Im Gespräch


Im Gespräch: Ramona Kötting

„Meine Mission - Freiheit und gute Stimmung“

Die 34-Jährige leitet seit rund eineinhalb Jahren gemeinsam mit Bruno Neuberger das erste Bikini Island & Mountain Hotel in Port de Sóller auf Mallorca. I

Ramona Kötting: Früher hat man nicht immer nachhaltig mit Personal gewirtschaftetRamona Kötting: Früher hat man nicht immer nachhaltig mit Personal gewirtschaftet

Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen, heißt es ja so schön. Wie ist das hier?

Ich habe bestimmt den schönsten Arbeitsplatz, mit Meerblick und Sonnenschein. Das ist sehr motivierend, auch für die Mitarbeiter, die stolz darauf sind, dass die Gäste das Hotel so schön finden.

Wie bist Du Managerin der neuen Leisure-Marke der 25hours-Gründer geworden?

Ich war fast vier Jahre lang bei 25hours als Training Manager, habe dort nach neuen Wegen in der Mitarbeiterentwicklung gesucht. Dann hatte ich ein längeres Gespräch mit dem Managing Partner von Bikini Islands & Mountain Hotels, Christian Zenka, in der Bullerei. Ich dachte, ich solle ein paar Trainings auf Mallorca machen und habe dann am Ende erfahren, dass ich Hoteldirektorin werden soll und dass ich mit meinem Partner Bruno Neuberger eine Doppelspitze bilden kann. Beim ersten Besuch hier habe ich mich schockverliebt, da war die Vertragsunterschrift nur noch Formsache.

Du hast nach dem Abitur Hotelfachfrau im Dorint Strandhotel & Resort im Ostseebad Wustrow gelernt und danach dort als Direktionssekretätin angefangen. Warum hast Du dich für die Hotellerie entschieden?

Ich war gut in der Schule, hatte aber nicht das eine herausstechende Fach. Mir haben immer drei Dinge Spaß gemacht: Menschen, Reisen, Sprachen. Und ich war schon immer fasziniert von Hotels, dem Miteinander an fremden Orten. Mit meinem Beruf steht einem die Welt offen. Ich dachte, wenn ich das mache, kann ich mir die schönsten Orte zum Arbeiten aussuchen. Das hat bisher super geklappt (lacht). Und inzwischen sehe ich auch die Sicherheit des Berufs, der niemals aussterben wird, weil es immer eine Form von Hotels geben wird. Aber mit Anfang 20 war es ganz schön taff, als Direktionsassistentin die Dienstpläne der älteren Kollegen zu kontrollieren und sogar auch Fehler zu finden. Insgesamt war es eine super Schule.

Danach gab‘s ein Management-Trainee beim Dorint Royal Golfresort & Spa Camp de Mar auf Mallorca.

Dort war ich der Schattenmitarbeiter von jedem Abteilungsleiter, da lernt man eine Menge. Ich hatte einen super Hoteldirektor, der mir das ermöglicht hat.

Du bist aber dennoch von Dorint weggegangen, erstmal ins A-Rosa nach Kitzbühel.

Ich war 23, war noch nicht fertig und musste noch mehr ausprobieren. Ich bin glücklich, dass ich so viele verschiedene Hotelgruppen kennengelernt habe.

Dann kam das Kanuhura Island Resort & Spa auf den Malediven.

Als ich drei Monate in Thailand auf Reisen war, hat mein damaliger Chef bei A-Rosa die Telefonnummer meiner Mutter herausgefunden, um mich zu fragen, ob ich mit ihm als Guest Relation Manager auf die Malediven gehen wolle. Es war eine richtig internationale Station mit 13 Nationalitäten allein in meinem Team.

Danach hast Du studiert und zwar International Business an der FH Köln.

Ich wollte dabei meine nächsten Schritte herausfinden. Ich konnte in China, Köln und Italien studieren, das war wunderbar, auch wenn ich in Rom zehn Kilo zugenommen habe, aber jedes einzelne war es wert (lacht). Mit dem Studium war ich breiter aufgestellt, habe aber schnell gemerkt, dass ich dauernd an die Hotellerie denke und dort weitermachen möchte.

Ein längerer Abschnitt war Trainings-Manager bei 25hours.

Nach dem schnellen Aufbau von 25hours sollten Richtlinien für eine Service-Qualität gefunden werden. Das musste von Grund auf definiert werden, dabei habe ich mit Christoph Hoffmann zusammengearbeitet und verschiedenste Mitarbeiter- und auch Führungskräftetrainings entwickelt. Ich glaube, dass unsere Branche früher viel falsch gemacht hat, dass wir das nur gemeinsam wieder gut machen können. Auch 25hours hat nicht immer genügend Mitarbeiter gefunden und wir haben über andere Wege der Ansprache nachgedacht. So haben wir zusammen mit Christoph Klaiber von Nord Event und Patrick Rüther, der mit Tim Mälzer dessen Restaurants führt, Leute auf einem eigens dafür ins Leben gerufenen Event recruited, die vom Mindset her ähnlich sind, die gern essen, trinken, das Leben feiern. Da haben wir den 25hours-Slogan „come as you are“ gelebt, ohne Verkleidung wie bei einem normalen Bewerbungsgespräch, und wir haben viele interessante und selbstbewusste Leute kennengelernt und eingestellt.

Was müssen Arbeitgeber heutzutage bieten?

Transparenz ist wichtig, die Mitarbeiter einbeziehen. Sie müssen verstehen, um das Produkt mitzutragen. Auch eine faire Bezahlung gehört dazu. Früher hat man nicht immer nachhaltig mit Personal gewirtschaftet. In der Ausbildung etwa hat man oft wenig gelernt, musste aber viel arbeiten. Wertschätzung und Geduld sind weitere wichtige Faktoren.

Wie unterscheidet sich das Bikini von anderen Hotels auf Mallorca?

Wir sind bunter, haben die gypset Atmosphäre, die Mischung aus Gypsie und Jetset. Unsere Mission ist es, ein gutes Gefühl zu verbreiten mit einem einzigartigen Stil.

Das Hotel ist ein Saisonbetrieb und hat von März bis Mitte November geöffnet. Was machst du während der restlichen Zeit?

Wir räumen auf, renovieren, putzen. recruiten, – wir haben 83 Mitarbeiter – , erstellen Pläne und das Budget und natürlich Urlaub.

Wie kommt das Dreigestirn Haya Molcho mit ihrem Neni, Jörg Meyer mit diesmal der Donkey Bar und Armin Fischer mit Dreimeta Innendesign bei den Gästen an?

Wunderbar, die Gäste sind glücklich, das Publikum wird immer internationaler. Das Mindset ist keine Frage des Alters, viele sind super neugierig und schauen mal rein.

Du selbst warst in der Love & Peace-Ära Ende der 1960er- und 1970er-Jahre noch nicht geboren. Auch die Musik, die hier gespielt wird, entstand vor deiner Zeit. Ist das hier sehr historisch für dich?

Für mich steht die Zeit für Bewegung, Aufbruch, Freiheit, Lebensgefühl. Wir feiern nicht nur die damalige Zeit, sondern verbinden sie mit heute.

Was ist das meist fotografierte Detail im Hotel und wo klemmt es?

Die Blumen-Treppe ist Motiv Nummer eins, aber es wird alles fotografiert. Das Neni, die Terrasse, der Pool mit dem Peace-Zeichen. Probleme gibt’s manchmal mit den Liegen am Pool und den Handtüchern, die sie als belegt kennzeichnen. Da gibt es unterschiedliche Fraktionen, die sich gegenüberstehen und es ist nicht immer ein Vergnügen, wenn sie sich an der Rezeption treffen. Aber ich möchte ungern zu viel Regeln für unsere Gäste einführen, doch irgendwie müssen wir das optimieren.

Wie oft melden sich die Gäste an der Rezeption und wollen das Licht auf dem Balkon ausschalten, das aber automatisch gesteuert ist und nicht manuell bedient werden kann?

(lacht). Tatsächlich habe ich bei meiner ersten Nacht hier selbst angerufen…

Aber das ist Design.


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