Heißgetränke-Trends: Hightech & kalter Kaffee
Heißgetränke-Trends

Hightech & kalter Kaffee

Helmut Heigert
Klare Identität: Barista André Strittmatter zelebriert das Cold-Brew-Verfahren mit Herkunftskaffees von Darboven.
Klare Identität: Barista André Strittmatter zelebriert das Cold-Brew-Verfahren mit Herkunftskaffees von Darboven.

Auch vor Kaffeemaschinen macht die Digitalisierung nicht halt. Telematik ermöglicht Ferndiagnosen. Beim Kaffee geht es um Herkunft und handwerkliches Brühen. To-go-Konzept vermeidet Bechermüll.

Die Grenzen des technisch Machbaren ausreizen – das scheint bei den Herstellern von Kaffeemaschinen derzeit die Devise zu sein. Auf der einen Seiten haben einige Hersteller Spitzenmodelle auf den Markt gebracht, die bis zu 250 Tassen Kaffee pro Stunde produzieren können. Telematik verbindet die Kaffeemaschinen mit Warenwirtschaftssystemen oder erleichtert die Wartung über das Internet. Hochauflösende Displays ermöglichen das Abspielen von Werbefilmen. Und als nette „Spielereien“ gibt es Smartphone-Apps, mit denen der Gast seinen individuellen Kaffee bestellen kann.

Auf der anderen Seite kommt das klassische Handwerk wieder zum Tragen. Handgebrühter Filterkaffee und kalt gebrühter Kaffee können selbst die leidenschaftlichsten Kaffeetrinker begeistern. Die passenden Spitzenkaffees und auch Tees haben immer mehr Anbieter in ihrem Programm.

Kaffee ist in Hotels enorm wichtig. Ob beim Frühstück, auf Tagungen oder auf dem Hotelzimmer – die Anforderungen können sich stark unterscheiden. Nespresso Business Solutions (www.nestle-nespresso.com) hat alle Bereiche des Hotel-Business unter die Lupe genommen und bei der Internorga ein Nescafé-Hotelkonzept präsentiert: vom Vollautomaten mit großen Kapazitäten fürs Frühstück bis zum Schnellkocher und Nescafé-Sticks fürs Hotelzimmer und Vending Automaten auf den Fluren.

Mit dem Vollautomaten A 1000 präsentierte Franke Coffee Systems (www.franke.com) sein neues Spitzenmodell. Bis zu drei Kaffeemühlen und zwölf Liter Milch im Kühlschrank ermöglichen eine hohe Stundenleistung. Das neue Display ermöglicht es, programmierte Heißgetränke auf fünf Ebenen abzurufen.

Große Mengen bei schlankem Design – das bietet der neue Vollautomat Melitta Cafina XT8 von Melitta Professional Coffee Solutions (www.melitta-professional.de). Die Maschine schafft eine Stundenleistung von bis zu 250 Tassen Kaffee und 80 Tassen Kakao. Über das neue Touch-Display können bis zu 1000 programmierte Produkte abgerufen werden. Der lichtstarke Bildschirm ist auch dazu geeignet, Werbefilme abzuspielen. Über eine App kann der Gast via Bluetooth seinen persönlichen Kaffee bestellen. Und über Telematik können die Maschinen an Warenwirtschaftssysteme angeschlossen und online gewartet werden.

Die WMF Group (www.wmf-group.com) stellte den neuen Kaffeevollautomaten WMF 1100 S vor. Dank seiner schlanken Maße findet das Gerät auch auf kleinsten Flächen Platz. Der neue Vollautomat mit einer Tagesleistung von 80 Tassen ist auch mit dem Reinigungssystem Click&Clean ausgestattet. Ein Tastendruck genügt und alle Milch führenden Teile werden automatisch von Ablagerungen und Rückständen befreit.

Schaerer (www.schaerer-gmbh.de) präsentierte ebenfalls ein neues Einstiegsmodell: Schaerer Coffee Club. Der kleine Vollautomat kann je nach Bedarf mit Mühlen, Bohnenbehältern und Milchpulversystemen kombiniert werden. Über ein neues Touch Display können bis zu 40 unterschiedliche Kaffeespezialitäten einprogrammiert werden.

Eine platzsparende Lösung für kleine Tresen oder Frühstücksbuffets stellte auch die Schweizer Thermoplan AG (www.thermoplan.ch) mit ihrem Vollautomaten Black & White 4 compact vor. Das Gerät ist durch diverse Module für Pulver, Sirup und Kakao ergänzbar. Die entsprechenden Getränkegrößen werden nach Angaben von Vertriebsmitarbeiter Gerhard Gerstel nicht durch Mengen, sondern durch die Laufzeiten von Mühlen und Pumpen kontrolliert: „Das ist vor allem interessant für die Systemgastronomie“, sagt Gerstel.

Und was tut sich bei den Röstern? Auf neue sortenreine Kaffees setzt das Unternehmen J.J.Darboven (www.darboven.com). Unter dem Logo ID Origins werden insgesamt sechs Kaffeespezialitäten aus Afrika, Asien und Südamerika angeboten – in diesem Jahr auch in neuen Verpackungen in Schiefertafeloptik. Barista André Strittmatter lässt den Kaffee bis zu 18 Stunden kalt ziehen und erzielt dadurch eindrucksvolle Geschmackserlebnisse.

Service-Bund (www.servicebund.de) tritt mit der Eigenmarke Sourcer im Heißgetränkesegment an. Die Marke umfasst sowohl Kaffee, Tee und Kakaospezialitäten in Bio-Qualität als auch Kaffeemaschinen sowie das passende Geschirr. „Sourcer soll im Spätsommer 2017 auf den Markt kommen“, sagte Timo Mathes, Geschäftsführer vom Hanseatischen Food Service.

Azul (www.azul.de) tritt mit einem komplett neuen Markenauftritt an. Unter dem neuen Logo der goldenen Sonne ergänzen drei neue sortenreine Filterkaffees das Programm. Keo des Jahres ist Popkorn-Ananas, auf dessen Basis auch der Eistee Tiki Pop entstanden ist.

Das Unternehmen Seeberger (www.seeberger.de) ist außer für seine Nüsse und Trockenfrüchte für seine Kaffeespezialitäten bekannt. Von diesem Jahr an arbeitet die Firma aus Ulm mit dem Hamburger Teeproduzenten Samova (www.samova.net) zusammen. Das 2002 gegründete Unternehmen will nicht nur Tee, sondern auch Lifestyle verkaufen. Zurzeit bietet Samova 25 Tee- und Kräuterkollektionen an.

Westhoff (www.westhoff.de) ergänzt seine Serie von Bio-Tees im Pyramiden-Beutel um sechs weitere Sorten. Damit bietet das Unternehmen insgesamt 15 Bio-Tees an.

Das To-go-Geschäft im Kaffeebereich boomt. Seit einigen Jahren versucht Teekanne Foodservice (www.teekanne.de), diesen Erfolg auch im Teegeschäft mit ihrem Tealounge System mit Teekapselmaschinen zu wiederholen. In diesem Jahr ergänzt der Hersteller sein bisher sechs Sorten umfassendes Kräuterteesortiment um die Sorte „Calm & Relax“. Insgesamt kann das Unternehmen aus Düsseldorf 27 unterschiedliche Teesorten in Kapseln anbieten.

Das To-go-Geschäft hat allerdings auch seine Schattenseiten. Nach Angaben von Olaf Glodschei vom Vertrieb von Dallmayr in Mecklenburg-Vorpommern (www.dallmayr.de) werden in Deutschland pro Stunde mehr als 300.000 Becher weggeworfen. In Kooperation mit dem dänischen Hersteller Bodum hat das Unternehmen den Joycup entwickelt.

Dabei erwirbt der Gast den doppelwandigen, bruchsicheren Becher mit Thermowirkung und einem verschließbaren Pop-up-Deckel. Beim nächsten Einkauf eines Heißgetränks kann der Gast den schmutzigen Becher abgeben und erhält einen sauberen gefüllten Becher zurück. Nur der Deckel bleibt immer gleich. Für den Gastronomen kostet der Joycup-Becher im Einkauf 5,90 Euro. Einige Coffeeshop-Ketten hätten schon größere Mengen der Becher geordert. Glodschei: „Wir werden von der Nachfrage überrannt.“

Meßmer Profi Line (www.messmer.de) hat hochgesteckte Ziele: Bis zum Jahr 2020 will die Marke der Ostfriesischen Tee Gesellschaft zu 100 Prozent nachhaltig erzeugte Rohware in sämtlichen Teesegmenten einsetzen. Außerdem sollen alle Verpackungen aus Recycling-Material oder nachhaltig angebautem Holzbestand gefertigt werden. Dadurch soll eine Senkung des Kohlendioxidausstoßes um rund 10.000 Tonnen erreicht werden.

Helmut Heigert

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