Österreichischer Hotelkongress

Hotellerie und Tourismus: Inszenierung ist alles

Beim österreichischen Hotelkongress geht es um Storytelling und Authentizität. Zum Auftakt standen politische Themen im Mittelpunkt.

Macht Druck beim Thema Digitalisierung: ÖHV-Präsidentin Michaela ReittererMacht Druck beim Thema Digitalisierung: ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer

BREGENZ. Inszenierung und Authentizität sind kein Widerspruch. Das war Konsens beim Auftakt des österreichischen Hotelkongresses am Sonntagabend in Bregenz. „Gute Inszenierung ist authentisch“, meint die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer dazu. „Urlaub ist Erlebnis, das Hotel die Bühne und Inszenierung die große Kunst.“ Dazu gehörten auch Architektur, Küche und Service.

Reitterer forderte zum Auftakt des Kongresses vehement einen Breitbandausbau. Dies sei Voraussetzung für eine funktionierende Hotellerie im Zeitalter der Digitalisierung. Derzeit gebe es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Stadt und ländlichem Raum, beklagte Reitterer. „Der Breitbandausbau wird für ein zukunftsfähiges 21. Jahrhundert unumgänglich sein.“ Hier setzen die Hoteliers große Hoffnungen auf die neue österreichische Regierung. Während das Thema Tourismus in Zeiten der früheren rot-schwarzen Koalition nur drei Zeilen im Regierungsprogramm eingenommen habe, seien es bei der Vorgängerregierung schon drei Seiten gewesen und jetzt sieben Seiten, erklärte Reitterer. Die alte und neue Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sei eine Anwältin des öffentlichen Raums.

Im Anschluss daran warb Köstinger um Unterstützung für die neue Regierung aus Konservativen und Grünen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) an der Spitze. Zwar stehe die Tourismusbranche nicht ganz vorbehaltlos der neuen Regierung gegenüber, meinte Köstinger, aber sie versprach: „Wir werden uns ganz intensiv dem Thema der Digitalisierung widmen.“ Weitere Themen seien Arbeitsmarkt und ländlicher Raum. „Landwirtschaft und Kulinarik bieten für uns ein ganz großes Potenzial.“

„Wir wollen nicht jeden Mist vorgeschrieben haben“ 

Anschließend moderierte die Chefredakteurin von „Hotel und Touristik“, Margaretha Jurik (Manstein Verlag), die Podiumsdiskussion zu den Herausforderungen der Hotellerie im Alpenraum. Dort machen - wie anderswo auch - Bürokratie und Fachkräftemangel den Betrieben zu schaffen. Die Präsidentin des Dehoga Bayern, Angela Inselkammer, forderte die gleiche Besteuerung von Essen mit sieben Prozent sowie flexible Arbeitszeiten - vier Tage Arbeit und drei Tage frei. „Wir wollen nicht jeden Mist vorgeschrieben haben“, betonte sie. Auch der Präsident des Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverbands (HGV) in Bozen, Manfred Pinzger, beklagte zu viele Gesetze und Vorschriften.

„Fachkräftemangel ist das Top-Thema auch bei uns“, sagte der Präsident des Schweizer Verbands Hotelleriesuisse, Andreas Züllig. Bezogen auf die politische Stabilität lebten die Schweizer allerdings im Paradies, meinte Züllig. Michaela Reitterer will das Image drehen. "Wir müssen mehr tun, um das Standing unserer Branche zu verbessern", sagte sie. Dazu gehöre, dass die Schwarzen Schafe nicht so in den Mittelpunkt gerückt würden, gegebenenfalls seien diese zu sanktionieren. Auch Angela Inselkammer rief dazu auf, die Branche nicht länger schlecht zu reden und erhielt dafür viel Beifall. 

"Jeder Minister ein Tourismusminister"

Michaela Reitterer forderte: „Jeder Minister sollte auch ein bisschen ein Tourismusminister sein." Die Regierung sollte sich in jedem Ressort fragen, was Entscheidungen für die Branche bedeuten. Inzwischen sei das Verhältnis zur Politik allerdings viel besser geworden. Der Branche werde zugehört und es gebe eine Ministerin für die Themengebiete. Angela Inselkammer lobte die Arbeit des Entbürokratisierungsbeauftragten in Bayern. Das könnte ein Modell für den gesamten Alpenraum sein.


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