Tagungshotellerie


Hoteldesign

"Ohne Geschichte machen Sie keinen Profit"

Auf dem Programm des Hotel Design & Technik-Kongresses im Europa-Park standen zukunftsweisende Projekte der Luxus- und Budgethotellerie. Die Häuser eint ein ausgetüfteltes und spannendes Design.

Beeindruckend: Im Hintergrund die gigantische Meeresschlange, die Gäste im Hotel Krønasår empfängt. Auf der Bühne: (von links) Matthias Lange, Europa Park und Andreas Pfeiffer, Archis Architekten mit AHGZ-Chefredakteur Rolf WestermannBeeindruckend: Im Hintergrund die gigantische Meeresschlange, die Gäste im Hotel Krønasår empfängt. Auf der Bühne: (von links) Matthias Lange, Europa Park und Andreas Pfeiffer, Archis Architekten mit AHGZ-Chefredakteur Rolf Westermann

RUST. "Jeder Ort hat das Potenzial, eine Geschichte zu erzählen. Man sollte sich die Mühe machen, diese zu finden", sagt Monika Losos vom Design-Büro Studio Aisslinger in Berlin. Beim Thema Storytelling und Authentizität herrscht Konsens bei allen Referenten des Hotel Design & Technik Kongress im Europa Park in Rust. Die zweitägige Veranstaltung von AHGZ und HOTELDESIGN im Museumshotel Krønasår im Europa Park in Rust stand  im Zeichen von Architektur, Design und Technik. 

Losos ist es beim Geschichtenerzählen wichtig, dass sie keine dekorative Scheinwelt schafft. Mit dem Studio Aisslinger hat sie bereits einige 25hours-Häuser wie das Bikini Berlin, das Langstraße in Zürich  oder das Circle in Köln umgesetzt. Sie legt Wert darauf, dass das Design authentisch wirkt. Im Bikini Berlin haben Sie sich etwa entschlossen, den Counter aus alten Berliner U-Bahn-Fliesen zu gestalten. "Der Gast kommt in dieses Hotel und hat sofort das Berlin-Gefühl. Er weiß allerdings nicht, woher das kommt." In Zürich hingegen greifen die Kreativen das Thema des Leihhauses auf. Regale voller Stücke vom Flohmarkt zieren den Lobbybereich, im oberen Stockwerk ersetzt eine Bücherwand die Tapete.  "25hours hat den Mut, laufen zu lassen. Neue Ansätze zu entwickeln, die es vorher nicht gab", sagt Losos.

Auch Peter Joehnk von Joi-Design ist überzeugt, dass es bei der Hotelentwicklung immer einen Anknüpfungspunkt gibt, aus dem sich eine Story entwickeln lässt. Bei einer Paneldiskussion mit den Designern Conni Kotte und Monika Losos stellt er dennoch klar: "Ein Hotelzimmer ist immer noch ein Hotelzimmer geblieben. Da will der Gast vor allen Dingen schlafen." In Sachen Trends sieht Joehnk die Individualhäuser als Vorreiter, aber auch die Budgethotellerie habe sich stark gewandelt. "Bei Motel One gibt es zum Beispiel noch immer standardisierte Zimmer, aber in den öffentlichen Bereichen gleichen die Häuser denen der Luxushotellerie." Motel One spielt inzwischen auch mit den Traditionen des  jeweiligen Standorts.

"Kulissen sind schwer auzuhalten"

Designerin Conni Kotte legt bei ihren Konzepten vor allem Wert auf Wahrhaftigkeit: "Kulissen sind für mich physisch schwer auszuhalten." Stattdessen schätzt die Designerin echtes Handwerk und arbeitet häufig mit lokalen Firmen zusammen, setzt dabei auf lokale Materialien. Kotte räumt ein: "Es gibt nie nur eine Superidee. Manchmal lohnt es sich aber für eine Überzeugung zu kämpfen", sagt sie und Losos fügt hinzu: "Am Ende bezahlt immer noch der Betreiber. Aber auch wir versuchen vehement zu sein. Es ist eine Gemeinschaftsleistung." 

Das Hotel Schgaguler in Kastelruth hat sich in viermonatiger Bauzeit von einem klassischen Familienhotel zu einem Hotel mit schlichter Eleganz entwickelt. Verantwortlich dafür zeichnet Architekt Peter Pichler vom gleichnamigen Architekturbüro. "Unser Ziel war es, den Berg ins Hotel zu holen." Bei der Fassade des Hauses verwendet Pichler Dolomitgestein, während er bei der Einrichtung Kastanienholz und schlichte Elemente einsetzt. "Das Hotel öffnet sich zum Berg hin, aber auch Richtung dem Kirchturm des Dorfes. Wie er bei dem Projekt vorgegegangen ist? "Unsere erste Frage, wenn wir an einen Ort kommen, ist immer, was ist die Tradition? Wie wird hier gebaut?" Beim Schgaguler griff Pichler die Sattelbaustruktur auf, wie sie in Kastelruth üblich ist.  Auch er setzt bei der Umsetzung überwiegend auf lokale Materialien und Firmen. "Es geht nicht darum, wer den längsten Pool hat", ist Pichler überzeugt. "Die Leute kommen hierher, weil sie sich für Architektur und Design interessieren."

 

Remo Masala, Chief Operation Officer bei Thomas Cook, räumt den Themen Storytelling und Authentizität bei der Hotelentwicklung hohen Stellenwert ein. "Ohne Geschichte machen Sie keinen Profit", appelliert er an die Teilnehmer des Kongress.  Er begreift das Hotel als ein soziales Gewebe, bei dem man als Architekt alle Parteien mitnehmen muss. "Dem Kunden geht es ums Business, dem Gast um Träume und Mitarbeiter muss man motivieren, Dinge anders zu machen", berichtet Masala. Als Hotelier müsse man erreichen, dass das Hotel ein Ort in einem anderen Ort ist. "Wir zaubern nicht, wir sind ganz normal. Wir machen aber gute Qualität, gutes Design und wir bleiben uns treu", fasst er das Konzept hinter der Marke Casa Cook zusammen.

Nachhaltigkeit als vier Säulen

Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit sind das Schwarzwald Panorama Hotel in Bad Herrenalb mit Geschäftsführer Stephan Bode und das Green City Hotel Vauban in Freiburg von Geschäftsführer Daniel Ferch. Bode: "Wirtschaftlichkeit ist bei uns ein Nebenprodukt geworden. Wir verbessern mit unserem Hotel die Welt jedes Jahr ein bisschen." Für Ferch setzt sich die Nachhaltigkeit seines Hotels aus vier Säulen zusammen: Als soziales Konzept, bei dem er zu 50 Prozent behinderte Mitarbeiter in seinem Hotel beschäftigt. Bei der Architektur sind ihm eine grüne Bauweise wichtig inklusive Verschattung, Passivhaus und Begrünung. Kombiniert mit Lieferanten aus der Region und einer Kooperation mit dem regionalen Nahverkehr ergibt sich für ihn ein ganzheitliches Ansatz. Ferch ist überzeugt: "Wenn wir künftig den Planeten retten wollen, müssen wir bereit sein, dafür Geld auszugeben."

Der Nachhaltigkeit widmet sich die Familie Mack im Europa Park, dem Gastgeber des zweiten Hotel Design & Technik Kongress, seit geraumer Zeit. So ist der Europa Park, der erste grüne Freizeitpark. "Wir denken in Generationen, nicht in Quartalsberichten", sagt Thomas Mack, der das Unternehmen in achter Generation führt.

Und wie steht es um das Storytelling? "Es muss nicht immer die größte Achterbahn sein. Auch uns geht es vielmehr um Geschichten und Design", so Mack über den Anspruch des Europa Parks und ergänzt: "Es sind schließlich die kleinen Dinge, die begeistern." Im Krønasår haben sich die Unternehmer entschieden, das Thema eines skandinavischen Naturkundemuseums aufzugreifen. "Das passt gut zu den Wäldern rund um Rust. Da liegt Potenzial, um Geschichten zu erzählen und Mythen aufzufreifen", sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Inspiration bot den Machern dann unter anderem das Reichsmuseum in Amsterdam. "Der Name Krønasår ist ein reines Fantasiewort", sagt Mack und lacht.

Das neugebaute Hotel mit seiner farbenfrohen Fassade, der Holzoptik und dem Landhausstil setzt starke Akzente im Segment der Themenhotellerie. Von den 304 Zimmern widmen sich 183 Stück dem Thema Forschung und Entdeckungen. 93 Zimmer wiederum sind im Stil eines skandinavischen Landhauses gestaltet. Die 28 Suiten, davon drei Royal-Deluxe-Suiten, sind zum Teil skandinavischen Königshäusern gewidmet. Mit dem Wasserpark Rulantica verbunden wird es durch eine Brücke, die über einen künstlichen See zwischen Hotel und Wasserwelt führt. An dessen Ufer speisen die Gäste der Hotelrestaurants Tre Krønen und Bubba Svens. 

Zum Hintergrund: Im Europa-Park in Rust bei Freiburg liegt Deutschlands größte zusammenhängende Hotellandschaft mit insgesamt 5800 Betten. Die besondere Leistung: Das Hotel-Resort ist seit Jahren durchschnittlich zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. 

Der zweitägige Kongress mit HotelExpo veranstaltet die AHGZ und ihrem Magazin HOTELDESIGN sowie der dfv Conference Group veranstaltet. Die Moderation haben  AHGZ-Chefredakteur Rolf Westermann und HOTELDESIGN-Redakteurin Natascha Ziltz übernommen.

Mehr zum Hotel Design & Technik Kongress lesen Sie in der AHGZ.


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