Europa-Park


Porträt

Matthias Altmann: „Die harte Währung ist Vertrauen“

Der 35-Jährige ist der erste Area Manager innerhalb des Europa-Park-Resorts. Jetzt gilt er dort als erster Ansprechpartner für Hotellerie und F&B.

Begann 2013 als Trainee im Europa-Park: Matthias AltmannBegann 2013 als Trainee im Europa-Park: Matthias Altmann

RUST. Ruhig, sachlich, überlegt – Matthias Altmann ist kein Typ, der sofort lossprudelt, wenn er ein Interview gibt. Aber jede Information, die er kommuniziert, sitzt. Und sein Werdegang ist ein Paradebeispiel, welche Chancen die Hotellerie und auch ein familiengeführtes Unternehmen einem engagierten und talentierten Mitarbeiter bieten kann.

Vor knapp sechs Jahren hat Matthias Altmann als Trainee im Europa-Park begonnen. Der gelernte Hotelfachmann – seine Ausbildung hat er im Europäischen Hof in Heidelberg absolviert – wollte nach verschiedenen Stationen in der Luxushotellerie und dem Studium an der Hotelfachschule in Heidelberg nochmals eine neue, innovative Perspektive auf das Thema Gastronomie werfen. „Mein Hauptfokus lag in all den Jahren auf dem Bereich F&B. Der Europa-Park bietet hier ganz besondere Konzepte“, erläutert Altmann.

Als Trainee durchlief er verschiedene Stationen. Dabei arbeitete er damals oft projektbezogen und erfolgreich mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Thomas Mack zusammen. Schließlich stieg Altmann zu dessen persönlichem Assistenten auf. Ein wichtiger Schritt für ihn, weil er Thomas Mack – dem Hotelprofi innerhalb der Inhaberfamilie Mack – seine Stärken demonstrieren konnte.

Bereits seit Oktober 2017 vor Ort

Gleichwohl reagiert Matthias Altmann zurückhaltend, wenn er auf seine Karriereschritte angesprochen wird. „So schnell einen solchen Weg zu schaffen, da gehört auch Glück dazu, zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein“, sagt er. Gefragt, was er so anders und auch besser macht als seine Kollegen, überlegt er eine Weile. „Eine große Herausforderung in meiner Position ist die Fähigkeit zur Kommunikation in alle Richtungen“, so Altmann.

Auch müsse er permanent viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten und Ansprechpartner für alle wesentlichen Belange sein. Altmann steht in enger Abstimmung mit seinen Abteilungsleitern, aber auch mit den Gesamtverantwortlichen Hotellerie und Gastronomie des Hotelresorts sowie der Geschäftsführung.

Wie viel Zeit er als Pre-Opening-Manager auf der Baustelle des Krønasår verbracht hat, kann er nicht nachrechnen. „Viel, sehr viel“, sagt er schmunzelnd. Er hat dort auch immer wieder Überraschungen erlebt. „Nahezu eine Woche dauerte es, den künstlichen See zwischen Hotel und Wasserwelt zu befüllen. Das hätte ich nicht so erwartet“, erzählt er. Er könne auch gar nicht sagen, ob er mehr ein Fan von alten ehrwürdigen oder neuen Hotels ist. „Ich bin vor allem ein Fan von guten Konzepten.“

Altmann kann im Krønasår erstmals all seine bisherigen beruflichen Erfahrungen gebündelt einbringen: Servicequalität aus der Luxushotellerie, F&B-Management aus der klassischen Schweizer Hotellerie, erprobte Abläufe aus anderen Europa-Park-Hotels, aber auch sein Talent, komplexe Prozesse parallel überblicken zu können.

Als Pre-Opening-Manager trat er seine Position im Oktober 2017 an, „als noch viel Raum war, sich in die Konzeptgestaltung aktiv einzubringen“. Dass die skandinavische Gemütlichkeit – genannt Hygge – mittlerweile weltweit zum Megatrend wurde und es auf dem deutschen Markt noch wenig Konkurrenz bei diesem Thema gibt, garantiert seiner Meinung nach der Neueröffnung große Aufmerksamkeit, sowohl seitens der Gäste als auch innerhalb der Branche. „Es zeigt sich immer wieder, dass die Inhaberfamilie Mack ein Gespür für Trends hat“, so Altmann.

Doch es gelte im Krønasår auch, ähnlich wie in den anderen Europa-Park-Hotels, eine sehr heterogene Gästestruktur zu betreuen. Viele Familien sparen lange, um sich ein bis zwei Tage im Hotel zu leisten, andere wiederum sind Luxus gewöhnt und erwarten nahezu perfekten Service.

Erfahrenes Personal mit an Bord

Was Matthias Altmann im Europa-Park gelernt hat: Jeder Tag ist anders und manchmal müssen Entscheidungen wahnsinnig schnell getroffen werden. „Gerade weil ich alles immer analysiere und durchleuchte, kann ich – wenn es darauf ankommt – schnell entscheiden“, sagt Altmann. „Die harte Währung ist Vertrauen.“

Dass Thomas Mack ihm dieses Vertrauen entgegenbringt, ist offensichtlich. Altmann selbst kommt dieses Eigenlob nicht so gern über die Lippen, obwohl er stolz darauf ist. Die ersten Wochen würden schließlich zeigen, wie das Produkt angenommen werde. Dass aber im Vorfeld schon seit einigen Jahren die Medien deutschlandweit und international über den neuen Wasserpark in Rust berichteten, stimmt ihn sehr zuversichtlich. Auch die Präsentationen der Wasserwelt mit Hotel auf Messen seien immer auf großes Interesse gestoßen.

Gerade weil das Hotel an den ganzjährig geöffneten Wasserpark Rulantica angeschlossen ist, muss Altmann besondere Strukturen überblicken und am Laufen halten. Es gibt zwei wichtige Aspekte, die anders sind als in den bisherigen Hotels. Zum einen, dass mit dem sechsten Hotel der Familie Mack auf eine bisherige Zimmerzahl von 950 „auf einmal ein Drittel mehr dazukommt“. „Das ist ein großer Schluck aus der Pulle“, betont Altmann.

„Hier ist der Vertrieb gefordert. Denn die Auslastung soll nicht über den Preis getrieben sein. Es wäre fatal zu denken, das neue Hotel würde automatisch ein Selbstläufer. Wir dürfen nicht vergessen, dass hier ein mittelständisches Unternehmen die größte Investition seiner Geschichte tätigt mit einem dreistelligen Millionenbetrag“, so Altmann.

Die Hotelgastronomie des Krønasårs ist ebenfalls größer als alle Restaurants, die es bisher gab. Das Restaurant Bubba Svens bietet mehr als 650 Plätze, das Fine-Dining-Restaurant Tre Krønen 220 Plätze, außerdem noch Terrassen mit fast 600 Plätzen. Dazu kommt die Bar Erikssøn und das Café Konditori.

Mit die größte Herausforderung für Altmann war es im Vorfeld, 250 passende Mitarbeiter einzustellen. „Ohne unser umfangreiches internationales Recruiting wäre das sicher schwerer gewesen“, so Altmann. Der Fachkräftemangel ist für mich das allergrößte Brennpunktthema, heute schon, aber vor allem langfristig.“ Wobei, was die Abteilungsleiter und Führungspositionen angeht, die Stellen sehr früh besetzt wurden und auch erfahrenes Personal aus den anderen Resorthotels eingebunden wurde.

Beispielsweise Stephan Göpper, der die Rezeption im Krønasår leitet. Er arbeitet seit 2004 im Hotel El Andaluz und übernahm mit den Jahren immer mehr Verantwortung. Zuletzt war er stellvertretender Empfangschef der Europa-Park-Hotels El Andaluz, Castillo Alcazar und Santa Isabel. „Für ihn hat sich so ein passender Karriereschritt ergeben“, freut sich Altmann. Oder Andrea Heiermann, die bereits Chefin des Housekeepings im Hotel Colosseo und Bell Rock ist. Sie übernimmt noch das Krønasår mit dazu. Altmann vertraut darauf, dass die bisher erfolgreichen Abläufe der Abteilungsleiterin im neuen Hotel Krønasår ebenfalls greifen. „Aber man muss das gesamte Team wirklich früh mit auf die Reise nehmen und vor allem wissen: Ich muss nicht alle Entscheidungen alleine treffen“, betont Altmann.

Zentrale Produktionsküche

Mit zwei erfahrenen Küchenchefs für die Hotelgastronomie sieht sich Altmann gut aufgestellt. Diese müssen zugleich die Tagesgäste der Wasserwelt Rulantica, die Ende November 2019 eröffnet, mitversorgen. Um die Gäste – im ersten Jahr erwartet sich die Inhaberfamilie Mack bis zu 600.000 Besucher – zu verköstigen, werden Speisen in der eigenen Produktionsküche hergestellt. Hier wird unabhängig von den Küchenzeiten produziert. „Es sind systemgastronomieähnliche Strukturen“, erläutert Altmann. Diese seien aber nicht nur dazu da, um große Mengen herzustellen, sondern auch, um den Fachkräftemangel zu entschärfen.

„In der Produktionsküche bieten wir geregelte Arbeitszeiten, auch für Teilzeitkräfte“, sagt er. Zudem könne auch Personal ohne spezifische Kochausbildung dort Fuß fassen, da sie Komponenten nach vorgegebenen Rezepturen vorbereiten. Wie im Hotel Bell Rock wird der Einkauf zentral abgewickelt. Auf bisherige treue Lieferanten will man dabei keinesfalls verzichten. „Sicher könnten wir Kosten sparen, wenn es anders wäre“, meint Altmann. Aber die Strukturen und Beziehungen, die Roland Mack, Parkgründer und Betreiber der ersten Hotels, aufgebaut hat, würde Altmann niemals über Bord werfen wollen.

Dass Matthias Altmann erfahrene Abteilungsleiter um sich weiß, die „seine ersten Ansprechpartner sind“, gibt ihm zwar Sicherheit, er will das aber auch nicht als Garantie für den Erfolg sehen. „Über meinen Schreibtisch laufen wahnsinnig viele Dinge“, sagt er. Grundsätzlich will er seinen 250 Mitarbeitern einen Rahmen geben, in dem sie sich frei bewegen können und auch Entscheidungsfreiheit haben.

Wovon Altmann fest überzeugt ist: „Die meisten Mitarbeiter lassen sich vom Europa-Park-Fieber anstecken und brennen für das, was sie tun.“ So wie er selbst, deshalb kann er auch den Stress der Pre-Opening-Phase und der Eröffnung gut wegstecken. „In solchen Phasen müssen alle an ihre Grenzen gehen“, findet er. Das lebe auch die Familie Mack so vor, deshalb sei der Europa-Park zu dem geworden, was er heute ist.

Im Hotel Krønasår findet im September auch der Hotel Design & Technik-Kongress statt, den die AHGZ veranstaltet. Mehr dazu finden Sie hier.


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