Digitales Tasting : Treffliches Trio aus Terl...
Digitales Tasting

Treffliches Trio aus Terlan

Ute Noll
Terlaner Cuvée DOC: (von links) Cuvée 2020, Nova Domus Riserva 2018, Nova Domus Riserva 2014
Terlaner Cuvée DOC: (von links) Cuvée 2020, Nova Domus Riserva 2018, Nova Domus Riserva 2014

In Lockdown-Zeiten fallen naturgemäß auch Weinverkostungen vor Ort ins Wasser. Wie Gastronomen, Sommeliers, Händler und andere Profis dennoch an Infos aus erster Hand kommen, zeigt eine Internet-Verkostung der Karlsruher Agentur organize.

Klaus Gasser und Rudi Kofler von der Cantina Terlan warten schon. Sie sind bereit, mit den knapp 50 Weinprofis, die per Zoom zugeschaltet sind, die Terlaner Weißweincuvées zu probieren und darüber zu sprechen. Die erwartete Qualität der Weine und die sympathische Auskunftsfreude der Südtiroler Weinmacher hat bekannte Namen der deutschen Wein- und Gastronomieszene vor dem heimischen Rechner gelockt.

Darunter Heike Philipp, Sommeliere und Gastgeberin im Restaurant Philipp in Sommerhausen, die soeben mit dem neuen Michelin Service Award ausgezeichnet wurde, der Weingastronom Gerhard Retter (Restaurant Cordo in Berlin und die Fischerklause am Lütjensee, die Autorin und frühere ahgz-Kolumnistin Ursula Heinzelmann, der frühere Sommelier und heutige Weinschreiber Sebastian Bordthäuser und andere.

Drei Weißweine stehen zur Verkostung an: Terlaner Cuvée 2020, Terlaner Nova Domus Riserva 2018 und Terlaner Nova Domus Riserva 2014. Alle Teilnehmer haben die Flaschen zugesandt bekommen, gemeinsam mit ausführlichem Infomaterial, Hinweisen zum Ablauf und natürlich dem Zoom-Link.

Drei Rebsorten machen den Terlaner aus

Die Besonderheit des Terlaners ist: Er ist der einzige Südtiroler Weißwein, der die Qualitätbezeichnung DOC trägt, und er darf die Ortsbezeichnung Terlaner ohne die Angabe von Rebsorten führen. Der Wein ist vor mehr als 100 Jahren entstanden aus der Kelterung des sogenannten gemischten Satzes. Das hat sich über die Jahrzehnte professionalisiert und institutionalisiert. Heute besteht der weiße Terlaner DOC aus 60 Prozent Weißburgunder, 30 Prozent Chardonnay und 10 Prozent Sauvignon Blanc.

Die Terlaner Cuvée aus dem aktuellen Jahrgang 2020 kommt als erstes ins Glas. Obwohl soeben erst gefüllt, zeigt dieser Wein sein Potenzial: Noten nach grünem Apfel und weißem Pfirsich in der Nase sowie etwas Zitronenmelisse und Minze fallen auf; im Mund ist er saftig und mineralisch, durchaus mit Spannung und Komplexität sowie schönen Saftigkeit, Frische und Länge. Der Wein ist zu 80 Prozent im Edelstahl und zu 20 Prozent in großen Holzfass ausgebaut. Die Terlaner Weinmacher bezeichnen ihn als "universell einsetzbar". Er sei geeignet zum jung trinken, reife aber auch sehr gut. Preislich liegt dieser Wein bei 16 Euro, und die ist er allemal wert. Speisenempfehlungen: Putenbrust mit Wurzelgemüsen, feiner Kalbsbraten, Parmesan, frischer Pecorino, aber passt durchaus auch zur Pizza und zu Nudeln mit Tomatensauce.

Aus den Jahren 2018 und 2014 kommt anschließend der "große Bruder" des vorangegangenen Weins ins Glas: der Nova Domus Riserva. Vergoren und 12 Monate auf der  Feinhefe ausgebaut im 3000-Liter-Holzfass lebt dieser Tropfen nicht so sehr von der Primärfrucht und hat großes Reifepotenzial. Preislich bewegt sich der Nova Domus im Bereich von 37 Euro.

Das Mineralische kommt nicht zu kurz

Das Jahr 2018 mit seiner Hitzeperiode in den Monaten Juli und August hat schließlich doch noch sehr gute bis exzellente Weine hervorgebracht. Was auf den Riserva 2018 zutrifft: Facettenreiche Nase nach Kräutern und Gewürzen,  aber auch Frucht ist da: etwa Aprikose, Honigmelone und Maracuja. Das Mineralische kommt dabei nicht zu kurz. Im Mund zeigt er sich kräftig, zugleich aber feingliedrig-komplex und schön getragen von einer mineralisch-salzigen Spannung, die lange nachwirkt.
Speisenempfehlungen: Gegrillte Lachsschnitte, gebratener Thunfisch, Saltinbocca oder geschmorte Kalbshaxe. Der Südiroler 3-Sterne-Koch Norbert Niederkofler (Restaurant St. Hubertus) empfiehlt: Kutteln mit Kalbsfilet und Spargelchips.

Der 2014er Nova Domus stammt aus einem kühleren, durchaus schwierigen Jahr, in dem Säure und Struktur der Weine nach Aussage von Klaus Gasser und Rudi Kofler nicht ganz im Gleichgewicht waren. Dennoch habe sich der Nova Domus aus diesem Jahr mit der Reife gut entwickelt. Kofler: "Die Jahrgangsunterschiede soll man schmecken. Wir sind mit dem 2014er sehr zufrieden." 

Dieser Wein ist nicht so opulent und strahlend wie der 2018er, dafür etwas straffer, dennoch aber gut texturiert, und er hat sogar noch Potenzial. Er passt gut zu etwas Geschmortem mit kräftiger Sauce oder zu gereiftem Bergkäse. Weißwein zu Käse, so wurde es auch in der digitalen Runde gesehen, ist ohnehin meist die bessere Wahl als Rotwein. 

Klimawandel als Herausforderung

Ein Thema, das Winzer in Mitteleuropa zunehmend betreffen wird, ist der Klimawandel. Auch Südtirol und Terlan spüren ihn. "Das ist für uns eine Herausforderung", sagen Gasser und Kofler. Zum Glück könnten sie noch in die Höhe gehen (in Terlan reichen die Weinberge hinauf bis auf 1000 Meter). Sie wollen nicht davon abgehen, die Trauben zur Vollreife zu bringen. Eine frühere Lese, um die Alkoholwerte tiefer zu halten, kommt für sie nicht infrage. Für sie ist wichtig, dass der Alkohol gut eingebunden und die Harmonie des Weins stimmig ist. Bei den drei vorgestellten Tropfen war das so. Die "normale" Terlaner Cuvée hat 13,5 Volumenprozent Alkohol, die Riservas liegen bei 14 Volumenprozent.


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