Coronavirus


Interview

ahgzplus UFA CEO Hofmann: „Meine Heimat ist das Hotel“

Nico Hofmann (60) ist einer der bekanntesten Filmakteure in Deutschland und Chef des renommierten UFA-Konzerns. Rund 200 Nächte verbringt er pro Jahr im Hotel.

Nico HofmannNico Hofmann

Nico Hofmann (60) ist einer der bekanntesten Filmakteure in Deutschland und Chef des renommierten UFA-Konzerns. Da er rund 200 Nächte im Jahr in Hotels verbringt, ist er auch ein profunder Kenner des Gastgewerbes.

Herr Hofmann, wie verändert die Coronakrise ihr Reiseverhalten?

Hofmann: Vor einer Woche hätte ich sicherlich noch gesagt, dass sich mein Reiseverhalten noch nicht verändert hat. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen werden aber jetzt alle nationalen und internationalen Dienstreisen bis auf Weiteres nur in dringenden Fällen und nach Absprache mit Fremantle, unserem Mutterkonzern, stattfinden. Wir haben bei der UFA einen Krisenstab gebildet und Notfallpläne für unsere Mitarbeitende und unsere Teams aufgestellt. Es wird jeden Tag von neuem individuell entschieden, wer reisen darf oder nicht. Und natürlich müssen wir insbesondere Rücksicht, auf Ältere und Menschen mit Vorerkrankung nehmen, Das gilt beruflich genauso wie privat. Meine Mutter ist 88 Jahre alt, mein Vater 95. Das hat man auch Verantwortung.

Sie sollten Mitte März den bedeutenden Carl Lämmle Produzentenpreis erhalten. Die Veranstaltung wurde nun aufgrund der Coronakrise abgesagt.

Hofmann: Es wurden mehr als 400 Gäste erwartet und da Teile von Baden-Württemberg stark betroffen sind, verstehe ich die umsichtige Entscheidung. Demnächst planen wir einen Diversity-Gipfel in Köln mit rund 250 Teilnehmern. Auch diesen werden wir verschieben müssen.

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen?

Hofmann: Mich trifft das massiv. Ich suche sehr stark den persönlichen Kontakt. Reisen sind Begegnungen und nun droht ein Verlust an Lebensqualität. Die Situation erinnert mich an 9/11, die Terroranschläge von New York im Jahr 2001. Das trifft viele Bereiche und natürlich auch sehr stark die Hotellerie und ist ein Vorgeschmack dessen, was wir alle erleben werden.

Normalerweise übernachten Sie jedes Jahr sechs bis sieben Monate lang außer Haus. Freuen Sie sich auf die Hotels oder nehmen Sie das eher in Kauf?

Hofmann: Meine Heimat ist das Hotel. Es gibt Häuser, da freue ich mich mehr, bei anderen nehme ich es in Kauf. Wenn ich an der Filmakademie in Ludwigsburg bin, wohne ich seit vielen Jahren schon im Hotel Adler Asperg, übernachte jedes Mal im selben Zimmer und bin mit der Familie Ottenbacher, die es in vierter Generation betreibt, befreundet. Die Hotellerie in Stuttgart finde ich eher problematisch.

Worauf freuen Sie sich, was stört Sie im Hotel?

Hofmann: Ich baue persönliche Bindungen zu den Mitarbeitern auf und bleibe dem Hotel auch dann noch treu, wenn die Infrastruktur nachlässt. So habe ich in München mehr als 20 Jahre vor allem wegen der tollen Guest Relations im Westin Grand gewohnt. Nun bin ich in das neue Andaz gewechselt, weil ich den Direktor Frank Heckelmann sehr schätze.

In ihrem Job entwickeln Sie fiktive oder reale Stoffe zu Filmen und Serien. Sehen Sie Parallelen zur Hotellerie?

Hofmann: Der Vergleich ist gut. Ich bin deshalb Hotelfan, weil die Häuser Zeitgeist und Trends verkörpern. Das machen wir mit unseren Produktionen auch.

In beiden Welten werden Realitäten dramaturgisch verdichtet, um Zuschauer oder Gäste anzulocken….

Hofmann: Je besser das Hotel ist, desto perfekter ist die Dramaturgie. Hotels kreieren einen eigenen Kosmos. Das erreichen wenige so wie das Brenners Park-Hotel und Spa in Baden-Baden. Für mich gehört es zu den weltbesten Hotels, denn es hat eine unerreichte Mischung aus Persönlichkeiten, jeder Mitarbeiter ist dort eine eigene Persönlichkeit.

Hotels sind oft Kulisse für Filmdrehs. Worauf kommt es an und wie können sich Hotels dafür bewerben?

Hofmann: Menschen im Hotel sind fast so spannend wie im Krankenhaus. Ein Mikrokosmus von Individuen, die gemeinsam etwas erleben. Aber viele GMs wollen das gar nicht, denn Hotels werden auch missbraucht. Keiner will eine Leiche in seiner Badewanne haben. Und wenn wir ein Hotel für die Zeit vor dem Mauerfall oder die Grenzöffnung suchen, kommen wir immer im Westin Grand Hotel in Berlin heraus. Das Brenners in Baden-Baden wiederum ist zwar nicht so bekannt wie das Adlon, hat aber eine so vielschichtige Historie, dass es eine eigene Geschichte wert ist.

Trotz ihrer vielfältigen Tätigkeiten sind Sie Jurymitglied beim Alfred-Brenner-Preis in Baden-Baden für Nachwuchskräfte aus der Hotellerie und Gastronomie. Was reizt Sie daran?

Hofmann: Ich bin jedes Jahr beeindruckt, mit welcher unfassbaren Energie die jungen Leute arbeiten, trotz der vergleichsweise geringeren Bezahlung. Die jungen Leute finde ich oft spannender als viele Direktoren. Sie haben so viel Leidenschaft, mit der sie ihre Lebenspläne definieren.

Wie hat sich die Hotellerie verändert?

Hofmann: Sie ist wesentlich lifestyliger geworden. Das gilt auch für Ketten wie Marriott und Hyatt. Obwohl ich kein Hilton-Fan bin, begeistert mich das Waldorf Astoria Beverly Hills in Kalifornien. Das ist unglaublich perfekt geführt und dementsprechend teuer. Wir haben genaue Reisekostenlinien wie viele Unternehmen, aber auch wenn ich hier bei Dienstreisen privat zuzahle, um dort zu wohnen, ist es mir das Erlebnis wert.

Was fällt Ihnen im Vergleich zum Ausland auf?

Hofmann: Kürzlich war ich im St. Regis Singapur und im Park Hyatt in Bangkok. Die Servicekultur in Asien ist unerreicht. Natürlich gibt es dort viel mehr Mitarbeiter als in Deutschland. Dagegen ist der Service in den USA im 3- und 4-Sternebereich Lichtjahre vom deutschen und asiatischen Markt entfernt. In New York ist der Qualitätsunterschied extrem- bei langen dunkle Fluren, kann man leicht an die entsprechenden Horrorfilme denken.

Wie nehmen Sie das Image der Branche wahr?

Hofmann: Sehr positiv. Bei mir sind viele Freundschaften entstanden, etwa mit Frank Marrenbach, Fred Huerst, Monique Dekker vom Park Hyatt Wien oder Tashi Takang vom Park Hyatt in Hamburg. In der Hotellerie gibt es viele kluge Menschen.

Sie haben ein Buch mit dem Titel „Mehr Haltung, bitte! Wozu uns unsere Geschichte verpflichtet“ über wachsenden Rechtspopulismus und die Angst vor einer Krise der Demokratie veröffentlicht. Der Begriff Haltung ist nicht unumstritten, weil Haltung und Fakten nicht immer zusammenpassen.

Hofmann: Das Buch ist aktueller denn je und ich habe vor zwei Jahren die jetzige Stimmung vorweggenommen. Wir tragen als Martkführer im Produktionsbereich eine große Verantwortung. Die UFA erreicht am Wochenende 12 bis 14 Millionen Menschen über mehrere Stunden. Deshalb definieren wir die Linie sehr genau, die wir im Programm umsetzen. Das hat etwas mit Haltung zu tun.

Im Gastgewerbe geht es öfter um die Frage, ob Wirte ihre Räume etwa für Veranstaltungen der AfD zur Verfügung stellen sollen. Wie würden Sie damit umgehen?

Hofmann: Wenn ich Hotelier wäre, würde die AfD bei mir keine Veranstaltung abhalten.

Sie haben schon viele Auszeichnungen als Regisseur und Produzent bekommen, etwa für die Fernsehfilme Dresden, Der Tunnel, Der Medicus oder die Miniserie „Unsere Mütter, unsere Väter“. Was bedeutet für Sie der Carl Laemmle Produzentenpreis?

Hofmann: Er bedeute mir sehr viel, weil es der einzige hochrangige Produzentenpreis in Deutschland ist. Da gibt es nichts Vergleichbares, so wie der Hotelier des Jahres in ihrer Branche.

Ist die Filmbranche ähnlich mit Preisen ausgestattet wie Hotellerie und Gastronomie. Gibt es zur viele Auszeichnungen?

Hofmann: Im Filmbereich haben sich alle überflüssigen Preise in den vergangenen 20 Jahren von selbst erledigt. Die wichtigen Preise gibt es noch.

Nico Hofmann:

Geboren: 1959 in Heidelberg

Ausbildung: Volontariat Mannheimer Morgen, Studium Hochschule für Fernsehen und Film in München

Stationen:

Regie (Auswahl): Balko, Tatort – Mord im Häcksler, Der Sandmann, Solo für Klarinette

Produzent (Auswahl): Der Tunnel, Stauffenberg, Dresden, Die Flucht, Die Sturmflut, Der Turm, Bornholmer Straße, Der Fall Jakob von Metzler, Unsere Mütter, unsere Väter, Deutschland83, Nackt unter Wölfen, Ich bin dann mal weg, Der Medicus, Der Junge muss an die frische Luft, Ku’damm, Charité

Gemeinsam mit Bernd Eichinger Initiator des Nachwuchspreises First Steps

Mitbegründer der Produktionsfirme Teamworx (heute UFA Fiction)

Autor des Buchs „Mehr Haltung, bitte!“

Jetzige Tätigkeiten:

CEO der UFA-Gruppe (seit 2015)

Professor an der Filmakademie Baden-Württemberg (seit 1995)

Intendant Nibelungenfestspiele Worms (seit 2015)

Auszeichnungen (Auswahl): mehrfach Adolf-Grimme-Preis, Bayerischer Fernsehpreis, Deutscher Fernsehpreis, BAMBI, Goldene Kamera, Deutscher Filmpreis, International Emmy Award.


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