Krisenmanagement

ahgzplus Covid-19 rückt näher - drückt das die Preise?

Der Tourismus in Asien ist massiv betroffen, nun auch Italien und die Kanaren. Die HDV rechnet derzeit noch nicht mit gravierenden Folgen für Deutschland. Doch das kann sich schnell ändern.

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STUTTGART. Das Corona-Virus und seine Auswirkungen rücken näher. Jüngeste Entwicklung: Auf Teneriffa sitzen mehr als 1000 Touristen in ihren Hotels fest. Zudem endete der Karneval in Venedig früher, betroffene Hoteliers befürchten, dass Touristen die nächsten Wochen massiv fernbleiben. Ähnliche Lage in der Geschäftsmetropole Mailand: Nicht nur der Tourismus, sondern auch der Geschäftsreiseverkehr bricht ein. Die Modenschau von Giorgio Armani fand ohne Publikum statt, sie wurde aus Sicherheitsgründen nur über den Bildschirm übertragen. Ganze Regionen in Norditalien sind abgeschottet, Supermarktregale sind leer, Desinfektionsmittel Mangelware. Nach Aussagen des italienischen Hotelverbands kommt es zu großen Einbußen, was Übernachtungen in allen Segmenten angeht. Eine konkrete Zahl fiel jedoch bisher nicht.

Die Verluste für den Asien-Tourismus werden mittlerweile mit 115 Mrd. Euro betitelt. Die Zahl stammt aus der Studie der niederländischen Bank ING. Das Corona-Virus Covid-19 hat in China seinen Ursprung, erstes Epizentrum war die Stadt Wuhan. Mittlerweile sind auch Japan und Südkorea schwer betroffen, ebenso der Iran. Einige wenige Fälle gibt es in Spanien, Österreich und der Schweiz. In Deutschland sind bisher 18 Menschen infiziert.

Frankfurter Messe Light + Building verschoben

Hierzulande gibt es nun auch Konsequenzen wegen der hohen Infektionsgefahr: Die Messe Frankfurt verschiebt die Light + Building auf September - aufgrund von Corona. Womit ist als nächstes zu rechnen, wie hoch werden die Verluste? So genau weiß das niemand. Die Einschätzung der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV) zur aktuellen Lage und auch zur bevorstehenden ITB fällt so aus: "Ich teile die Einschätzungen der DZT insofern, als China zweifelsohne ein sehr wichtiger Quellmarkt ist und derzeitige negative Effekte auf den deutschen Incoming-Tourismus nicht zu leugnen sind. Abzuwarten bleiben die negativen Folgen für den europäischen Tourismus, basierend auf den jüngsten Entwicklungen in Italien und auch den Vorbereitungen Frankreichs gegen eine Pandemie", sagt HDV-Vorsitzender Jürgen Gangl zur ahgz. Solange Deutschland jedoch von direkten Infektionsfällen - wie bisher- weitgehend verschont bleibt, sieht Gangl für den Berliner Markt weiterhin die Chance "für einen positiven Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres".

Fakt ist, dass der Berliner Markt seit Jahresanfang einen Rückgang in Belegung, Rate und RevPar hinnehmen muss. "Ob das jedoch allein dem Corona-Virus zuzuschreiben ist, oder die sich auch vorher schon abzeichnende Abschwächung der Wirtschaft auswirkt, ist kaum zu differenzieren", so Gangl. Generell sei der Berliner Markt nicht so stark von China abhängig, dennoch befürchte er aber auch kurzfristige Absagen von Besuchern und Ausstellern auf der ITB. Die Messe Fruit Logistica sei Anfang Februar planmäßig durchgeführt worden, "aber mit leichtem Rückgang".

Im Schnitt 4 Prozent RevPar-Rückgang

Einer aktuellen Erhebung von Fairmas zufolge liegt der RevPar-Rückgang deutschlandweit bei 4 Prozent. Das sei allerdings nicht allein Covid-19 zuzuschreiben, so Nils Schröder, Managing Director von Fairmas. München beispielsweise hatte im Januar Rückgänge wegen Messeverschiebungen. Schroeder warnt vor unötiger Panik. So könne es zu einem Preiskampf kommen.

Max Luscher, Chef der Budgetkette B&B Hotels, sieht diesen bereits heraufziehen. "Ich sehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass durch die indirekten Auswirkungen, die sich bis ins zweite Quartal ziehen können, die Auslastung leidet darunter. Dann sinken die Preise." Für seine eigene Company rechnet Luscher bisher nicht damit. "Wir wachsen derzeit mit 3 Prozent RevPar-Plus", sagte er der ahgz.

Covid-19-Virus ist unberechenbar

Bisher in den Einschätzungen nicht berücksichtigt ist der erste Corona-Fall in Südtirol. Dort herrscht gerade Ski-Hochsaison. Noch raten Experten nicht dazu, grundsätzlich Menschenansammlungen zu meiden. Laut einer Recherche der Süddeutschen Zeitung ist das Corona-Virus jedoch so gefährlich, weil es keine Erklärung dafür gibt, warum der Krankheitsverlauf bei vielen Menschen kaum spürbar verläuft, aber bei anderen aber zu einer schweren Lungenentzündung führt. Das bedeute, dass die Dunkelziffer unerkannter Krankheitsfälle sehr hoch sein kann. So kann die Ausbreitung schneller erfolgen als bisher vermutet. Die Inkubationszeit beträgt bis zu zwei Wochen.

Menschen, die aus stark betroffenen Gebieten nach Deutschland zurückkehren, werden in Quarantäne genommen. So etwa ein Mann aus Köln, der aus Norditalien zurückkehrte. Ebenso auch Heimkehrer aus der chinesischen Stadt Wuhan. Baden-Württemberg hat sie beispielsweise in einem Hotel am Fuß der Schwäbischen Alb untergebracht. Laut Bundesgesundheitsministerium sind derzeit 18 Corona-Fälle in Deutschland bestätigt (Stand 25.2.). Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister in Deutschland, rechnet nach der massiven Zunahme von Krankheitsfällen im nahen Italien damit, dass der Corona-Virus sich nun auch in Deutschland weiter ausbreitet.

Dehoga aktualisiert Merkblatt

Der Branchenverband Dehoga hat sein im Januar veröffentlichtes Merkblatt für Betriebe überarbeitet - siehe nebenstehend in unserem Download-Bereich


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