Tagungshotellerie


Konjunkturumfrage

Das Gastgewerbe wird es schwerer haben

Nach vielen guten Jahren schwächelt Deutschlands Wirtschaft. Noch spüren Hotels und Gaststätten fast nichts davon. Aber das könnte sich ändern. Ein Krisen-Szenario ist allerdings nicht in Sicht.

Die goldenen Zeiten für Hotels neigen sich dem Ende entgegen - Grund zur Panik besteht jedoch nichtDie goldenen Zeiten für Hotels neigen sich dem Ende entgegen - Grund zur Panik besteht jedoch nicht

STUTTGART. Die aktuellen Veröffentlichungen der Wirtschaftsanalysten DIW, GfK und Ifo-Institut sehen eine beträchtliche Eintrübung der Konjunktur. So sinkt das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Juli weiter spürbar, auf nunmehr nur noch 90 Punkte – den tiefsten Stand seit gut sechseinhalb Jahren.

Für das laufende dritte Quartal erwartet das DIW einen Rückgang der hiesigen Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung in der deutschen Wirtschaft abbildet, ist auf 95,7 Zähler und damit den tiefsten Stand seit 2013 gefallen. Insbesondere in verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindikator laut Ifo-Präsident Clemens Fuest im freien Fall und mit einer Besserung der Lage sei vorerst nicht zu rechnen.

Die AHGZ hat acht Branchenprofis befragt

Auch die neueste GfK-Konsumklimastudie zeigt ein weniger optimistischeres Bild. Die Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Konjunkturerwartungen haben sich im Juli wieder zerschlagen. Der Indikator verliert 6,1 Punkte und rutscht mit -3,7 Zählern erstmals seit März 2016 unter seinen langjährigen Durchschnittswert von null Punkten.

Alle drei Institute kommen zum Schluss, dass der Handelskonflikt mit den USA, anhaltende Brexit-Diskussionen sowie die globale Abkühlung der Konjunktur die Rezessionsängste weiter ansteigen lassen. Vor allem Beschäftigte in den stark exportorientierten Branchen, wie zum Beispiel der Automobilindustrie und deren Zulieferbetrieben sind in erster Linie betroffen. Das DIW stellt fest, dass sich die Flaute in der Industrie zusehends festsetzt und mittlerweile gar auf die gesamte deutsche Wirtschaft ausstrahlt. „Die Auftragslage verschlechtert sich, die Verbraucherinnen und Verbraucher werden skeptischer und selbst der bislang so robuste Arbeitsmarkt verliert an Fahrt – keine guten Aussichten für das laufende Quartal“, konstatiert DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Einen dramatischen Einbruch erwartet keiner

Dass diese schwieriger werdende Lage auch Deutschlands Hospitalitybranche zu spüren bekommen wird, darüber sind sich von der AHGZ befragte Branchenprofis weitgehend einig. Einen dramatischen Einbruch erwartet jedoch keiner. Dazu sei die Branche nach zehn Rekordjahren zu gut aufgestellt. Allerdings sei es wichtig, wachsam zu sein, um  gegebenenfalls schnell reagieren zu können.

So wie Jörg Grede, Direktor im 4-Sterne-Waldhotel Stuttgart, einer Region, die geprägt ist von der Automobilindustrie und ihren Zulieferen, wo es derzeit signifikante Rückgänge gibt. Grede stellt fest: "Wir merken, dass die Automobilbranche ihre Sparprogramme in Gang gesetzt hat. Wir erhalten aus diesem Sektor inklusiver dazugehöriger Zulieferindustrie weniger Anfragen. Wir sind was Belegung und Umsatz betrifft, etwas besser als das Vorjahr, aber wir sind sehr wachsam und weiten unsere Vertriebsaktivitäten auf andere Branchen aus. Sicherlich werden die Sparmaßnahmen in der Automobilindustrie auch 2020 noch anhalten. Aufgrund der guten Messekonstellation im nächsten Jahr gehen wir von einem kleinen Umsatzplus gegenüber diesem Jahr aus."

Einer der besten Kenner des deutschen Hotelmarkts ist die Münchner Treugast Solutions Group. Ihr Geschäftsführender Partner Michael Lidl kommt auf Anfrage der AHGZ zu folgendem Schluss: "Wir bewegen uns nach zehn Rekordjahren in Folge auf einem sehr hohen Niveau. Die aktuellen Wirtschaftsdaten dienen als Frühindikatoren und werden auch entsprechenden Einfluss auf das Gastgewerbe haben. Klar ist: Die Jahre der starken Wachstumsraten sind vorbei. Treugast erwartet zwar weiterhin deutschlandweit Wachstum, dies wird jedoch von deutlich geringeren Steigerungsraten gekennzeichnet sein. Vereinzelt wird es auch zu Rückgängen kommen, insbesondere auf Märkten, in denen das Angebot innerhalb der nächsten drei Jahre um mehr als 30 Prozent wächst. Städte wie Hamburg oder Heidelberg zeigen dies bereits in den Performance-Daten, weitere Städte wie Düsseldorf, Freiburg oder Regensburg werden folgen. Für gut am Markt eingeführte, zeitgemäße Betriebe besteht dennoch kein Grund zur Sorge. Allerdings werden diejenigen Betriebe, die mit weiterhin hohen Wachstumsraten gerechnet haben oder Betriebe, die die letzten zehn guten Jahre nicht für Investitionen genutzt haben, in den nächsten fünf Jahren zu kämpfen haben."

Insgesamt befinde sich die Konjunktur nicht im freien Fall und dieTreugast sehe in der aktuellen Marktentwicklung auch kein Krisen-Szenario, so Lidl. "Aber anders als noch in den vergangenen zehn Jahren wird in den nächsten fünf Jahren nicht alles Gold sein, was glänzt", fügt er hinzu.

Ähnlich analysiert Ringhotels-Geschäftsführerin Susanne Weiss die Situation. Die erfahrene Hotellerie-Expertin verweist darauf, dass sich das jetzige Szenario bereits vor mehr als einem Jahr abzeichgezeichnet habe. Schon beim Deutschen Hotelkongress der AHGZ im Januar dieses Jahres habe sie darauf hingewiesen.

Mit Michael Lidl ist sie sich einig darüber, dass "diejenigen Hoteliers und Gastronomen, die die extrem lange gute Entwicklung genutzt haben, um zu investieren und sich – auch hinsichtlich der Finanzierung – fit für die Zukunft aufzustellen, keine größeren Probleme bekommen werden."

Allerdings mache sie sich Sorgen um die Hoteliers und Gastronomen, die in den vergangenen zehn Jahren einen Betrieb übernommen und noch nie eine Krise erlebt haben. "Das wird eine vermutlich etwas schmerzhafte Lernkurve", so Weiss.

Und sie fügt hinzu: "Firmen reagieren auf Konjunkturrückgänge häufig mit Einsparungen, besonders im Bereich Geschäftsreisen und Tagungen/Seminare. Hotels, die hier ihr Hauptgeschäft haben, werden, ähnlich wie 2008/2009, zum Teil mit stärkeren Einbrüchen rechnen müssen."  Der private Konsum werde sich dem mit einer Zeitverzögerung anpassen, hier insbesondere bei Familienfeiern. Dies werde jedoch deutlich geringer ausfallen als im Bereich Business Travel.

Susanne Weiss' Fazit: "Das alles ist kein Grund zur übermäßigen Sorge, das Ganze ist eine normale konjunkturelle Entwicklung, die es immer wieder gibt – wir hatten nur eben lange Zeit keinen Rückgang."

Auch David Etmenan, Chief Executive Officer & Owner der in den vergangenen Jahren stark gewachsenen Hotelgruppe Novum Hospitality, sieht keine wirkliche Krise kommen. Er verweist für 2018 auf ein Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent, und er strebt auch für 2019 erneut eiin zweistelliges Wachstum an. Treiber dafür seien unter anderem rund elf geplante Hotelneueröffnungen der Marke The Niu. Etmenan weiter: "Durch die breite Aufstellung unseres Portfolios und die Ansprache verschiedener Zielgruppen wird es uns auch zukünftig möglich sein, Hotelangebote auf die Bedürfnisse potenzieller Gäste abzustimmen, um relevante und wettbewerbsfähige Optionen zu bewahren und weiter auszubauen. Trotz der düsteren Prognosen sind wir also guter Dinge und blicken möglichen Herausforderungen zuversichtlich entgegen."

Gut gerüstet für kommende Herausforderungen sieht Thomas Willms, CEO der Steigenberger-Mutter Deutsche Hospitality sein Unternehmen:

„Wir denken, dass es in der Zukunft immer wichtiger sein wird, dass sich Hoteliers in ihrem Angebot breit aufstellen. So hat die Deutsche Hospitality in den vergangenen Jahren ihr Portfolio um die Marken Maxx by Steigenberger und den Erwerb der Mehrheit an der skandinavischen Economy-Brand Zleep erweitert, um alle Kundensegmente zu bedienen. „

„Auch wenn wir in den kommenden Monaten und Jahren stark wachsen wollen, steht für die Deutsche Hospitality die langfristige Renditesicherung immer vor dem kurzfristigen vermeintlichen Gewinn. Dieses kaufmännische Handeln hat das Jahr 2018 zum erfolgreichsten Jahr in der Geschichte des Unternehmens gemacht.“

„Sicherlich gibt es derzeit eine großen Zuwachs an Hotels, dessen Belegung nicht mehr alleine aus den innerdeutschen Markt, dem europäischen Ausland oder den USA bedient werden kann. Wachstumsgaranten sind aber der chinesische und der indische Markt. Dort verfügen erst ein Bruchteil der Menschen über einen Reisepass, eine Tatsache, die sich derzeit rapide ändert. Mittel- und langfristig werden diese beiden Quellen- und Zielmärkte unsere Branche komplett verändern, weil die Bedürfnisse von chinesischen und indischen Touristen nicht deckungsgleich mit europäischen oder amerikanischen Gewohnheiten sind.“

Bei den drei von der AHGZ befragten großen gastronomischen Playern Block House, Broich und Kuffler ist laut Aussage ihrer Chefs derzeit (noch) nichts von einer Verschlechterung zu spüren. Sebastian Kuffler, Geschäftsführer der Münchner Kuffler GmbH sagt:

„Derzeit macht sich eine Konjunkturflaute bei uns noch nicht bemerkbar. Aber natürlich sind wir wachsam – bei all den Nachrichten etwa aus der Automobil- oder Bankenbranche ist das nur klug. Wir haben die Kosten im Blick, wir pflegen unsere zahlreichen Stammgäste, auf die wir uns gottlob verlassen können, wir versuchen weiterhin, mit guten Konzepten und hoher Qualität zu punkten. Wir haben in den vergangenen Jahren umfangreiche Projekte abgeschlossen, insofern stehen keine großen Investitionen an."

Und Sebastian Kuffler fügt noch einen weiteren Aspekt hinzu: Im Zusammenhang mit dem Thema einer sich abflachenden Konjunktur würde er sich als Hotelier und Gastronom mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitpolitik wünschen. Wenn beispielsweise  mit Arbeitszeitkonten gearbeitet werden könnte, würde ihm das die Arbeit erleichtern. "Vor allem, da wir in unserem Hotel München Palace eine steigende Kurzfristigkeit im Buchungsverhalten der Gäste bemerken, und diese Tendenz wird sich bei mäßiger Konjunktur eher verstärken", so Kuffler weiter.

Burkhard Schmitz, Geschäftsführender Gesellschafter der Broich Premium Catering GmbH in Düsseldorf, stellt fest:

"Es gibt derzeit eine ganze Reihe von Unsicherheiten, welche starken Einfluss auf die Weltwirtschaft nehmen können, wie etwa der Brexit, Handelsstreitigkeiten und anderes mehr. Wir spüren derzeit noch keine direkten Auswirkungen auf unser Geschäft, aber wir sind darauf vorbereitet, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können."

Und Stephan von Bülow, Vorsitzender der Geschäftsführung der Eugen Block Holding, hat sich folgendermaßen geäußert:

„Die Gastronomie ist ein Seismograph für konjunkturelle Entwicklungen. Auswirkungen sind immer sofort spürbar. Die Geschäfte an unseren Block House Standorten sind nach wie vor stabil. Das lässt uns weiter positiv in die Zukunft schauen.“


Möchten Sie auf ahgz.de zukünftig alle Inhalte unbegrenzt nutzen?Jetzt informieren!Nicht jetzt

Sie sind bereits Abonnent?Hinterlegen Sie hier Ihre Auftragsnummer!