Wellness: Schön & sicher im Spa
Wellness

Schön & sicher im Spa

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Ein bisschen Spa muss sein: Auch Körperbehandlungen sind jetzt wieder erlaubt
Ein bisschen Spa muss sein: Auch Körperbehandlungen sind jetzt wieder erlaubt

Die neuen Hygienevorschriften in Hotelspas sind herausfordernd, aber machbar. Wie Wellnesshoteliers mit der neuen Normalität zurechtkommen.

STUTTGART. Gastgeber, die ihre Gäste mit Mundschutz bedienen, sind die neue Normalität. Doch wie sieht es konkret im Wellnessbereich aus? Die Angaben behördlicher Maßgaben wechseln in atemberaubendem Tempo. Und variieren von Bundesland zu Bundesland. Was heute geschrieben steht, ist morgen möglicherweise Makulatur und von neuen Maßnahmen und Vorgaben abgelöst. Fakt ist: Hygienevorschriften für Hotel-Spas sind schon immer streng und weitreichend gewesen sind. Doch nun kamen die Einhaltung der Abstandsflächen, extensivere Desinfektion, Wegekennzeichnungen und definierte maximale Nutzerzahlen „neu“ hinzu. Aufklärung und Transparenz tun not. Alle Beteiligten – Gäste wie Mitarbeiter – müssen um die speziellen Regeln wissen und diese beachten.

Ein Hotel ist kein Krankenhaus



So bedeutet Wellness derzeit für Hotels: trainieren, planen, Termine vergeben. Anwesenheitslisten müssen geführt, Startzeiten für Sauna und Pool gebucht und natürlich auch überwacht werden. Parallel zu den Hygieneregeln soll der Umgang mit Gästen „herzlich aber auf Distanz“ stattfinden und Ängste nehmen“, empfiehlt etwa der umfassende Leitfaden der Wellness Hotels für ihre Mitglieder. Auch Selbstverständliches wird in Erinnerung gerufen, etwa täglicher Wechsel der Dienstgarderobe, Wäschewechsel nach jedem Gast, alle Räume permanent durchlüften, Türgriffe, Arbeitsutensilien und Ruheliegen desinfizieren, Instrumente sterilisieren und vieles mehr. Trotzdem: Ein Hotel ist kein Krankenhaus, obwohl sich die Hygienevorgaben derzeit annähern oder gar decken. „Der Hotel-Spa muss neu gemanagt werden, bis Corona ausgestanden ist“, gibt Lutz Hertel vom Deutschen Wellness-Verband zu bedenken.

Um Sicherheitsbestimmungen und Hygienevorschriften korrekt umzusetzen, waren im Vorfeld Geduld, Kreativität und nicht zuletzt auch viel Geld verlangt. „Das Hin und Her“ habe den Spaß der Wiedereröffnung doch sehr getrübt, sagte Doreen Fahrner vom Hotel Schliffkopf im Schwarzwald. Am leichtesten seien die Vorgaben noch im Bereich des Hotel-Spas umzusetzen, wo schon vor Corona strenge Hygieneregeln galten. „Gechlortes Wasser im Pool und Temperaturen über 70 Grad in den Saunen sorgen seit jeher für eine wirkungsvolle Keim-Abtötung“, bestätigt Michael Altewischer, Geschäftsführer der Wellness-Hotels & Resorts.

In Ferienhotellerie wächst die Zuversicht



Die von der Pandemie ausgebremsten deutschen Touristen verlangt es derzeit vor allem nach sicherem Urlaub im eigenen Land. Im Gegensatz zur Stadthotellerie wächst daher in der Ferienhotellerie die Zuversicht. Dirk Luther von der Alten Meierei in Glücksburg ist daher deutlich entspannter. Seine derzeitige Belegung macht ihn „sehr glücklich“. Die 54 Zimmer des Alten Meierhof sind bis August zu 70 Prozent ausgebucht. Viele neue Gäste seien darunter. Und seit die Grenze nach Dänemark geöffnet ist, kommen auch dänischen Gäste wieder, freut sich der Hotelier und 2-Sterne-Koch. Er hat gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Zahl und Standorte von Ruheliegen und Wegen festgelegt. Bis zu 30 Gäste dürfen sich gleichzeitig in den Spa-Innenräumen aufhalten. Der Hotelchef regelt das durch vier Zeitfenster von maximal vier Stunden, für die sich Gäste anmelden können. Nach jedem Wechsel werden die Liegen desinfiziert und neue Tücher ausgelegt. Handschuhe und Mundschutz waren bei Mani- und Pediküre und anderen kosmetischen Behandlungen doch ohnehin Standard, sagt Luther. Neu ist, dass alle, Gäste wie Therapeuten, Mund-Nasen-Schutz tragen. Offene Speisen, Obst, Nüsse oder Getränke im Spabereich sind zwar verschwunden, „werden jedoch auf individuellen Wunsch serviert“, versichert der Meierei-Chef. Er umgarnt seine Gäste mit flexiblen F&B Angeboten. Wer einen Morgen-Slot im Spa hatte, der freut sich, wenn er auch um 13 Uhr noch frühstücken kann oder zu flexiblen Essenszeiten „bedient“ wird.

Die Zeit nach Corona ist eine Testphase



Hotelier Klaus-Günther Wiesler, Seehotel Wiesler am Titisee, verzeichnet derzeit noch eine Belegung von unter 50 Prozent, war jedoch am verlängerten Wochenende von Fronleichnam bis Sonntag das erste Mal wieder ausgebucht. „Das fühlt sich dann einfach wieder nach Normalität an. So kann es gern weitergehen“, sagte er kürzlich im ahgz-Interview. In seinem Haus hat Wiesler wegen der Corona-Vorschriften und auch um den Kontakt zwischen Mitarbeitern und Gästen so gering wie möglich zu halten, das Halbpensions-Menü abgeschafft. Es wird wieder durchgehend à la carte gekocht, abends bleibt dafür der Wellnessbereich länger geöffnet. „Diese neue Freiheit, nach Gusto immer warm speisen zu können“ und nicht ein Menü lang am Tisch sitzen zu müssen, gefällt den Gästen sehr gut. „Die Zeit jetzt nach Corona macht es möglich, etwas zu testen“, freut sich Wiesler. Etwa auch, indem man wie Jörg Sackmann und sein Team, die Gäste bittet „nur anzureisen, wenn sie völlig gesund sind“. Das Baiersbronner Traditionshaus der Hoteliersfamilie war ab Januar im „Komplettumbau“, wurde Ende Mai wieder eröffnet und rüstet mit einem Rooftop-Wellnessbereich, Infinity-Pool und Saunen weiter auf.

Sport findet bevorzugt draußen statt



Welche Kosten bei einem Spa im Spiel sind, beziffert Heinrich Dorfer. Der Chef des Quellenhofs im Südtiroler Passeiertal hat tägliche Kosten von 15.000 Euro für seinen 10.000 Quadratmeter Wellness- und Spa-Bereich mit Schwimmbädern und Saunen. Und zwar mit oder ohne Gäste. Daher war es auch Alexander Winter wichtig, mit den Arcona Hotels auf Sylt und Rügen und deren großen Wellnessbereichen beim Restart „gleich mit dabei zu sein“. Für Yoga, Aquagym und Sauna liegen Listen mit Zeitfenstern zum Eintragen aus. Die aktuelle Auslastung sei zwar „nicht besonders, doch die Telefone stehen nicht still.“ Daher erwartet der Arcona-Geschäftsführer zwar keine „überbordende Sommersaison“, doch er hofft, dass sich die vor Corona budgetierten Umsatzziele von Juni bis August erreichen lassen. Man habe sich auf „die neue Normalität“ eingestellt, so Winter.

Bis auf Kosmetikbehandlungen „im Bereich der Maske" sind auch im Kempinski Berchtesgaden alle Anwendungen wieder möglich, versichert Hoteldirektor Werner Müller. Er und sein Team seien „nach wie vor guter Laune und sehr positiv“. Immerhin ist der Blick aus dem 33 Grad warmen Außenpool in die Berchtesgadener Bergwelt nach wie vor einmalig schön und faszinierend. Diesen dürfen momentan jedoch nur Hotelgäste genießen. Vorerst vergibt man im Kempinski keine Termine an Tagesgäste. Im Ascara Spa des Falkenstein Grand im Taunus sind hingegen Health-Clubmitglieder und externe Stammkunden nach Voranmeldung willkommen. Der Privatpark des Hotels lädt dazu ein, die Natur aktiv zu integrieren, ob beim morgendlicher Atemzirkel, Yoga-Übungen an der frischen Luft oder Workouts in den angrenzenden Wäldern. „Das Interesse am ersten Retreat ist bereits da und stimmt uns optimistisch“, berichtet Lars Leyendecker, Director of Business Development & Communications der Broermann Health & Heritage Hotels. „Die Gäste reagieren positiv auf die Anforderungen und begrüßen deren Umsetzung.“

Der Aerosole wegen, die in Innenräumen die Ansteckungsgefahr erhöhen, werden viele Angebote ins Freie verlegt. Indoor-Kurse finden meist nur als One-on-One-Training oder in Kleinstgruppen statt. Beim Wandern, Bogenschießen, Segeln, Radfahren, Paragliding oder Waldbaden lassen sich hingegen Abstandsregeln auch bei größeren Teilnehmergruppen einhalten. Mentale Balance durch Entspannung, Pilates, Yoga sowie Kraft- und Ausdauertraining lassen sich auch auf der grünen Wiese üben. Auch Waldbaden hat dank Pandemie endgültig den Durchbruch geschafft. Das „sich Ergehen in der Natur“ ist überall angekommen, wo ein Fleckchen Natur vorhanden ist. Für Sybille Wiedenmann von den 80 Allgäu Top Hotels ist „die Natur als Wellness-Quell eine Chance in der Krise“.

Hoteliers schmieden neue Pläne



Massagen und andere Anwendungen in Pavillons unter freiem Himmel haben derzeit „einen extrem guten Lauf“. Auch Christian Barth hat auf seinem neuen Rooftop-Spa einen Pavillon mit Rheinblick aufgestellt. Der Chef des Favorite Parkhotels Mainz fasst das im Haus gültige Hygiene Konzept mit zahlreichen Fotos auf 26 Seiten zusammen; es ist für interessierte Gäste auf der Homepage abrufbar. Darin heißt es etwa: „Der Schwimmbadraum ist rund 150 Quadratmeter groß, es dürfen sich maximal zwölf Personen gleichzeitig aufhalten. Im Wasser dürfen maximal vier Personen gleichzeitig sein. Die drei Saunen dürfen immer nur Personen des gleichen Haushaltes gleichzeitig nutzen. Die Tür ist mit Besetzt/Frei Schildern bestückt, so dass der Gast sieht, ob die Sauna besetzt ist. Jede Ruheliege hat einen Abstand von 1,50 Meter zur Nachbarliege.“

Im Bellevue Jugendstilhotel Traben-Trarbach ist Harald Bauer als Shop-in-Shop-Partner für die Spa-Anwendungen zuständig. Seine Kosmetikerinnen sind „dreifach gesichert“, tragen neben Mund-Nasenmaske auch Schutzbrille und Visier. Anfangs waren Gäste sehr verhalten, merkten aber rasch, dass alles getan wird, um eine Gefährdung auszuschließen, so Bauer. Welche Perspektive er sehe? „Das kann ich Ihnen in sechs Monaten sagen, derzeit sind wir noch in Kurzarbeit und haben keinerlei Erfahrungswerte“, kommentiert der Spa-Betreiber.

Der Shutdown seiner beiden Hotels Bellevue und Moselschlösschen in Traben-Trarbach hat auch Inhaber Matthias Ganter „sehr zugesetzt“. Derzeit schmiedet der Hotelier während einer Panchakarma-Kur im Ayurveda Parkschlösschen neue Pläne. Wie viele Unternehmer hält auch er sich an einen Leitspruch, der die augenblickliche Situation auf den Punkt bringt: „Alles bleibt, wie es ist, nur anders.“

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