Next Generation


Nachwuchstalent

Schwäbin im Höhenrausch

Jana Stöger, Jungköchin im Pier 51 in Stuttgart, hat beim S.Pellegrino Young Chef 2020 den Nachhaltigkeitspreis in der Region Zentraleuropa gewonnen. Ihr langfristiges Ziel: die Sterneküche.

Glücksmoment: Jana Stöger (Mitte) lässt sich von den Starköchen (von links) Konstantin Filippou, Iwona Niemczewska, Tristan Brandt, Tim Raue, Marcin Popielarz und Cornelia Poletto feiern.Glücksmoment: Jana Stöger (Mitte) lässt sich von den Starköchen (von links) Konstantin Filippou, Iwona Niemczewska, Tristan Brandt, Tim Raue, Marcin Popielarz und Cornelia Poletto feiern.

STUTTGART. Höhenluft durfte Jana Stöger bereits als Schulkind schnuppern. In den Ferien war die heute 20-Jährige meist bei ihren Großeltern im österreichischen Heiterwang zu Gast. „Mit meinem Opa sind wir oft Angeln gegangen. Bei meiner Oma habe ich gelernt, was deftige Küche ist“, erinnert sich Stöger, die in Schorndorf nahe Stuttgart aufgewachsen ist. 

Knödel mit Schweinsbraten oder Spätzle mit Linsen und Saiten – jahrelang dachte die junge Schwäbin, niemand könne in der Küche ihrer Großmutter Rose das Wasser reichen. Bis sie sich selbst an den Herd wagte. Ihre ersten Erfahrungen im Gastgewerbe sammelte Stöger im Oskar-Frech-Seebad in ihrer Heimatstadt Schorndorf. Nach Ende der Schullaufbahn entschied sich die junge Frau im Jahr 2015 für die Kochausbildung bei Rauschenberger Eventcatering in Stuttgart. Der erfolgreiche Abschluss ihrer Ausbildung garantierte ihr den Verbleib bei Rauschenberger.

Seit mehr als einem Jahr ist Stöger nun im Stuttgarter Restaurant Pier51 als Gardemanger tätig. Vor Ort traf sie auf Souschefin Vivien Volkmer, die beim S.Pellegrino Young Chef 2019 antrat. Auf Empfehlung von Küchenchef Philipp Di Mineo bewarb sich auch Stöger für den internationalen Kochwettbewerb. „Ich empfehle jemanden aus meinem Team, wenn ich in ihm etwas Besonderes sehe. Diese Person muss ein Können und Wollen über das Alltagsgeschäft hinaus mitbringen“, sagt Di Mineo.

Mit ihrem Signature Dish „As a child in Tirol“ („Als Kind in Tirol“), einer Hommage an ihre Kindheit, qualifizierte sich Stöger für die erste Wettbewerbsrunde, an der 135 Jungköche aus 50 Ländern teilnahmen. Das Gericht setzte sich aus drei Tellern zusammen: einem geräucherten Saibling auf Wacholderbeeren, einem Saibling-Tartar mit Radieschen und Gurken sowie einer Tiroler Gemüsekiste.

Kochgiganten wie Tim Raue und Cornelia Poletto in der Jury

Im September trat die 20-Jährige dann mit ihrem Signature Dish beim Regionalentscheid des S.Pellegrino Young Chef 2020 in Hamburg an. Auf dem Süllberg von Sternekoch Karlheinz Hauser versuchte sie, sich gegen acht Konkurrenten aus Zentraleuropa durchzusetzen. Die Kochgiganten Tim Raue, Tristan Brandt, Konstantin Filippou und Cornelia Poletto waren Teil des insgesamt sechsköpfigen Juryteams. „Als Tim Raue plötzlich in der Küche neben mir stand, habe ich nur gedacht: Bring mich bitte nicht aus meinem Konzept!“, erinnert sich Stöger.

Unbeeindruckt servierte sie am Ende des Wettbewerbstages den Juroren ihre Teller. „So gut wie in Hamburg ist mir das Gericht in der ganzen Vorbereitungsphase nicht gelungen. Es war perfekt“, berichtet die Jüngste im Teilnehmerfeld. Die Juroren sahen das ähnlich. „Konstantin Filippou meinte, mein Fisch sei auf 3-Sterne-Niveau gegart“, so Stöger. Unterm Strich reichte es jedoch nicht für den ersten Platz, den sicherte sich der Ungar Levente Koppány. Stattdessen nahm die Schwäbin voller Stolz einen Sonderpreis entgegen. Die Jury verlieh ihr den Nachhaltigkeitspreis „S.Pellegrino Award for Social Responsibility“, weil ihr Gericht auf regionalen Zutaten basierte. Im Mai 2020 fliegt die Schwäbin zum Finale des S.Pellegrino Young Chef nach Mailand. Dort hat sie noch die Chance den Nachhaltigkeitspreis auf globaler Ebene gegen elf weitere regionale Titelträger zu gewinnen.

Nachdem Stöger sich ihren ersten Titel erkocht hat, bleibt sie weiter ehrgeizig. Als langfristiges Ziel gibt sie aus, in der Sternegastronomie Fuß fassen zu wollen. „Die Sterneküche verbinde ich nicht mit negativem Druck. Wer in der Gastronomie arbeitet, muss schon etwas robuster sein, sonst ist er fehl am Platz“, sagt die Jungköchin mit tiefer Stimme und schwäbischem Dialekt.

Das ausführliche Porträt lesen Sie in einer der kommenden Ausgaben der AHGZ.


Möchten Sie auf ahgz.de zukünftig alle Inhalte unbegrenzt nutzen?Jetzt informieren!Nicht jetzt

Sie sind bereits Abonnent?Hinterlegen Sie hier Ihre Auftragsnummer!