Zulieferer: "Ökologie gibt's nicht zum Nullta...
Zulieferer

"Ökologie gibt's nicht zum Nulltarif"

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Ada-Cosmetics-Chef Kai Bendix: "Unsere nachhaltige Entwicklung treiben wir massiv voran"
Ada-Cosmetics-Chef Kai Bendix: "Unsere nachhaltige Entwicklung treiben wir massiv voran"

Herr Bendix, seit Juli 2020 sind Sie Chef bei Ada Cosmetics. Ein Einstieg zum ungünstigsten Zeitpunkt. Wie war das für Sie? Ohne Frage herausfordernd. Wir standen mitten im ersten Lockdown. Es gab massive Umsatzeinbußen bei Ada und zwar weltweit. Zahlreiche negative Auswirkungen wollten erstmal gemeistert werden – und das nicht nur wirtschaftlich. Keiner wusste die Situation anfangs wirklich einzuschätzen. Was mich enorm unterstützte, war der Zusammenhalt im Unternehmen. Wir konnten gemeinsam die Zeit nutzen, um unsere Strategie zu überdenken und uns auf die Zeit nach Corona, wann immer das sein würde, vorzubereiten.

Nun sind wir mit der vierten Corona-Welle konfrontiert. Wie nehmen Sie den Markt aktuell wahr? In den letzten Monaten sah es wirklich erfreulich aus. Der Markt hat sich seit dem Frühsommer deutlich erholt. Der massive Wunsch, wieder Urlaub zu machen, ist spürbar. Das wirkt sich natürlich auch positiv auf unsere Motivation aus. Wir sind – trotz der aktuellen Lage – vorsichtig optimistisch und glauben, dass wir in 2022 wieder das Niveau von 2019 erreichen – vorausgesetzt, dass uns das Virus nicht noch einen unliebsamen Strich durch die Rechnung macht.

Welche Themen bestimmen bei Ada Cosmetics die Strategie? Mit der neuen Strategie haben wir uns einen neuen Purpose, einen Sinn unseres Tuns, gegeben: „Putting beauty into travel“, also das Schöne ins Reisen zu bringen. In der Umsetzung sind uns drei marktorientierte Aspekte besonders wichtig. Alles, was wir von jetzt an machen soll „surprising, sustainable, safe“ sein. Das ist der Dreiklang, der die neue Ada ausmacht. Surprising steht für Innovation, sustainable für Nachhaltigkeit und safe für Hygiene, nach neueren Umfragen das Top-Thema in der Hotellerie.

Für ein unbeschwertes Gasterlebnis gehört coronabedingt Hygiene als Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahme einfach dazu. Gäste sollen sich auf die Sicherheit unserer Produkte verlassen können. Das garantieren wir – und sind mit unseren geschlossenen Dispensern sogar bereits seit Jahren Pioniere in diesem Feld.

Auch Nachhaltigkeit ist ein zentraler Begriff. Wie setzen Sie das bei der Produktion um? Unsere nachhaltige Entwicklung treiben wir massiv voran. Seit 2018 sind unsere Formeln Cradle-to-Cradle zertifiziert – bisher als einziger Hotelkosmetik-Hersteller. Jeder, der sich auskennt, weiß, dass diese Zertifizierung einen hohen Anspruch stellt. Jede Rezeptur, jedes Rohmaterial wird genau unter die Lupe genommen. Alle Inhaltsstoffe sind unbedenklich und kreislauffähig. Abfall- und Wassermanagement, der Einsatz erneuerbarer Energien, CO2-Emissionen, soziale Verantwortung – all das gehört für uns dazu.

Gerade sind wir zudem dabei, die C-t-C-Zertifizierung auf unsere Verpackung zu erweitern. Unsere Produktverpackungen sind bereits ressourcenschonend hergestellt und durchweg recycelbar. Vor allem wollen wir den Einsatz von recyceltem Plastik weiter erhöhen. Hier arbeiten wir zukünftig unter anderem mit der Plastic Bank zusammen, einer Organisation, die sich auf das Sammeln von Altplastik aus dem Meer und von Stränden konzentriert.

Inwiefern kommt Nachhaltigkeit beim Angebot zum Tragen? In ein, zwei Jahren werden die kleinen Kosmetikflaschen größtenteils aus den Hotelbadezimmern verschwunden sein. Wir investieren daher weiter stark in unsere Spendersysteme – eine unserer Kernkompetenzen. Gerade führen wir unser neues, geschlossenes System Shape ein. Es punktet mit Design, hoher Funktionalität und wird außerdem materialeinsparend hergestellt, ist komplett recycelbar und bietet ein Maximum an Hygienesicherheit. Ein rundum nachhaltiges Produkt. Außerdem sind wir dabei, eine Methode zur sauberen, keimfreien Befüllung offener Systeme zu entwickeln. Ein Programm zur Rückführung leerer Kartuschen in den Recycling-Kreislauf ist ebenfalls in Arbeit. Das wollen wir möglichst großflächig ausrollen, gerade auch in Märkten, die noch Nachholbedarf haben, was Recycling angeht.

Auch im Markensortiment wird sich einiges tun. Wir haben gerade unsere grüne Accessoire-Serie „Think, Act & Live Responsible“ zu einer umfassenden Kosmetik-Range weiterentwickelt. Anfang des kommenden Jahres wird sie sich vom Duschgel bis zur Nagelfeile komplett nachhaltig präsentieren. In unserer Pipeline stecken noch weitere Produktideen.
„Wir wollen die Zusammenarbeit mit Start-ups ausbauen.“
Kai Bendix

20 Marken gehören zum Portfolio, darunter Lifestyle-, Premium- und Naturkosmetik. Wird das Angebot wachsen – etwa durch Partnerschaften? Oder ist eher eine zugespitzte Angebotspolitik geplant? Kosmetik lebt davon, dass es immer wieder neue, interessante Angebote gibt. Daher ergänzen und modifizieren wir unser Angebot laufend. In unserer Pipeline sind weitere ökologische Konzepte, wie auch Lifestyle- und Designerprodukte. Dabei halten wir unsere Nase in den Wind, sind neugierig und offen für Neues. Beispielsweise sind gerade in den letzten Jahren spannende, junge Hautpflege-Marken auf den Markt gekommen. Wir wollen die Zusammenarbeit mit solchen Start-ups ausbauen. Wir sehen darin eine Menge Potenzial für beide Seiten.


Zum Hotelmarkt: Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen Wachstumspotenzial? Ada Cosmetics ist als Allrounder unterwegs, mit einer starken Tendenz zur 4- bis 5-Sterne-Kategorie. Daran wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern. Wir gehen davon aus, dass sich der Markt in den nächsten zwei Jahren konsolidieren wird. Wir rechnen mit einer Reihe von Übernahmen. Hotelketten werden weiter an Bedeutung gewinnen. Allrounder bedeutet aber auch, dass wir weiterhin ein starkes Augenmerk auf die Individual-Hotellerie haben werden.

Unser Anspruch ist – ob nun Familienhotel, Natur-Resort oder Businesshotel – Konzepte anzubieten, die zum individuellen Bedarf passen. Außerdem rechnen wir damit, dass die Kreuzschifffahrt einen weiteren Boom erleben wird. Diese Branche ist in Sachen Umweltschutz stark gefordert und wird sich hier der Frage nach griffigen Konzepten stellen müssen.

Hoteliers müssen die Preise im Auge behalten. Haben Sie den Eindruck, dass bei Hotelkosmetik der Rotstift angesetzt wird? Hotels stehen unter enormen Wettbewerbsdruck. Kosten spielen daher immer eine Rolle. Wir versuchen, für jedes Budget gute Angebote zu entwickeln. Aber ohne Preiserhöhungen wird es sicherlich in diesen ungewöhnlichen Zeiten nicht funktionieren. Wir sind bereits mit einer steigenden Preisentwicklung für Rohstoffe konfrontiert. In der zweiten Hälfte des Jahres 2022 wird sich das Preisniveau hoffentlich stabilisieren. Vergessen darf man dabei auch nicht, dass es weder Qualität noch Ökologie zum Nulltarif gibt. Hochwertige Rohware hat ihren Preis. Ebenso die Herstellung umweltfreundlicher Verpackungsmaterialien aus Abfällen, denn Recyclingprozesse sind leider noch teuer und kompliziert.

Welche Ärgernisse treiben Sie um? Als Zulieferer sind wir abhängig davon, wie gut es der Hotelbranche geht. Die Probleme unserer Kunden sind auch unsere. Die aktuelle Corona-Politik beziehungsweise die Gesetzgebung macht es uns allen schwer. Entscheidungen fallen quasi über Nacht und dann auch noch für jedes Bundesland anders. Müssen wir uns da wundern, dass verunsicherte Gäste lieber die Reise absagen? Zudem steht die Hotellerie vor erheblichen Problemen in puncto Fachkräftemangel. Manche Hotels könnten voll ausgelastet sein, aber das Personal fehlt. Das wirkt sich natürlich auch auf uns als Zulieferer aus.

Wo steht die Hotellerie in zehn Jahren – und wo steht Ihr Unternehmen? Die Menschen werden auch in zehn Jahren gerne reisen. Der Tourismus wird sich jedoch stark verändert haben. Beispiel Geschäftsreise. Dieser Bereich hat sich nach den Corona-Lockdowns schneller beruhigt als gedacht. Und er verändert sich. Immer mehr Gäste verbinden eine Geschäftsreise mit einer kleinen Auszeit, oft auch gemeinsam mit der Familie. Die Verbindung von Arbeit und Leben stellt die Hotellerie und ihre Konzepte vor Herausforderungen.

Oder das Beispiel Luxus. Reisende suchen immer öfter das Exklusive, das ganz besondere, ungewöhnliche Erlebnis. Die Ansprüche an Luxus werden so individuell sein wie die Gäste selbst, Ultra-Luxury etabliert sich bereits als eine neue Kategorie. Dazu braucht es passende, anspruchsvolle Konzepte. Nicht zuletzt: Nachhaltigkeit. Das Thema wird immer stärker im Fokus stehen. Reisende werden Ziele und Stationen nach diesem Kriterium noch sorgsamer, achtsamer aussuchen.

Unser Kurs ist klar: wir investieren kontinuierlich in die nachhaltige Entwicklung unseres Unternehmens. Ziel ist in puncto Nachhaltigkeit der Innovationstreiber, also wegweisend im Bereich Hotelkosmetik zu sein. Das gilt auch für das Thema Hygiene, das wir derzeit in unserer Kommunikation ja auch stark herausstellen. Unsere Kunden vertrauen darauf, dass unsere Produkte sicher sind. Dieses Vertrauen wollen wir weiter stärken. Fazit: Wir sind jetzt schon die Nummer eins in Europa. In zehn Jahren spielt Ada Cosmetics auch international in der Liga der Top drei. Unsere Marke ist dann synonym mit den Begriffen Qualität, Nachhaltigkeit und Hygiene.

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