzfahrtunternehmen, sondern auch als Vater einer 20-jährigen Tochter.“

Ohne relativieren zu wollen, nimmt Pojer Bezug auf die Relationen: 40.000 Schiffe gebe es auf der Welt, davon seien unter 1 Prozent Kreuzfahrtschiffe – nämlich 389. „Und davon haben 111 die beste Umwelttechnik, die heute verfügbar ist“, ergänzt Pojer. „Die Branche tut alles, was heute möglich ist. Man darf Umwelt nicht gegen Reisen ausspielen. Es kommt auf die Balance an.“

Eine Fotostrecke von der Gala-Verleihung am Montag Abend finden Sie hier.


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