Kempinski


Vorwürfe wegen Arbeitsbedingungen

Kempinski-Chef Smura will Jürgen Klopp von einwandfreiem Hotel überzeugen

Der Kempinski-Chef sagt: "Wir würden uns freuen, wenn Jürgen Klopp auf der Basis der neuen Erkenntnisse mit seiner Mannschaft doch bei uns wohnen würde."

Martin R.Smura: "Die Vorwürfe bezüglich der Arbeitsbedingungen in unserem Hotel treffen nicht zu"Martin R.Smura: "Die Vorwürfe bezüglich der Arbeitsbedingungen in unserem Hotel treffen nicht zu"

GENF. Nach der medienwirksamen Stornierung eines Kempinski-Hotels in Doha durch den FC Liverpool hat Kempinski-CEO Martin R. Smura einen Brief an Fußballtrainer Jürgen Klopp geschrieben. "Die Vorwürfe bezüglich der Arbeitsbedingungen in unserem Hotel treffen nicht zu", sagte Smura der ahgzAllgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (dfv Mediengruppe). "Jürgen Klopp hat nun alle Fakten vorliegen. Wir würden uns freuen, wenn er auf der Basis der neuen Erkenntnisse mit seiner Mannschaft doch bei uns wohnen würde."

Hintergrund ist die FIFA Klub-WM im Dezember 2019 in Katar, die im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2022 stattfindet. Als Begründung für die Aufsehen erregende Absage ans Kempinski-Hotel Marsa Malaz nannte der Fußballverein die angeblich schlechten Arbeitsbedingungen dort mit 12-Stunden-Schichten bei 45 Grad Celsius und Bezahlung unterhalb des Mindestlohns. Grundlage ist eine Recherche des Magazins The Guardian vom Oktober 2018. Wir haben daraufhin mit Kempinski-Chef Martin R. Smura gesprochen. 

Herr Smura, wie haben Sie von der Absage des FC Liverpool an das Kempinski-Hotel Marsa Malaz in Doha erfahren?

Smura: Durch die Zeitung, weil der FC Liverpool gar nicht bei uns gebucht war. Ich war insofern erstaunt über die Darstellung.

Als Begründung nannte der Fußballverein die schlechten Arbeitsbedingungen mit 12-Stunden-Schichten bei 45 Grad Celsius und Bezahlung unterhalb des Mindestlohns. Grundlage ist eine Recherche des Magazins The Guardian vom Oktober 2018.

Smura: Das ist eine Geschichte die bereits mehr als ein Jahr zurückliegt, die nicht unser Hotel betroffen hat, sondern verschiedene Fremdfirmen, die noch nicht mal durch uns direkt beauftragt wurden. Die Vorwürfe bezüglich der Arbeitsbedingungen in unserem Hotel treffen nicht zu. Es ging um Fassaden- und Fremdreinigungen sowie Gärtnerarbeiten. Es hat damals tatsächlich Firmen gegeben, die sich nicht an die Gesetze gehalten haben, aber das waren nie Mitarbeiter von uns. Sobald wir das herausfanden, haben wir diese Firmen auf eine Blacklist gesetzt. So ist sichergestellt, dass die Gesetze des Landes eingehalten werden und dass diese Unternehmen nicht für uns arbeiten.

Wie geht es ihren Mitarbeitern in Doha?

Smura: Wir würden niemals einen exzellenten Service liefern können, wenn wir Mitarbeiter schlecht behandeln würden. Umfragen bei unseren Mitarbeitern zeigen eine hohe Zufriedenheit von fast 93 Prozent. Das liegt weit über dem Marktdurchschnitt und wir haben den Wert jedes Jahr verbessert. Es ist ein klarer Beweis dafür, dass unsere Mitarbeiter über Jahre hinweg höchst zufrieden sind, wir das Hotel vorbildlich führen und unsere hohen ethischen Standards einhalten.

Hat die Kritik dem Hotel und Kempinski geschadet?

Smura: Natürlich schadet es uns. Das lesen wir nicht gerne und wir möchten es klarstellen. Ich bin mir nicht sicher, ob Herr Klopp überhaupt weiß, dass er mit der Geschichte in Verbindung gebracht wird. Ich vermute, dass das ohne sein Zutun in Gang gekommen ist. Jürgen Klopp ist sehr beliebt, und auch wir sind stolz darauf, dass er ein so toller deutscher Trainer ist.

Haben Sie sich direkt an Jürgen Klopp gewandt?

Smura: Ja, ich habe ihm einen Brief geschrieben und die Vorwürfe aufgeklärt, auch die Mitarbeiterbefragung hinzugefügt. Jürgen Klopp hat nun alle Fakten vorliegen. Wir würden uns freuen, wenn Jürgen Klopp auf der Basis der neuen Erkenntnisse mit seiner Mannschaft doch bei uns wohnen würde. Ich habe auch geschrieben, dass wir allen Mitarbeitern, die ins Stadion wollen, ein Ticket kaufen würden, um ihn und seine Mannschaft als Fans zu unterstützen.

Die Fragen stellte Rolf Westermann


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