Kempinski


Luxushotellerie

Wer wird Chef bei Kempinski?

Mitte März wurde bekannt, dass CEO Markus Semer und sein Stellvertreter Colin Lubbe Kempinski verlassen. Wer wird Nachfolger? Die AHGZ spekuliert.

Das Gran Hotel Kempinski Manzana La Habana in der Altstadt von Havanna ist das erste Kempinski auf Kuba Das Gran Hotel Kempinski Manzana La Habana in der Altstadt von Havanna ist das erste Kempinski auf Kuba

BERLIN. Vor knapp zwei Jahren sah es nach Aufbruchstimmung bei der traditionsreichen Luxuskette Kempinski aus. CEO Markus Semer eröffnete Mitte 2017 das exklusive Gran Hotel Manzana Kempinski La Habana in der kubanischen Hauptstadt. Nachdem unter US-Präsident Barack Obama Tauwetter in den vereisten Beziehungen zwischen der Karibikinsel und der Supermacht eingesetzt hatte, gab es Aussichten auf mehr Tourismus. Kempinski ergriff die Chance und unterzeichnete einen Managementvertrag über das 246-Zimmer-Haus mit der Grupo de Turismo Gaviota SA. „Damit sind wir auch in Kuba wegweisend unterwegs“, sagte Semer damals stolz. Sogar der Spiegel berichtete über das „erste Luxushotel“ der neueren Zeit in Havanna.

Heutzutage hat die älteste Luxus-Hotelkette Europas unter ihrer Flagge 78 Hotels und Residenzen der Kategorie 5 Sterne in 34 Ländern, aber es gibt wieder einmal negative Schlagzeilen. Kempinski befindet sich in einer handfesten Führungskrise, seit Mitte März in zwei kurz aufeinanderfolgenden Mitteilungen kommuniziert wurde, dass der erst 2016 ins Amt gekommene CEO Semer und sein Stellvertreter Colin Lubbe Kempinski verlassen werden. Die Nachricht über den Abgang der beiden Top-Führungskräfte war schon Tage zuvor bei der ITB in Berlin gehandelt worden, aber es dauerte wohl einige Tage, bis die passenden Trennungsformulierungen gefunden wurden.

Wann wird die Nachfolgeregelung bekannt?

Wer die Nachfolge antritt, ist bis heute unklar. „Für die Frage ist es noch zu früh, da die beiden Herren ja erst mal noch bis Sommer da sind und dann werden wir vielleicht mehr wissen“, erklärt PR-Director Eva-Maria Panzer. Das 1897 gegründete Unternehmen mit Headoffice in Genf gehört nach dem Wechsel vom thailändischen Königshaus inzwischen mehrheitlich den Scheichs von Bahrain. Dort - und bei den thailändischen Finanziers - wird wohl die Personalentscheidung fallen.

Welche Aufgaben warten auf die neue Kempinski-Spitze? Der Wettbewerb im Luxussegment ist hart, Accor erwarb vor einiger Zeit Fairmont und Raffles, IHG kaufte die Luxusmarke Six Senses, selbst Best Western engagiert sich mit der Übernahme von Worldhotels im oberen Segment. Marriott und Accorhotels haben gigantische Loyalty-Programme aufgelegt, denen die Kleinen nicht folgen können. Die Konkurrenten von Kempinski haben tausende Hotels, nicht Dutzende.

Ende 2017 wurde bekannt, dass sich das einstige Berliner Stammhaus der Gruppe, das Bristol Hotel, von Kempinski trennt. Danach kamen die drei Häuser der Broermann Hotels & Resorts abhanden, darunter das Atlantic in Hamburg. Ausgerechnet der in Ungnade gefallene frühere CEO Reto Wittwer übernahm mit seiner Firma Smart Hospitality Solution das Kempinski-Hotel Ajman seines früheren Arbeitgebers in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Kempinski darf keine weiteren Häuser verlieren

Der künftige Chef muss diesen Trend umkehren, die Kempinski-Präsenz ausbauen und die Unternehmensstrategie umsetzen, die lautet: „Jeder einzelne Aspekt der Marke Kempinski ist auf Gäste ausgerichtet, die Exzellenz erwarten und Individualität zu schätzen wissen.“ Unabdingbar ist, dass er mit dem Eigentümer am Persischen Golf zurechtkommt und vor allem auch mit den Inhabern der Hotelimmobilien. Das ist kein einfaches Geschäft, Kempinski setzt weitgehend auf Managementverträge. Es wäre keine gute Werbung, wenn sich weitere Hoteleigentümer nach neuen Betreibern umsehen würden.

Immerhin soll das Kempinski auf Kuba weiterhin gut laufen. „Natürlich haben die verschärften Sanktionen und Reiserestriktionen der USA auf Kuba einen negativen Einfluss auf die generelle Anfrage“, erklärt Executive Assistant Manager Alessandro Benedetti. „Es stellt das Hotel aber nicht vor schwerwiegende Probleme, da wir stark auch auf andere potenzielle Märkte hinarbeiten, wie Lateinamerika, Australien, China, Russland oder den Mittlerer Osten, wo wir einen Anstieg an Gästeanreisen erkennen können.“

Aber wie geht es Kempinski insgesamt? Dazu erklärt PR-Chefin Panzer: „Als nicht kotiertes Unternehmen kommunizieren wir keine Zahlen zu Umsatz, Gewinn oder Belegung. Wie Sie allerdings unserer letzten Pressemitteilung entnehmen konnten und wie vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Kempinski AG, H.E. Abdulla Saif, betont, ist es Kempinski unter der Führung unseres Vorstands gelungen, 2018 nicht nur die strategischen und operativen Qualitätsziele zu erreichen, sondern auch neue Verträge und Vertragsverlängerungen zu unterzeichnen und das gesetzte Finanz-Budget für das Jahr sogar zu übertreffen.“

Über andere Häuser gibt es Spekulationen. Der GM des Grand Hotels Kempinski in Genf, Thierry Lavalley, räumt Probleme ein: „Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden und haben unsere Ziele knapp erreicht. In Genf befinden wir uns allerdings in einem schwierigen Marktumfeld, da die Zahl der ankommenden Touristen stagniert.“ Dagegen sieht Martin Cramer, GM von Emirates Palace, einem der Flaggschiffe, die Lage positiv: „Bis jetzt läuft das Jahr 2019 fantastisch. Was die Zahlen anbelangt, konnten wir unseren Gewinn im ersten Quartal substanziell erhöhen. Der RevPar ist einer der Höchsten seit der Eröffnung des Hotels im Jahr 2005.“ Unbeantwortet bleibt die Frage nach dem gerade eröffneten Hotel auf der Palme in Dubai.

Warum die Führungskrise, wenn alles so gut läuft?

Diese Drei kämen für die Nachfolge in Frage

Angesichts des Wettbewerbs wäre es wichtig, die Positionen des CEO und des Finanzvorstands schnell zu besetzen. Hier spekuliert die AHGZ über die Nachfolge und stellt drei Kandidaten vor, die für den Posten in Frage kämen:

- Der Dorint-Aufsichtsratsvorsitzende Martin R. Smura, der international bestens vernetzt ist.

- Der langjährige Senior Vice President Europe von Kempinski und heutige Chef von Vienna House, Rupert Simoner.

- Und Carsten K. Rath, der im Buch „Der Tag der Entscheidung“ seine Zeit als stellvertretender Hoteldirektor des Adlon Kempinski Berlin als Höhepunkt seiner Karriere beschrieb. „Wenn ich Fehler in Karriereplanung gemacht habe, dann dass ich zu früh aus dem Adlon weggegangen bin.“

Martin R. Smura

Die Welt schrieb einmal über seine Karriere: „Vom Schulversager zum Hotelpräsidenten.“ Smura kann sich durchsetzen, blickt auf eine 15 Jahre lange Karriere bei der Intercontinental Hotels Group zurück, war auf fünf Kontinenten in Führungspositionen vertreten. Er hält neben Dorint auch andere Aufsichtsratsmandate, war Vorsitzender des Verwaltungsrates der Adlon Holding. Smura ist international geprägt, hat einen Abschluss der Cornell University New York und einen MBA der California State Hayward University in San Francisco. Von der neu gegründeten Hotelgruppe Castlewood in Heidelberg gehören Smura vier Hotels selbst.

#BL5#

Fazit: Martin Smura wäre sicher eine überraschende Wahl. Doch sein Netzwerk reicht bis nach China und hier wird spekuliert, dass die Bahrainis immer noch die Idee verfolgen könnten, ihre Gruppe nach China zu verkaufen. Sicher kennt er aus seiner Jagdfeld-Zeit noch die politischen Bestrebungen und könnte hier auf der Owner-Seite viele Details schnell bewegen.

Carsten K. Rath

Früher ein Hardliner, heute eher ein Schöngeist. Rath hat eine emotionale Verbindung zu Kempinski, wo er zehn Jahre war, machte seine Karriere unter Reto Wittwer, wurde nach seinen Führungspositionen im Kempinski Peking, im Kempinski Taschenbergpalais in Dresden und im Adlon schließlich General Manager im The Bentley Kempinski in London. Dort blieb er allerdings nur, bis der Anruf von Horst Schulze kam, dem Gründer von Ritz-Carlton und wurde dann GM in Florida. Inzwischen hat sich Rath nach zahlreichen CEO-Positionen etwa bei der Arabella Hotel Holding mit damals 44 Hotels, beim Robinson Club und bei Kameha Grand als Autor und Speaker einen Namen gemacht und ist bestens vernetzt.

#BL4#

Fazit: Seine Leidenschaft, sein weltweites Netzwerk und seine Weitsicht sind sicher Pluspunkte. Aber ist er überhaupt noch einmal gewillt, in die Corporate Welt zurückzukehren und seine Unabhängigkeit aufzugeben?

Rupert Simoner

Bei Kempinski galt er als einer der Ziehsöhne von Reto Wittwer. Seit 2014 lenkt er die Geschicke der aufstrebenden Kette Vienna House und hat die Expansion vorangebracht. Die größte österreichische Hotelgruppe, die allerdings nicht im Top- Luxussegment unterwegs ist, besitzt und betreibt mehr als 30 Hotels mit dem Schwerpunkt auf Geschäfts- und Stadthotels in Europa. 2017 wurde das Unternehmen an den thailändischen Immobilienentwickler und Investor U City PCL verkauft. Seither sind Resorts in Südostasien neu hinzugekommen (U Hotels & Resorts sowie Eastin Hotels).

#BL2#

Fazit: Sein Netzwerk würde ihm innerhalb der Organisation sicher einen guten Start ebnen, einige Baustellen ließen sich damit schnell beseitigen. Aber Simoner hat sich bei Vienna House noch viel vorgenommen. Ist er in der Lage, das schwergewichtige Unternehmen mit einem Marktwert von 600 bis 750 Mio. Euro in eine gute Zukunft zu führen?

Wird es tatsächlich einer von diesen Drei? Noch ist nichts ganz fix. Unwahrscheinlich erscheint jedenfalls, dass Reto Wittwer zurückkommen wird, der allerdings immer noch zahlreiche Fans im Unternehmen hat. Und jemanden wie Frank Marrenbach, den Chef der Oetker Collection mit den quer über den Erdball verteilten Hotelperlen, kann man sich nur wünschen. Er wäre eine herausragende Besetzung, steht aber nicht zur Verfügung.Und was hat in diesem Zusammenhang der Rücktritt von Olivier Harnisch als CEO von Emaar Hospitality in Dubai zu bedeuten?

Bei Kempinksi knallt es regelmäßig

Viele Mitarbeiter hoffen nun, dass der Führungswechsel diesmal leichter über die Bühne geht. Denn bei Kempinski knallt es regelmäßig. Absoluter Luxus, einzigartige Destinationen und Botschafterinnen im edlen, roten Kleid sind nur eine Seite. Von 2015 bis 2016 gab es eine Schlammschlacht um den langjährigen Präsidenten Wittwer mit Korruptionsvorwürfen, Klage, Gegenklage, Auswechslung der Vorstands- und Aufsichtsratschefs sowie der Rehabilitation von Wittwer. Und wie so oft gibt es die Hoffnung, dass der Neue ein gestandener Hotelier ist, kein Controller. Denn Kempinski braucht den Fokus auf Qualität, Mitarbeiter und auf die Grandezza, mit der das Unternehmen in den 1990er- und 2000er-Jahren so glänzend am Markt positioniert war.

#BL3#

Zu den Querelen um seine Person sagte Reto Wittwer später im AHGZ-Interview: „Niemand kann mir wegnehmen, dass ich aus einer bankrotten Firma ein respektables Unternehmen gemacht habe. Zusammen mit Ulrich Eckhardt haben wir bei Kempinski aus elf Hotels ohne Geld eine wichtige Firma mit jetzt rund 70 Hotels aufgebaut. Ich habe mit der Unternehmensspitze 17 Jahre gut zusammengearbeitet. Aber irgendwann kam der Bruch und einige Führungsleute wollten mich zerstören. Dazu sollte mein berufliches Lebenswerk diskreditiert werden, doch die Vorwürfe brachen wie ein Kartenhaus zusammen.“

Übrigens: Mein Tipp lautet, Martin R. Smura ist in der engeren Wahl.

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