Mindestlohn


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Markus Fränkle: "Mindestens 15 Euro sollten möglich sein"

Das Thema Bezahlung erhitzt die Gemüter - auch im Zusammenhang mit dem Image und dem Fachkräftemangel im Gastgewerbe. Auch andere Branchen stehen unter Druck. Wir haben uns umgehört.

Gesetzlicher Mindestlohn: Seit dem 1. Januar wurde er auf 9,35 Euro pro Stunde angehobenGesetzlicher Mindestlohn: Seit dem 1. Januar wurde er auf 9,35 Euro pro Stunde angehoben

STUTTGART. Die Entlohnung von Mitarbeitern, der Mangel an Fachkräften und das Image des Gastgewerbes sind Bereiche, die die Branche bewegen. In puncto Bezahlung haben bereits viele Gastronomen und Hoteliers reagiert und bezahlen mehr, als gesetzlich vorgeschrieben ist.

Jost Deitmar, Romantik Hotel Lindner: „Wir liegen mit 10,50 Euro bereits über dem gesetzlichen Mindestlohn. Aber ich bin dafür, den Mindestlohn für den Mitarbeiter deutlich spürbar anzuheben. Dazu ist ein Schulterschluss aller Hoteliers und Gastronomen erforderlich. Wir werden aber allein durch die Erhöhung des Mindestlohns um ein oder zwei Euro nicht den Fachkräftemangel beheben. Dazu müsste man den Mindestlohn schon verdoppeln.“

Kathrin Gollubits, 25hours: „Wir zahlen bereits jetzt allen festangestellten Mitarbeiter in Deutschland mindestens 10 Euro pro Stunde. Hinzu kommen Benefits: Seit diesem Jahr gibt es zum Beispiel die Bonuschance für alle. Das ist eine 25-prozentige Gewinnbeteiligung am Unternehmenserfolg bei Zielerreichung. Jeder Mitarbeiter, egal ob Azubi oder Abteilungsleiter, hat den gleichen Anspruch, weil auch jeder zum Erfolg beiträgt.“

Markus Fränkle, Der Blaue Reiter: „Eine übertarifliche Bezahlung schafft einen Anreiz für potenzielle Mitarbeiter. Für die flexible und leidenschaftliche Arbeit die unsere Mitarbeiter leisten, sollten mindestens 15 Euro möglich sein – dieser Weg wird nicht einfach, aber muss zwingend kommen. Der Gast wird sich in den nächsten Jahren auf massive Erhöhungen einstellen müssen, wenn er nicht will, dass die Branche am Service einspart.“ 

Manuela Halm, Dormero: „Wir zahlen unseren Festangestellten 10,98 Euro. Eine Bezahlung muss wirtschaftlich sein. Man muss ein Kostengefüge schaffen, das den Mitarbeitern auch während einer Krise den Arbeitsplatz erhält. Es bringt keinem etwas, wenn man Löhne zahlt, die in einem Jahr nicht mehr erwirtschaftbar sind. Eine Kostenkalkulation auf Boomjahre auszurichten, wird in einigen Jahren krachend scheitern.“

Michael Nemecek, prizeotel: „Es ist nicht förderlich für das Image der Branche, wenn diese sich immer im Schlussfeld der Gehaltstabellen wiederfindet. Finanzielle Not hemmt Motivation. Uns ist es wichtig, unseren Teammitgliedern eine angemessene Bezahlung zu geben, sodass sie ihre existenziellen Bedürfnisse befriedigen können. Künftig wollen wir alle Teammitglieder am Erfolg beteiligen. Wie das aussieht, werden wir 2020 bekannt geben.“

Alexander Aisenbrey, Der Öschberghof: „Es entspricht nicht der Wahrheit, dass das Gastgewerbe so schlecht zahlt. Schauen Sie sich unseren Tarifvertrag in Baden-Württemberg an: Bei uns bekommt ein ungelerntes Zimmermädchen im 1. Jahr 10,23 Euro zuzüglich Zusätze. Unsere Stammzimmermädchen sind bei 11,50 Euro und ein Stammservicemitarbeiter liegt bei 13,85 Euro. Eine angemessene Bezahlung muss selbstverständlich sein.“

David Depenau, Weissenhäuser Strand: „Unsere unternehmenseigene Regel lautet, dass kein Beschäftigter unter 10,30 Euro bezahlt wird, im Jahr 2020 steigt dies auf 10,55 Euro an. Hinzu kommt eine Vielzahl an Mitarbeitervorteilen: ein minutengenaues Zeiterfassungssystem, 50 Prozent Ermäßigung in unserer Gastronomie, kostenfreier Eintritt zu unseren Attraktionen, Mitarbeiterverpflegung, Hoga-Rente, Shuttle-Service ...“

Aldi und Lidl zahlen 12,50 Euro

Zunehmende Personalknappheit rückt die Bezahlung auch in anderen Branchen in den Fokus. Um konkurrenzfähig zu sein, geht auch der Lebensmitteleinzelhandel in die Offensive. Seit vergangenem Jahr zahlen die Discounter Aldi und Lidl ihren Angestellten einen unternehmenseigenen Mindestlohn von 12,50 Euro. Christoph Schink, zuständig für das Gastgewerbe bei der Gewerkschaft NGG, sieht daher die Hotellerie im Zugzwang: „Selbstverständlich konkurriert das Gastgewerbe mit anderen Branchen um Arbeitskräfte. Unser Anspruch ist es, dass Mindestlohn und die Arbeit beispielsweise in der Küche, im Service oder am Empfang nicht mehr in einem Atemzug genannt werden.“

Schink weiter: „Die Antwort kann hier nur eine vernünftige tarifliche Bezahlung sein. Wir haben uns gerade in der Systemgastronomie mit der Forderung nach einem Stundenlohn nicht unter 12 Euro auf den Weg gemacht. Im gesamten Gastgewerbe kommen wir an armutsfesten Löhnen nicht vorbei.“


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