Mehrwertsteuer


Interview

ahgzplus Mehrwertsteuer-Petition: „Jeder ist aufgefordert“

Weniger Mehrwertsteuer für Wirte – das will der Dehoga Bayern über eine Online-Petition erreichen. Landesgeschäftsführer Thomas Geppert erläutert die Gründe.

Thomas Geppert: „Die Wettbewerbsfähigkeit der Gastronomie bedarf dringend einer Stärkung.“Thomas Geppert: „Die Wettbewerbsfähigkeit der Gastronomie bedarf dringend einer Stärkung.“

Herr Geppert, der Dehoga Bayern hat eine bundesweite Online-Petition zur Absenkung des Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie gestartet. Sie wollen 50.000 Unterzeichner finden. Bisher ist das Interesse schleppend. Woran liegt es?

Das Interesse ist alles andere als schleppend. Wir erfahren breite Zustimmung in ganz Deutschland und das branchenübergreifend. Kompliziert ist es allerdings tatsächlich, Leute zu bewegen, aktiv zu werden. Losgelöst von der Petition stellen wir fest, dass es zunehmend schwieriger wird, Themen bei den Unternehmern zu platzieren. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass aufgrund des Mitarbeitermangels und der überbordenden Bürokratie schlichtweg die Ressourcen fehlen. Hat sich allerdings ein Unternehmer dem Thema angenommen, stellen wir fest, dass es für ihn ein Leichtes ist, nicht nur von seinen Mitarbeitern, sondern auch von seinen Gästen Unterschriften zu bekommen.

Es gibt bundesweit rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer im Gaststättengewerbe. Da sollte die erforderliche Zahl doch eigentlich schnell zusammenkommen...

Ich bin zuversichtlich, dass wir noch viele Unterschriften bekommen werden. Übrigens hat eine Befragung von mehr als 600 Gastgebern im Rahmen des Bayerischen Gastgebertages gezeigt, dass die Unternehmer die dadurch gewonnenen Vorteile nicht nur investieren, sondern auch an ihre Mitarbeiter weitergeben würden. Das haben wir auch nach der Reduzierung der Umsatzsteuer auf Beherbergungsdienstleistungen beobachtet.

Könnte die verhaltene Beteiligung an der Online-Petition auch daran liegen, dass die Forderung in den Betrieben oder von den Mitarbeitern gar nicht als so zentral angesehen wird, wie in den Verbänden?

Das glaube ich nun wirklich nicht, denn wir bündeln ja nur die Stimmen, die uns aus den Betrieben permanent gemeldet werden. Die Situation hat sich in letzter Zeit sogar noch verschärft. Das überall um sich greifende Wirtshaussterben gerade im ländlichen Raum sowie das Verschwinden klassischer Restaurants aus den Innenstadtlagen machen deutlich, dass die Wettbewerbsfähigkeit der arbeits- und personalintensiven Gastronomie dringend einer Stärkung bedarf. Für die Betriebe bedeutet der volle Steuersatz einen knallharten Wettbewerbsnachteil, insbesondere gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel, der sein Sortiment verzehrfertiger Essensangebote signifikant ausgeweitet hat und weiter ausbaut. Sogar die Bayerische Staatsregierung hat den Handlungsbedarf erkannt und wird dazu eine Bundesratsinitiative auf den Weg bringen. Dem entsprechenden Antrag im Bayerischen Landtag hat sogar die oppositionelle FDP zugestimmt.

Wie werden Sie künftig bei diesem Thema gegenüber der Politik auftreten?

Selbstbewusst und hartnäckig, weil es das Richtige für unser Land ist. Wir dürfen unsere kleinen inhabergeführten Betriebe, die unser Land so lebens- und liebenswert machen und das Rückgrat der heimischen Tourismuswirtschaft sind, nicht aufgeben.

Sie haben ja schon an ein paar Stellschrauben gedreht. Wie schaffen Sie bei der Petition noch einen fulminanten Endspurt – oder wollen Sie die Umfrage einschlafen lassen?

Wir haben erst kürzlich im Bundesvorstand verschiedene Maßnahmen besprochen. Da wird noch einiges kommen. Doch klar ist: Jeder Einzelne ist aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten. Wie wär es mit einer Sonderausgabe derahgznur zu diesem Thema?

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