Kempinski


Personalie

Martin R. Smura soll neuer Kempinski-Chef werden

Nach wochenlangen Verhandlungen über die Nachfolge von Kempinski-CEO Markus Semer sind nun offenbar die Würfel gefallen.

Neuer Posten für einen versierten Hotelprofi: Martin R. Smura erwartet bei Kempinski eine anspruchsvolle AufgabeNeuer Posten für einen versierten Hotelprofi: Martin R. Smura erwartet bei Kempinski eine anspruchsvolle Aufgabe

GENF. Dorint-Aufsichtsratschef Martin R. Smura (50) soll nach Informationen der AHGZ Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung neuer CEO der Luxushotelkette Kempinski werden. Hochrangige Mitarbeiter von Kempinski sind bereits über die Personalie informiert. Der Vertrag ist demnach von allen Seiten unterschrieben, an der offiziellen Mitteilung werde aber noch gefeilt, hieß es in Kreisen, die mit dem Vorgang betraut sind. Eine Bestätigung liegt daher noch nicht vor. Bei der Pressestelle heißt es sogar, es gebe keine Neuigkeiten. Laut AHGZ-Informationen folgt Smura auf Markus Semer, der seit 2016 im Amt war und im März seinen Abschied angekündigt hatte. Smura soll sein Amt zum 1. Juli antreten. Inzwischen hat Smura am Dienstagvormittag die Personalie in eigener Sache bei einem Meeting vor 48 Dorint GM in  Düren bestätigt. 

Kempinski, die älteste europäische Luxushotelgruppe, verfügt über ein internationales Portfolio von 76 Luxushotels in mehr als 30 Ländern. Das 1897 gegründete Unternehmen mit Headoffice in Genf gehört nach dem Wechsel vom thailändischen Königshaus inzwischen mehrheitlich den Scheichs von Bahrain. Berühmte Kempinski-Hotels sind zum Beispiel das Hotel Adlon in Berlin, das Emirates Palace in Abu Dhabi, das Taschenbergpalais in Dresden und das Emerald Palace auf der Palme in Dubai, das Grand Kempinski Hotel Shanghai, das Palais Hansen in Wien und das Grand Hotel des Bains in St. Moritz.

Große Karriere mit holprigem Start

Smura kann eine lange internationale Karriere vorweisen. Er war im operativen Hotelmanagement und auf Corporate Ebene bereits auf fünf Kontinenten in Führungspositionen tätig. 15 Jahre lang arbeitete er für die Intercontinental Hotels Group, unter anderem als Director Operations in Mittel-, Ost- und Westeuropa. Mit 28 Jahren war er dort einmal jüngster GM und bereits mit 30 Jahren ebenso jüngster Regional-GM

Er hält zahlreiche Aufsichtsratsmandate, war Mitglied des Aufsichtsrates der Azimut Hotels, der größten russischen Hotelkette, sowie Vorsitzender des Verwaltungsrates der Adlon Holding. Smura hat einen Abschluss der Cornell University New York und einen MBA der California State Hayward University in San Francisco.

In der Tageszeitung Die Welt wurde einmal Smuras Karriere „vom Schulversager zum Hotelpräsidenten“ beschrieben: Mit 15 Jahren bekam er einen Schulverweis und absolvierte eine Kochlehre mit der besten Note in Baden-Württemberg. Dafür erhielt er ein Stipendium in New York, er absolvierte danach ebenso mit Auszeichnung im Luxushotel Europäischer Hof eine Hotelkaufmann-Lehre bei Familie von Kretschmann in Heidelberg und startete von dort aus seine internationale Karriere.

Erfolg als Dorint-Aufsichtsrat

In seiner derzeitigen Position als Supervisory Board Chairman der Kölner Dorint-Gruppe mit rund 50 Hotels in Deutschland und der Schweiz, einem erwarteten Umsatz von 290 Mio. Euro in diesem Jahr sowie 3300 Mitarbeitern hat Smura - an der Seite von Eigentümer Dirk Iserlohe und mit dem neuen Managementteam - in den vergangenen vier Jahren einen nachhaltigen Erfolgskurs eingeschlagen. Iserlohe sagte der AHGZ: "Wir bleiben freundschaftlich verbunden."

Iserlohe hat im Februar in einer viel beachteten Keynote beim Deutschen Hotelkongress in Berlin beschrieben, wie er jahrelang für die Sanierung des Unternehmens gekämpft und es schließlich vor dem Untergang bewahrt hat.

„Wenn es nicht gelungen wäre, hätte es die größte Hotel- und Investorenpleite in Deutschland gegeben mit über 90 Hotels, über 7800 Mitarbeitern und einem Investment von mehr als 5 Milliarden Euro“, sagte Iserlohe einmal in einem AHGZ-Interview. „Die Auswirkungen wären bis in den Bankensektor spürbar gewesen, das Eigenkapital wäre vernichtet worden.“ Die Dorint-Gruppe wird im diesem Jahr 60 Jahre alt und ist nun breit aufgestellt.

Bei dieser positiven Entwicklung setzt Smura auf vertraute Kollegen, wie den CEO Karl-Heinz Pawlizki und den COO Jörg T. Böckeler, die beide mit Smura seit über 20 Jahren durch seine Zeit bei Intercontinental Hotels verbunden sind. So ist auch der Direktor im Finanzbereich, Sven Konway, ein alter Bekannter aus Intercontinental-Zeiten. Wie zu hören ist, trifft das auch für die neue Leitung im IT und HR-Bereich zu.

Was bedeutet das für die Zukunft der Führungsmannschaft bei Kempinski? Aus dem Umfeld der Dorint-Geschäftsführung ist zu hören, dass alle messbaren Werte für den Unternehmenserfolg mit der neuen Dorint-Mannschaft nachhaltig nach oben gegangen sind.

Smura hat neben seinem Engagement bei Dorint in etwas mehr als drei Jahren als Investor die erste deutsche, operativ tätige Land- und Schlosshotelmarke aufgebaut, die Castlewood Hotels und Resorts. Diese sind bereits auf 13 Hotels mit über 600 Mitarbeitern und mehr als 30 Mio. Euro Umsatz gewachsen.

Laut Gerald Berger, CEO der Gruppe, ist es nicht ausgeschlossen, dass Castlewood in diesem Jahr auf 20 Häuser wächst. Neben der Entwicklung der Marke und der Managementgesellschaft ist Smura auch zusammen mit seiner Frau Kateryna Investor der Hotelimmobilien. Es wird nicht zuletzt dieses unternehmerische Engagement gewesen sein, das die Eigentümer von Kempinski dazu motiviert hat, Smura anzusprechen.

Kempinski unter Druck

Kempinski befindet sich seit der Rücktrittsankündigung von Semer und seinem Stellvertreter Colin Lubbe in einer Führungskrise. Diese ist nun beigelegt. Doch seit dem Abgang von President und CEO Reto Wittwer hat das Unternehmen bewegte Jahre hinter sich. Von 2015 bis 2016 gab es eine Schlammschlacht mit Korruptionsvorwürfen, Klage, Gegenklage, Auswechslung der Vorstands- und Aufsichtsratschefs sowie der vollständigen Rehabilitation von Wittwer. In der AHGZ sagte Wittwer später: „Niemand kann mir wegnehmen, dass ich aus einer bankrotten Firma ein respektables Unternehmen gemacht habe.“

Der Wettbewerbsdruck ist stark. Ende 2017 wurde bekannt, dass sich das einstige Berliner Stammhaus der Gruppe, das Bristol Hotel, von Kempinski trennt. Danach kamen die drei Häuser der Broermann Hotels & Resorts abhanden, darunter das Atlantic in Hamburg. Ausgerechnet Wittwer übernahm mit seiner Firma Smart Hospitality Solution das Kempinski-Hotel Ajman seines früheren Arbeitgebers in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zuletzt stand das Flaggschiff Adlon in der Kritik, nachdem Unternehmer Carsten K. Rath in seiner Kolumne im Handelsblatt „Kleingeist“ und „Rationalisierungswahn“ in dem Traditionshau bemängelt hatte.

Drei Baustellen

Der neue Chef muss auf mehreren Baustellen gleichzeitig antreten:

1. Er muss zu den Eigentümern bessere Beziehungen aufbauen, darf keine weiteren Hotels verlieren und sollte neue attraktive Standorte aufbauen. Dazu muss er den Markenkern weiter herausarbeiten.

2. Im Vergleich zu den Wettbewerbern mit tausenden Hotels und ausgeklügelten Loyalty-Programmen ist Kempinksi eine kleine Firma. Hier muss er überzeugende Argumente für die Unabhängigkeit der Kette vorlegen.

3. Zu allererst muss er aber die richtigen Leute um sich versammeln und die richtigen Verbindungen knüpfen, damit ihm die Querelen der vergangenen Jahre erspart bleiben. Denn wohl nicht alle werden ihn mit offenen Armen empfangen, das zeigen die Schachzüge hinter den Kulissen in den vergangenen Wochen.

Kempinksi selbst gibt sich zuversichtlich über die Entwicklung. Zwar veröffentlicht das Unternehmen keine Geschäftszahlen, die Pressestelle erklärte aber vor Kurzem: „Wie (…) vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Kempinski AG, H.E. Abdulla Saif, betont, ist es Kempinski unter der Führung unseres Vorstands gelungen, 2018 nicht nur die strategischen und operativen Qualitätsziele zu erreichen, sondern auch neue Verträge und Vertragsverlängerungen zu unterzeichnen und das gesetzte Finanz-Budget für das Jahr sogar zu übertreffen.“ Und eine Adlon-Sprecherin teile nach dem Handelsblatt-Artikel mit: „Selbstverständlich nehmen wir die angesprochenen Punkte sehr ernst und werden sie intern weiterverfolgen.“


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