Ausblick 2022: F&B-Zulieferer: Eine Zeit mit ...
Ausblick 2022

F&B-Zulieferer: Eine Zeit mit Licht und Schatten

IMAGO / Shotshop
Blick auf 2022: Eine Prognose fällt nicht ganz leicht
Blick auf 2022: Eine Prognose fällt nicht ganz leicht

Was erwartet die Industrie vom Jahr 2022? Dazu haben wir führende F&B-Zulieferer befragt. Teil 1 mit den Firmen Dallmayr, Nestlé, Teekanne, Gerolsteiner und Erlenbacher.

Welche Themen beschäftigen die Hersteller und Anbieter von F&B-Produkten? Wie sieht die Bilanz des vergangenen Jahres aus und wie sind die Aussichten? Top-Entscheider standen der ahgz Rede und Antwort. Dabei ging es um die folgenden Fragen:
Unser Rundruf
1. Rückblick aufs Jahr 2021: Welche Bilanz ziehen Sie?
2. Welche Vertriebskanäle sind in den Fokus gerückt?
3. Welche Produkte und Produkteigenschaften waren besonders gefragt?
4. Ausblick ins Jahr 2022: Was erwarten Sie sich als Zulieferer?
5. Werden Sie die Preise erhöhen – vor dem Hintergrund steigender Kosten?
6. Wie sind die Aussichten für die Gastronomie? Welche Trends werden wichtig?

Philipp Kocherscheid, Geschäftsführer, Dallmayr Gastronomie Service
Dallmayr
Philipp Kocherscheid, Geschäftsführer, Dallmayr Gastronomie Service

Philipp Kocherscheid, Geschäftsführer, Dallmayr Gastronomie Service

1. Wie erwartet war das Jahr 2021 von der noch andauernden Pandemie geprägt – beginnend mit dem Lockdown bis zur vierten Welle im letzten Quartal. Dennoch waren wir kontinuierlich im Dialog mit unseren Kunden und potenziellen Neukunden, die Projekte geplant und später im Jahr erfreulicherweise auch realisiert haben. Dadurch konnten wir ein schlechteres Ergebnis abwenden und sind mit dem Umsatzergebnis des vergangenen Jahres durchaus zufrieden. Perspektivisch glauben wir an eine Erholung des Außer-Haus-Marktes.

2. Wie in anderen Bereichen, haben auch wir uns bedingt durch den Lockdown hauptsächlich in Videokonferenzen mit unseren Kunden und potenziellen Neukunden ausgetauscht. Online-Formate werden aber den persönlichen Kontakt mit den Gastronomen und Hoteliers langfristig nicht ersetzen können.

3. Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Konzepten ist ungebrochen und nimmt stetig zu. Dahingehend überprüfen wir seit vielen Jahren unsere Sortimente, immer mit dem Ziel exzellente Qualität zu erhalten und gleichzeitig ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit zu realisieren. Nachdem wir im vergangenen Jahr das gesamte Coffee-to-go-Sortiment durch eine nachhaltige Variante ersetzt haben, überarbeiten wir aktuell die Verpackungen unserer Teesortimente. Die ersten Artikel liefern wir bereits in der neuen Verpackungsvariante aus, weitere folgen im Jahresverlauf. Darüber hinaus ergänzen wir unser nachhaltiges Kaffee-Sortiment rund um Via Verde um eine weitere Fairtrade-Line, verfügbar ab dem zweiten Quartal 2022.

4. Unsere Situation ist stark vom weiteren Verlauf der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen im Außer-Haus-Markt abhängig. Eine Prognose fällt daher nicht ganz leicht. Wir haben in den letzten zwei Jahren gelernt mit den Herausforderungen umzugehen, flexibel zu bleiben und sind für jede Entwicklung gewappnet.

5. Die Preise für Arabica Rohkaffees befinden sich aktuell auf dem höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Auch die Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise, teils dramatischen Ausmaßes, sind für uns eine Herausforderung. Da wir aber auch unter schwierigen Bedingungen an unserer strikten Qualitätsphilosophie festhalten und kontinuierlich in unsere Marken investieren, sind wir gezwungen, wo erforderlich, auch Preisanpassungen vorzunehmen.

6. Der Verbraucher hat durch die Einschränkungen während der Pandemie erlebt, dass soziale Kontakte und gemeinsame Genuss-Momente in der Gastronomie ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens sind und auch Lebensqualität bedeuten. Wir sind davon überzeugt, dass nach Abklingen der Pandemie die Lust auf den Genuss außer Haus zurückkehrt. Qualität und der Trend zu qualitativ hochwertigen Zutaten und gesünderer Ernährung rücken dabei in den Fokus.


Martin Sachse, Business Executive Officer, Nestlé Professional
Nestlé Professional
Martin Sachse, Business Executive Officer, Nestlé Professional

Martin Sachse, Business Executive Officer, Nestlé Professional

1. Da wir bei Nestlé Professional ein breit gefächertes Portfolio haben, können wir für das Jahr 2021 eine vorsichtig positive Bilanz ziehen. Das ist unseren Innovationen und vor allem unserer starken Vertriebsmannschaft zu verdanken. Diese war trotz Besuchseinschränkungen in der Lage, unsere Neuheiten bei potenziellen Kunden zu platzieren. Für 2022 wünschen wir uns sehr, unsere Kunden und Partner wieder vermehrt persönlich zu treffen.

2. Da vor allem die Hotellerie und die Gemeinschaftsverpflegung stark von den Restriktionen in der Pandemie betroffen waren, haben wir uns auf neue Kanäle fokussiert. Mit unserer Plant-Based-Linie von Garden Gourmet konnten wir insbesondere in der klassischen Gastronomie und bei den Systemern punkten. Einige neue Kunden wurden dadurch dazugewonnen. Im Beverages-Bereich haben wir uns auf Cafés und Bäckereien konzentriert und dort unser neues Konzept Roastelier vorgestellt. Der Digitalisierungsprozess hat nochmals an Bedeutung gewonnen, so dass wir viele unserer Kollegen mit LinkedIn-Seminaren geschult haben und auch vermehrt auf digitale Verkaufsunterlagen setzen.

3. Mit pflanzlichen Produkten wie dem Sensational Burger und Vuna von Garden Gourmet haben wir den Nerv der Zeit getroffen. Durch die Vielfalt des Sortiments können wir viele Kunden und Nachfragen abdecken. Unser neues Röstsystem Roastelier konnte im Kaffee-Bereich punkten. Hiermit hat der Gastronom oder Hotelier nun auch die Möglichkeit, vor den Augen der Kunden Kaffee frisch zu rösten. Ein echter Meilenstein, wie wir finden.

4. Ein weiterhin respektvoller Umgang mit unseren Partnern ist uns sehr wichtig. Denn nur gemeinsam werden wir aus dieser Krise herauskommen. Zudem wollen wir kulinarisch inspirieren als auch konzeptionell beraten. Genau das braucht es, damit sich unsere Kunden neu und zukunftsfähig aufstellen können. Dafür werden wir natürlich auch neue Produkte auf den Weg bringen, um Impulse zu schaffen.

5. Wir unterliegen den gleichen Preisentwicklungen und Voraussetzungen wie alle Zulieferer. Daher mussten auch wir unsere Preise anpassen.

6. Ideenreiche und trendweisende Gastrokonzepte werden sich durchsetzen. Trotzdem wird es auch damit schwer sein, an Erreichtes anzuknüpfen – auch wegen des Fachkräftemangels.
Qualität wird einen noch höheren Fokus haben als in der Vergangenheit. Gleichzeitig wird der Konsument ein noch stärkeres Restauranterlebnis erwarten als bisher. Guter Geschmack allein wird in Zukunft nicht mehr ausreichen.
Trends wie Plant Based und ein bewusster, nachhaltiger Konsum werden den Alltag bestimmen. Auch Effizienz ist ein wichtiges Stichwort. Gut zu beobachten etwa an der immer systematischeren Küchenorganisation und dem Einsatz hochwertiger Convenience-Produkte.


Andreas Budach, Leiter Foodservice, Teekanne
Teekanne
Andreas Budach, Leiter Foodservice, Teekanne

Andreas Budach, Leiter Foodservice, Teekanne

1. Insgesamt gesehen war 2021 durch die angespannte Situation bei unseren Kunden – und hier insbesondere bei denen aus dem Bereich der Gastronomie und Hotellerie – ein schwieriges Jahr. Und auch die weltweite Rohwarenknappheit hat uns vor Herausforderungen gestellt, die wir aber dank unserer sehr vertrauensvollen Lieferketten weitestgehend gut lösen konnten. Als Gesamtunternehmen können wir auf ein sehr gutes Jahr zurückblicken, da Tee im Allgemeinen sehr gefragt ist und dieser Effekt durch die Pandemie noch verstärkt wurde.

2. Aufgrund von Kontaktbeschränkungen und anderen Unwägbarkeiten, die die Pandemie mit sich gebracht hat, ist generell das Geschäft in den diversen Online-Kanälen stärker gewachsen.

3. Wir haben im vergangenen Jahr eine große Nachfrage nach nachhaltigen Produkten, von der Verpackung über den Tee selbst, feststellen können. Insbesondere Tee in Bio-Qualität wird stark nachgefragt. Gerade die Hotellerie hat unserer Erfahrung nach längst verstanden, dass die Zukunft nachhaltig gestaltet werden muss. Aus diesem Grund konnten wir unsere neuen nachhaltigen Sortimente – Teekanne selected und 5Cups and some leaves, ein Berliner Start-up, das zu Teekanne gehört – trotz aller Schwierigkeiten in den vergangenen rund zwei Jahren erfolgreich in der Gastronomie und Hotellerie platzieren.

4. Wir erwarten auch für 2022 weiterhin schwierige Gespräche – dort, wo die Kunden deutlich unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden. Und auch das Thema der Engpässe bei der Rohwarenbeschaffung in Kombination mit erhöhten Preisen wird uns in diesem Jahr weiter vor Herausforderungen stellen.

5. Wir versuchen alles, um mit den Lieferanten und Kunden Lösungen zu finden – und die Auswirkungen für alle möglichst klein zu halten.

6. Ein Megatrend, den wir weiter stark im Kommen sehen, ist der der nachhaltig produzierten Bio-Tees! Die Welle hat aus unserer Sicht gerade erst angefangen und ist noch nicht überall angekommen. Außerdem möchten die Menschen auch unabhängig von oder gerade wegen Corona mehr Freude an Dingen des täglichen Lebens haben und nicht auf Genuss verzichten.

Wir setzen vor allem mit der Marke 5Cups and some leaves auf mehr Freude beim Teetrinken und bieten hier nicht nur nachhaltigen Bio-Tee, sondern eben auch das notwendige Equipment, um Tee zum Erlebnis zu machen. So geben wir den Gastronomen auch zwei eigens produzierte Anwendervideos an die Hand, welche die Teezubereitungsmöglichkeiten von 5Cups zusammen mit dem Tea Shot Maker und dem Ice Tea Maker erklären, zum Experimentieren einladen und beweisen, wie viel Erlebnis in der Teezubereitung stecken kann.


Roel Annega, Vorsitzender der Geschäftsführung, Gerolsteiner Brunnen
Gerolsteiner
Roel Annega, Vorsitzender der Geschäftsführung, Gerolsteiner Brunnen

Roel Annega, Vorsitzender der Geschäftsführung, Gerolsteiner Brunnen

1. Trotz pandemiebedingter Einschnitte im Gastronomiegeschäft, ist Gerolsteiner insgesamt gut durch das Jahr 2021 gekommen, das auch durch die Folgen des Hochwassers besonders herausfordernd war. Im Handel konnten wir weiteres Wachstum verzeichnen und unsere Position als Mineralwasser-Marktführer ausbauen.

2. Hierzu machte Gerolsteiner keine Angaben.

3. Starke Marken sind gefragt. Qualität, Natürlichkeit, Nachhaltigkeit sind entscheidende Kriterien für die Popularität eines Produkts. Individuelle Vorlieben gewinnen an Bedeutung, der Geschmack differenziert sich aus, wie die Sortenvielfalt beim Mineralwasserangebot belegt. Das kräftigste Wachstum verzeichnet unser stilles Mineralwasser Gerolsteiner Naturell, aber auch unsere absatzstärkste Sorte Gerolsteiner Medium hat weiter zugelegt. Innovationen wie das 2021 eingeführte Gerolsteiner Feinperlig geben dem Markt frische Impulse. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Verpackung: Mehrweg gewinnt neue Fans, Gerolsteiner profitiert von diesem Trend. Seit Juli 2021 bieten wir, nach den Erfolgen von Glas-Mehrweg bei unseren Mineralwässern, auch Erfrischungsgetränke in Glas-Mehrwegflaschen an.

4. Der AfG-Markt ist in Bewegung: Als starker Player wollen wir die Chancen nutzen, die sich durch diese Dynamik eröffnen. Neben dem Kerngeschäft Mineralwasser bauen wir unser Sortiment an Erfrischungsgetränken gezielt aus und setzen unsere Innovationsoffensive 2022 fort. Highlight für den Außer-Haus-Markt: Im März gehen wir mit innovativen Erfrischungsgetränken im 0,33-Liter-Longneck-Glas-Mehrweggebinde an den Start. Den Anfang machen zwei Limonaden in den Sorten Citrus-Minze und Orange-Passionsfrucht sowie eine sortenreine Elstar-Apfelschorle. Abgerundet wird das Longneck-Angebot durch das neue, besonders mineralstoffreiche Mineralwasser Ursprung. Mit Neuheiten wie dieser zeigen wir, dass auch ein Naturprodukt wie Mineralwasser Raum für Innovationen bietet, und unterstreichen zugleich die Kompetenz von Gerolsteiner im Segment mineralstoffreiche Mineralwässer – unser USP und eine wichtige Abgrenzung, auch zu Leitungswasser. (...) Zu unseren zentralen Aufgaben als Unternehmen gehört, den Klimaschutz auch 2022 engagiert und mit ambitionierten Zielen weiter voranzutreiben. Gerolsteiner bekennt sich zum 1,5-Grad-Ziel: Am Standort wollen wir klimarelevante Emissionen bis 2030 verglichen mit 2016 um 59 Prozent senken und arbeiten mit Partnern und Lieferanten daran, die Lieferkette nachhaltig zu gestalten.

5. Hierzu machte Gerolsteiner keine Angaben.

6. Auch wenn es noch ein wenig dauern wird, bis im Außer-Haus-Markt das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht ist, sind wir für die Perspektiven der Gastronomie sehr optimistisch. Es gibt eine große Sehnsucht der Menschen nach Begegnung und Miteinander, nach überraschenden Geschmackserlebnissen und danach, sich kulinarisch verwöhnen zu lassen: Die Gastronomie, die sich während der Pandemie mit bewundernswerter Kreativität weiterentwickelt und immer wieder neu erfindet, bietet die Bühne dafür. Der Nachholbedarf der Gäste ist riesig.


Fritz Kellermann, Vertriebsleiter, Erlenbacher Backwaren

Fritz Kellermann, Vertriebsleiter, Erlenbacher Backwaren

1. Die ersten Monate waren wegen Corona schwierig. Aber nach der Wiedereröffnung von Cafés und Restaurants ist die Nachfrage förmlich explodiert. Das führte wiederum zu Engpässen in der Lieferkette. Rohstoffe und Verpackungen wurden teilweise sehr spät oder gar nicht geliefert. Das hat uns immer wieder sehr gefordert und führte auch zu Lieferausfällen.

2. Take-away und To go haben durch den Lockdown enorm an Bedeutung gewonnen.

3. In Folge der Pandemie machte sich der Fachkräftemangel im Außer-Haus-Markt bemerkbar. Viele Kunden setzten deshalb verstärkt auf Produkte mit Convenience-Vorteilen. Mit unseren qualitativ hochwertigen TK-Backwaren konnten wir diesen Trend optimal bedienen.

4. Corona wird den Außer-Haus-Markt auch 2022 weiter beschäftigen. Die Entwicklung ist schwer vorhersehbar. Bei Erlenbacher versuchen wir uns so flexibel wir möglich aufzustellen, um kurzfristig auf die Herausforderungen des Marktes reagieren zu können.

5. Die massive Preissteigerungen in fast allen Bereichen führten dazu, dass wir uns im Dezember dazu entschieden haben, die Preise anzupassen.

6. Gäste wollen wieder Restaurants und Cafés besuchen. Der vergangene Sommer hat das deutlich gezeigt. Mit dem Abflauen von Corona werden wir in diesem Bereich zu einer neuen Normalität zurückfinden.
Die Freude am Genuss und am Genießen wird zurückkommen. Allerdings glaube ich, dass Verkaufskonzepte wie Take-away und To go auch nach der Pandemie auf einem deutlich höheren Niveau sein werden als vor Corona.
Der Fachkräftemangel hat mittlerweile alle Bereiche der Gastronomie erfasst. Das wird die Weiterentwicklung des Marktes auch nach Corona stark beeinflussen.

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