Ausblick 2022: So schauen die Technik-Zuliefe...
Ausblick 2022

So schauen die Technik-Zulieferer ins neue Jahr

IMAGO / agefotostock
2022: Die Technik-Zulieferer sind insgesamt positiv eingestellt
2022: Die Technik-Zulieferer sind insgesamt positiv eingestellt

Was erwartet die Industrie vom Jahr 2022? Dazu haben wir führende Unternehmen befragt. Teil 2 mit den Firmen WMF/proHeq, Hobart, Melitta Professional und Stahl Wäschereimaschinen.

Welche Themen beschäftigen die Hersteller und Anbieter von Küchentechnik? Wie sieht die Bilanz des vergangenen Jahres aus und wie sind die Aussichten? Top-Entscheider standen der ahgz Rede und Antwort. Dabei ging es um die folgenden Fragen:

1. Rückblick aufs Jahr 2021: Welches Fazit ziehen Sie?
2. Welche neuen Vertriebskanäle und -methoden sind in den Fokus gerückt?
3. Welche Geräte und Features waren besonders gefragt?
4. Blick auf 2022: Was erwarten Sie sich als Zulieferer?
5. Werden Sie die Preise erhöhen?
6. Wie sind die Aussichten für die Gastronomie? Welche Trends werden wichtig?


Marten van der Mei, Vice President, GBU Hotel and Professional Coffee Machines DACH; Managing Director, proHeq
WMF/proHeq
Marten van der Mei, Vice President, GBU Hotel and Professional Coffee Machines DACH; Managing Director, proHeq

Marten van der Mei, Vice President, GBU Hotel and Professional Coffee Machines DACH; Managing Director, proHeq

1. Das Jahr 2021 lief definitiv anders als erwartet und für die Hotellerie- und Gastronomiebranche kann man wohl behaupten: „Die Luft wird dünn.“ Aufgrund des Lockdowns im Einzelhandel und in der Gastronomie ging unser Umsatz auf breiter Front zurück. Rückblickend sind wir aber weit besser durch die Pandemie gekommen als befürchtet und konnten gegenüber 2020 wachsen. Wir haben die Zeit genutzt, um unsere Produktivität zu verbessern. Besonders in den USA oder Großbritannien hat sich die Nachfrage wieder deutlich verstärkt. Leider sehen wir, dass sich die Situation gerade wieder zuspitzt. Die andauernde Unsicherheit wirkt sich natürlich auf die Investitionsneigung unserer Kunden aus, insbesondere im DACH-Raum. Sie werden wieder zögerlicher. Dennoch blicken wir positiv auf das kommende Jahr.

2. Zum einen wird es künftig immer wichtiger, wie wir unsere Informationen mit unseren Kunden und Partnern teilen. Hier schöpfen wir die digitalen Möglichkeiten noch besser aus. Zum anderen werden Themen wie Finanzierung oder schrumpfende Bedarfe hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Maschinen und der Services immer wichtiger. Die Kunden gehen immer mehr dazu über, kleinere Maschinen zu kaufen oder lieber in mehr kleine Maschinen, statt in wenige Große zu investieren.

3. Die WMF 1100S und aber auch die neu eingeführte WMF 1300S erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Bei leistungsstärkeren Maschinen rücken insbesondere Features wie Autoclean in den Vordergrund. Dies spart den Nutzern ein lästiges und aufwendiges Reinigen der Maschine. In der momentanen Knappheit an qualifiziertem Personal kann das ein entscheidender Vorteil sein.

4. Vor dem Hintergrund der dynamischen Situation in Bezug auf Corona gehen wir von einem herausfordernden ersten Quartal 2022 aus. So könnte auch die Zahl an Insolvenzen in unserer Branche steigen – das Thema wird uns weiter fordern. Im Hinblick auf die beschriebenen Trends werden wir unser Portfolio entsprechend anpassen und diese Segmente stärken.

5. Die steigenden Rohstoffpreise und Energiekosten bekommen auch wir bei WMF zu spüren. Um diese teilweise doch erheblichen Steigerungen zu kompensieren, müssen auch wir unsere Preise ab Januar 2022 erhöhen. Wir haben eine Preissteigerung von 5 Prozent für unsere Kaffeemaschinen und Services vorgesehen.

6. Die Pandemie spielt natürlich eine wichtige Rolle. Sobald Restriktionen aufgehoben werden, blüht auch unsere Branche wieder auf. Die Menschen sehnen sich nach Urlaub, Reisen oder einem schönen Essen in geselliger Runde. Die Möglichkeiten dazu sind aktuell aber mit großer Unsicherheit behaftet. Hier hoffen wir darauf, dass Gastronomen und Verbraucher möglichst bald Planungssicherheit erhalten. Hier muss auch die Branche mit Konzepten ihren Beitrag leisten. Die Sicherstellung von Abstands- und Hygieneregeln kostet Geld. Das wird sich künftig auch im Preis niederschlagen. Dafür verlangen die Gäste wiederum ein qualitativ hochwertiges Erlebnis. Wenn Branchenteilnehmer dies antizipieren und sich auf aufmerksamkeitsstarke Erlebnisgastronomie mit hoher Qualität konzentrieren, können sie auch in Zukunft erfolgreich sein.



Manfred Kohler, Geschäftsführer Vertrieb und Produktion, Hobart

Manfred Kohler, Geschäftsführer Vertrieb und Produktion, Hobart

1. Trotz der anhaltenden Herausforderungen hinsichtlich der Corona-Pandemie haben wir es geschafft, Perspektiven zu bieten. Perspektiven für unsere Partner und Kunden in Form von Hilfen und Unterstützung, wie jüngst mit unserem „Get Ready Zukunftsbonus“. Bis zu 1200 Euro bekamen unsere Kunden beim Kauf einer neuen Maschine aus den Produktbereichen Spül-, Gar- und Zubereitungstechnik zurück. Das kam bei der gesamten Branche sehr gut an und wurde durchweg als positives Signal gewertet. Dies schlägt sich auch in Form der sehr guten Auslastung im zweiten Halbjahr nieder, wodurch wir mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr trotz der Umstände durchaus zufrieden sein können.

2. Online-Events sind bereits seit einigen Jahren fester Bestandteil unserer Vertriebsaktivitäten. Weiter intensiviert haben wir unser Online-Angebot im Zuge der Corona-Pandemie. Mit unserem neuen „Hobart Web-Campus“ haben wir demzufolge ein vielfältiges Seminarangebot konzipiert, bestehend aus vier verschiedenen Formaten. Dazu gehört die „Hobart Webevent-Show“ speziell für Fachplaner und planende Fachhändler. In Form von verschiedenen Vorträgen, Liveshows und Videos bekommen die Teilnehmer der Web-Veranstaltung einen Einblick in unsere Spül- und Gartechnik. Dazu zählen unter anderem Spülvorführungen sowie das Live-Kochen und -Backen mit unseren Heißluftdämpfern.

3. Großer Beliebtheit erfreut sich unser „Two-Level-Washer“ – die erste gewerbliche Spülmaschine, die über eine zweite Waschkammer verfügt. Folglich kann in der zweiten Ebene zur gleichen Zeit gespült werden. Sprich: doppelte Kapazität pro Spülgang. Ein weiterer Pluspunkt der Maschine ist ihre kompakte Bauweise. Denn trotz der erhöhten Spülleistung benötigt sie nicht mehr Platz in der Küche als eine herkömmliche Spülmaschine. Auch die Digitalisierung schreitet in der Spülküche weiter voran. So wird unsere App „SmartConnect“ von unseren Kunden zunehmend genutzt. Mithilfe der Applikation kann sich der Nutzer jederzeit eine umfassende Übersicht über den aktuellen Status seiner Spülmaschine sowie seiner weiteren Küchengeräte verschaffen: Laufzeiten und Auslastung der Maschinen, Füllstände des Reinigers, Fehlermeldungen, bevorstehende Wartungsintervalle und vieles mehr – auf Grundlage all dieser Daten können Stillstände vermieden und somit Kosten gespart werden.

4. Corona hat viele Abläufe verändert und die Arbeitswelt vor einige Herausforderungen gestellt. Dabei ist einiges fortschrittlicher geworden, beispielsweise hinsichtlich der Entwicklung hin zum digitalen Arbeiten. Allerdings hat der persönliche Austausch mit Kunden und Partnern unter den Auswirkungen der Pandemie extrem gelitten. Daher hoffen wir, dass kein Lockdown kommt, sich die Lage im neuen Jahr schnell bessert, Normalität einkehrt und der gesamten Branche wieder positivere Zeiten bevorstehen.

5. Die Pandemie dauert nun schon länger an, als wir gehofft und befürchtet haben. Sie trifft unsere Branche in besonderem Maße und hat in vielen Lebensbereichen einschneidende Veränderungen mit sich gebracht. Weltweite Produktions- und Nachfrageveränderungen bei Rohstoffen sowie stark gestiegene Logistik- und Materialkosten erhöhen die Herstellkosten massiv. Dies machte es – wie auch bei den anderen Branchenherstellern – unumgänglich, eine Preiserhöhung für unsere Produkte umzusetzen.

6. Ein großes Thema ist „Mehrweg“ – ein Buzzword mit allgegenwärtiger Strahlkraft. Den Trend zur Nachhaltigkeit haben wir früh erkannt und können daher als Komplettanbieter jegliche Maschinen- und Trocknungslösungen sowie das passende Equipment zum hygienesicheren Spülen des unterschiedlichen Mehrweggeschirrs anbieten – unabhängig davon, was und wie viel gespült wird.


Marco Gottschalk, Geschäftsführer, Melitta Professional

Marco Gottschalk, Geschäftsführer, Melitta Professional

1. Nach der zwischenzeitlichen Wiederbelebung des Kaffee-Geschäfts in den Außer-Haus-Märkten bekommen wir am Jahresende die vierte Welle der Pandemie zu spüren. Viele Kunden und Interessenten bleiben abwartend in ihren Investitionsentscheidungen. Unsere globale Präsenz und die Alleinstellung als ganzheitlicher Lösungsanbieter aus eigener Hand haben uns aber auch in diesem Jahr geholfen, einzelmarktbezogene Effekte auszugleichen, so dass wir uns deutlich besser als der Markt entwickeln.

2. Wie allgemein in allen Branchen sind auch für uns digitale Interaktionen und Kommunikation stärker in den Fokus gerückt. Dabei hilft uns auch der neue Internet-Auftritt, mit dem wir im Zuge unseres weiterentwickelten Markenauftritts seit September am Start sind. Aber persönliche Kontakte unter Einhaltung aller Regeln sind weiterhin unverzichtbar bei einer Investitionsentscheidung mit einer Bedeutung für die nächsten Jahre.

3. Digitale Services und Features stehen bei unseren Kaffeevollautomaten in Zeiten der Pandemie besonders im Blickpunkt. Wir haben eine zukunftsweisende IoT-Struktur aufgebaut, die unseren Kunden neue Möglichkeiten bietet. Das Kundenportal „Melitta Insights“ stellt ihnen jederzeit anschaulich aufbereitete aktuelle Informationen ihrer Maschinen zur effizienten Steuerung und Optimierung des Kaffeegeschäfts zur Verfügung. Auch das zentrale Aufspielen von Inhalten auf den Bildschirm der Kaffeemaschine ist möglich. Mit „Melitta Remote Coffee“ lässt sich die Getränkeausgabe mit dem eigenen Smartphone steuern, ohne den Bildschirm der Kaffeemaschine zu berühren. Ein wichtiges Thema sind derzeit auch flexible Finanzierungsangebote. Hier finden wir gemeinsam mit unseren Kunden die jeweils passende Lösung.

4. Ich erwarte, dass wir im nächsten Jahr zur Normalität zurückkehren, auch wenn die aktuellen Zeichen derzeit eher darauf hindeuten, das mindestens noch die ersten Monate unverändert herausfordernd bleiben.

5. Wir bitten um Verständnis, dass wir zur Preisgestaltung keine Angaben machen.

6. Trotz aller Herausforderungen: Die Relevanz für gute Gastronomie wird wieder wachsen, gerade in Zeiten von Social Distancing und vermehrtem Homeoffice. Es geht im Kern darum, den Gästen ein perfektes, entspanntes Erlebnis zu bieten. Die Gelegenheit, dem Alltag (und auch den Erfahrungen der Pandemie) einen schönen Moment lang zu entkommen. Das sind gute Aussichten.


Sebastian Hatz, Vertriebsleiter DACH-Region, Stahl Wäschereimaschinen

Sebastian Hatz, Vertriebsleiter DACH-Region, Stahl Wäschereimaschinen

1. Grundsätzlich ziehen wir eine positive Bilanz: Allen Widrigkeiten zum Trotz sind wir mit dem Jahr sehr zufrieden. Wir haben einen deutlichen Trend zum Kauf von in Deutschland gefertigten Produkten gespürt, der sich auch positiv auf unsere Geschäftsentwicklung ausgewirkt hat.

2. Nachdem weiterhin Messen nur eingeschränkt möglich waren, haben digitale Wege zum Kunden an Bedeutung gewonnen. Auch wenn wir diese Kanäle schon in den Vorjahren intensiv bespielt haben, hat ihre Bedeutung weiter zugenommen. Im Vertrieb ist und bleibt aber der persönliche Kontakt unschlagbar und weiterhin in unserem Fokus. Daher waren wir auch im Herbst wieder auf Messen vertreten und haben viele gute persönliche Gespräche geführt.

3. Durch den besonderen Fokus auf Hygiene haben wir vermehrt Anfragen bekommen, die zeigen, dass dieses Thema auch bei der Wäsche in den Fokus rückt. Haushaltswaschmaschinen können keine Resultate gemäß den Vorgaben des RKI gewährleisten. Immer mehr Unternehmen interessieren sich für Waschmaschinen, die es möglich machen, eine Dosieranlage anzuschließen und alle Parameter frei zu definieren.

4. Wir blicken positiv in das Jahr 2022.

5. Basierend auf den steigenden Rohstoff- und Energiekosten wird es auch bei uns eine Preisanpassung im Laufe des Jahres 2022 geben.

6. Die recht entspannten Zeiten im Sommer haben gezeigt, dass die Gastronomie für das Land sehr wichtig ist. Die Menschen wollen Genuss und soziale Kontakte. Die Branche hat die Hygienekonzepte vorbildlich umgesetzt und wird sich daher sicher stabilisieren. Ein Negativtrend, der die Unternehmen in der nächsten Zeit sicherlich stark beschäftigen wird, ist der Mitarbeitermangel. Alle Dinge, die dabei helfen, die Arbeit zu erleichtern oder zu reduzieren, werden daher in der kommenden Zeit auf großen Zuspruch stoßen.

stats