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„Wir brauchen Mut und Geschick“

Die Gastronomische Akademie Deutschlands (GAD) feiert ihr 60-jähriges Bestehen. Wie kann die Tafelkultur ihren Wert behalten?

Vier GAD-Präsidenten (v.l.) Friedwolf Liebold, Hubert Möstl, Jürgen Klaffke, Bernhard BöttelVier GAD-Präsidenten (v.l.) Friedwolf Liebold, Hubert Möstl, Jürgen Klaffke, Bernhard Böttel

ZWEIBRÜCKEN. Die Gastronomische Akademie Deutschlands hat am Samstag in Zweibrücken ihren 60. Jahrestag gefeiert. Die Festveranstaltung im Landschloss Fasanerie Romantik Hotel stand unter dem Motto: „Kulinaristik – Menschen – Zeitläufe“. Die GAD will durch Wissenstransfer als Wegbereiter für die Kultur des Essens und Trinkens in Deutschland und Europa tätig sein. Hausherr Roland Zadra betonte in seinem Willkommensgruß: „Diese Werte gilt es zu bewahren. Dazu brauchen wir Mut und Geschick.“

DEHOGA-Präsident Guido Zöllick lobte: „Mit ihrem außerordentlichen Engagement tragen Sie zu einem positiven Bild der Gastronomie in Deutschland bei und damit zu ihrer Zukunft.“ In Anwesenheit des rheinland-pfälzischen Kulturministers Konrad Wolf (SPD) forderte er die Politik zu fairen Rahmenbedingungen auf und verlieh der Forderung „Gleiche Steuern für Essen“ Nachdruck. Da bestehe „dringender Handlungsbedarf“. Wolf wiederum hob die Bedeutung der gemeinsamen Idee hervor, was Gastlichkeit und Tafelkultur ausmache.

Die GAD hat rund 150 Mitglieder fördert laut Satzung die Kochkunst und Gastkultur durch Aus- und Weiterbildung in Hotel- und Gastronomieberufen. Sie wurde am 13. Oktober 1959 im Hotel Kurhaus Bad Soden am Taunus gegründet.

Beitrag zur Nachhaltigkeit

Der Präsident der Gastronomischen Akademie Dänemarks, Prof. Dr. Ole G. Mouritsen verwies darauf, dass Gastronomen einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten sollten. Es gehe nicht nur um köstliche Mahlzeiten, sondern darum, in einer globalen Änderung des Ernährungssystems gesunde Dinge schmackhaft zuzubereiten. Anselm Bilgri, Berater für Unternehmenskultur und früherer Prior des Klosters Andechs, warf in seiner Keynote zum Thema „Werden und Vergänglichkeit“ einen positiven Blick auf den Wandel, der vielen Menschen Angst mache. „Veränderung ist das Normale im Leben. Das Fließende ist das Normale.“

GAD-Präsident Bernhard Böttel begrüßte die angereisten Gäste und erinnerte auch an die Gründer, unter anderem Walter Bickel, Eugen Lacroix und Arne Krüger, die vor 60 Jahren im Geiste von Carl-Friedrich von Rumohr, dem großen deutschen Kunst- und Agrarhistoriker, Schriftsteller, Maler und Gastrosophen der von 1785 bis 1843 lebte, die GAD gründeten. Hans G. Platz, geschäftsführender Vorstand der GAD, der mit launigen Überleitungen durch den Galaabend führte, fasste zusammen:

„Einhellige Meinung war es, dass Organisationen wie die GAD am positiven Deutschland-Bild in besonderer Weise mitwirken, weil sie sich um Gastlichkeit und Tafelkultur und damit um die Zukunft von Hotellerie und Gastronomie, einer Branche, die für Lebensfreude und Lebensqualität steht, kümmern. Die GAD fördere in einzigartiger Weise die Verbindung von Wissenschaft und Praxis rund um Trinken, Essen und Tafelkultur“. Sie gingen auch auf die Herausforderungen für die Zukunft ein und wie die GAD Sprachrohr für die wichtigen Fragen bleiben könne.

Im Rahmen der festlichen Tage fand auch die 60. Mitgliederversammlung statt, in der der amtierende Vorstand nicht nur satzungsgemäß Rechenschaft ablegte, sondern auch gemeinsam mit den Mitgliedern die Weichen für eine auch weiterhin erfolgreiche, gemeinnützige Arbeit der GAD stellte. Abgerundet wurde der Tag durch eine von AHGZ-Chefredakteur Rolf Westermann geleitete Gesprächsrunde mit den vier Präsidenten der GAD, Jürgen Klaffke (1987-1995), Friedwolf Liebold (1995-2006), Hubert Möstl (2006-2014) sowie dem amtierenden Präsidenten Böttel (seit 2014), in der zurückgeblickt aber insbesondere auch der Fokus auf die Themen der Zukunft gelegt wurde. Dort wurde auch die Frage erörtert: welche Rolle die Kultur des Essens und Trinkens in den kommenden Jahren spielen wird? rw


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