Konzepte

Cocktails zum Mitnehmen sollen die Bar retten

Benji Blomenhofer und Jonas Hald bieten ihre Kreationen in Glasflaschen an. Gleichzeitig haben sie ein Pfandsystem installiert.

Setzt auf Drinks in Flaschen: Benji Blomenhofer Setzt auf Drinks in Flaschen: Benji Blomenhofer

STUTTGART. Restaurants trifft die Coronakrise hart, Bars trifft sie noch härter, denn anders als Speiselokale dürfen sie vorerst nicht öffnen. Umso gefragter sind Konzepte und Ideen, mit denen sich wenigstens ein Teil des üblichen Umsatzes erwirtschaften lässt.

Ein gutes Beispiel liefert die Tin Tin Bar in Stuttgart, hinter der Benji Blomenhofer und Jonas Hald stehen. Gepflegte Drinks mit selbstgemachten Zutaten und ausgewählte Spirituosen stehen normalerweise auf der Karte, dazu ein kleines Snackangebot. Wer ins Lokal will, muss klingeln.

Melissen dissen und Rhabarberbarbara

Doch nun ist alles anders: Seit Corona ist die Bar geschlossen, das Betreiberduo hat sein Angebot auf Take-away umgestellt, mittlerweile unterstützt von einem eigenen Webshop. Bestellen kann man Drinks mit Namen wie Melissen dissen, Rhabarberbarbara und Goosy & even more Lucy - abgefüllt in schlanken Flaschen mit einem Korken verschlossen. Täglich zwischen 17 und 19 Uhr können sie abgeholt werden – im gleichen Zeitraum werden größere Bestellungen auch ausgeliefert. 

Rund 1000 Flaschen mit Cocktails sind in den letzten vier Wochen befüllt und verkauft worden. "Der eigentliche Antrieb, den Service einzurichten, war dem Umstand geschuldet, dass die selbstgemachten Zutaten einen Shutdown von mehreren Monaten nicht überdauern. Weil sie keine Konservierungsmittel enthalten, verderben sie schneller als herkömmliche Ware und der Verlust wäre groß. Verloren wären Wareneinsatz, Arbeitszeit und alle Mühe", so Benji Blomenhofer.

Keine Soforthilfe, keine Unterstützung

Seine Bilanz lautet wie folgt: "An zehn Stunden pro Tag und sieben Tagen in der Woche schaffen wir rund 50 Prozent unseres Barumsatzes. Unser Drink Melissen dissen beispielsweise kostet in der Bar 12 Euro, nun verkaufen wir die fünffache Menge für 20 Euro. Wir müssen nun natürlich mehr auf die Masse gehen", zumal die Tin Tin Bar durchs Soforthilfe-Raster fiel und keine staatliche Unterstützung bekam. 

Die Drinks in To-go-Plastikbecher oder-flaschen abzufüllen, kam von Anfang an nicht in Frage. In der Bar wird auf alles, was zusätzlichen Müll verursacht, so gut es geht verzichtet. Deshalb wurde bereits zum Start der Bar im Herbst 2018 eine ganze Palette Glasflaschen geordert – gedacht für alkoholische Geschenke oder Mitbringsel.

Damit haben Benji Blomenhofer und Jonas Hald ein Pfandsystem eingerichtet. Die Kunden  können nun ihre leeren Flaschen zurückbringen und erhalten beim Abholen der nächsten Order 50 Cent zurück. Wer seine eigene Flasche mitbringt, erhält ebenfalls 0,50 Euro Nachlass auf seine Bestellung. Möglich macht es eine Spülmaschine von Meiko, die 16 Flaschen in zwei Minuten bei rund 70 Grad reinigt - mit virenfreiem Ergebnis.


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